Satelliten-Aufnahmen So klar leuchtet die Erde nachts

Neue Aufnahmen der Nasa zeigen die Erde, wie sie noch niemand gesehen hat: Es sind die schärfsten Bilder des Planeten bei Nacht - Profis können sogar einzelne Straßenlaternen erkennen.

NASA Earth Observatory/ Joshua Stevens/ Miguel Román/ NASA's Goddard Space Flight Center

Das Eis der Pole schimmert hell am oberen und unteren Bildrand, auch der weiße Sand der Sahara zeichnet einen Fleck in die Mitte der Karte. Dazwischen ziehen sich düster die Weltmeere, unterbrochen von den Lichterketten Europas, Asiens und Nordamerikas.

Aktuelle Bilder der Nasa ermöglichen einen Blick auf die Erde, wie ihn noch kein Mensch hatte. Es sind die klarsten Aufnahmen unseres schlafenden Planeten bis heute - und die ersten überhaupt seit 2012.

Wer die Karten betrachtet, kann viel über die Menschheit erfahren. Die Lichter in Indien, Europa und Nordamerika etwa zeigen, welche Regionen der Erde sich der Mensch besonders stark erschlossen hat. Gleichzeitig macht die Dunkelheit Afrikas deutlich, wie viele Menschen bis heute ohne Elektrizität leben.

Der Blick auf Indien in der Nacht 2012 (links) und 2016 (rechts):

Als Basis der Karten dienten die Aufzeichnungen eines Satelliten, der fast jeden Fleck der Erde im Zeitraum von halb zwei mittags bis halb zwei nachts (Ortszeit) beobachtet. Dabei analysiert er jeweils 3000 Kilometer breite Streifen, die von einem Pol bis zum anderen reichen. Fast sechs Jahre lang arbeiteten die Forscher nach dem Satellitenstart 2011 an einer Technik, um aus diesen Daten akkurate Karten zu gewinnen.

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Die Erde bei Nacht: Draufblick

Dafür entwickelten sie unter anderem eine Software, die in einem ersten Schritt die klarsten Nächte in jedem Monat herausfiltert. Das allein reicht jedoch noch nicht aus, um ein exaktes Bild der strahlenden Erde zu erhalten: Kontinente, die Atmosphäre und die Weltmeere verzerren das Licht zu stark.

Deshalb konzentrierten sich die Forscher in einem zweiten Schritt auf kleinste Details und verpackten auch diese in Computerprogramme. Wie etwa verändert sich das Licht der Erde, wenn Bäume im Winter ihre Blätter abwerfen und im Sommer neue Äste sprießen? Wie, wenn die Eismassen rund um Grönland im Winter wachsen und im Sommer schwinden? Und wie, wenn Wolken, Luftverschmutzung oder Polarlichter den Blick auf die Lichter verwehren?

Details bis hin zum Fischerboot

Die so gewonnenen Daten ermöglichen es, Details bis hin zu einzelnen Straßenlaternen und Fischerbooten zu analysieren, schreibt Nasa. Für ihre jetzt veröffentlichten Karten kombinierten die Forscher außerdem Informationen aus jedem Monat im Jahr 2016, um einen Durchschnitt der Jahreszeiten zu zeigen. Auch die Karten von 2012 haben sie noch einmal nachbearbeitet - für bessere wissenschaftliche Vergleiche.

Hier ist ein gutes Auge gefragt - Chicago 2012 und 2016:

Ganz fertig sind die Forscher mit ihrem Projekt aber nicht. In einem nächsten Schritt arbeiten sie daran, die Auswertung der Satelliten-Daten zu automatisieren. Ihr Ziel ist, in Zukunft für jede Nacht innerhalb weniger Stunden nach der Aufnahme Karten zur Verfügung stellen zu können.

Die Ergebnisse sollen Meteorologen bei Wettervorhersagen helfen. Außerdem könnten die Daten dazu beitragen, das Ausmaß von Katastrophen zu erfassen, schreibt die Nasa. So werde beispielsweise deutlich, wo etwa Erdbeben, Kriege oder Stürme die Menschen vom Strom abgeschnitten und in Dunkelheit getaucht haben.

irb



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musca 14.04.2017
1. Indien ist schon krass.
Die Entwicklung von 2012 bis 2016 , von Indien und Teile des nahen Ostens im Bild dazu, was das nächtliche Lichtermeer im Unterschied von 2012 zu 2016 anbelangt. Bei Chicago kann ich eigentlich kaum auf den ersten Blick einen merklichen Unterschied zwischen 2012 und 2016 sehen, aber bei Indien ist es schon gewaltig, springt sofort ins Auge. Bleibt nur mal zu hoffen, das Indien und seinen Nachbarstaaten mal ein größerer Stromblackout hoffentlich erspart bleibt. Das modernste Stromnetz ist das indische Stromnetz ja nun leider nicht gerade. Unglaublich interessante Bilder, und nur etwa vier Jahre Unterschied. Indien sticht da extrem heraus.
multi_io 14.04.2017
2.
Zitat von muscaDie Entwicklung von 2012 bis 2016 , von Indien und Teile des nahen Ostens im Bild dazu, was das nächtliche Lichtermeer im Unterschied von 2012 zu 2016 anbelangt. Bei Chicago kann ich eigentlich kaum auf den ersten Blick einen merklichen Unterschied zwischen 2012 und 2016 sehen, aber bei Indien ist es schon gewaltig, springt sofort ins Auge. Bleibt nur mal zu hoffen, das Indien und seinen Nachbarstaaten mal ein größerer Stromblackout hoffentlich erspart bleibt. Das modernste Stromnetz ist das indische Stromnetz ja nun leider nicht gerade. Unglaublich interessante Bilder, und nur etwa vier Jahre Unterschied. Indien sticht da extrem heraus.
Wenn SpOn da nicht gerade die Bilder vertauscht hat, dann sieht das für mich eher so aus, als sei Indien 2016 (rechts) dunkler als 2012 (links).
Attila2009 14.04.2017
3.
Das zeigt aber auch das Ausmass der zunehmenden "Lichtverschmutzung " https://de.wikipedia.org/wiki/Lichtverschmutzung In Industrieländern gibt es wohl wenige Kinder die wirklich mal die ganze Pracht eines Sternenhimmels gesehen haben. Das ist nicht gut.
pfälzer93 14.04.2017
4. Lichtverschmutzung
Ich finde es sehr erschreckend das auf der Welt die Lichtverschmutzung so stark ausgeprägt ist. Leider ist vielen nicht bekannt, wie sehr das Licht z.B. Insekten schadet. Darüberhinaus können Vögel die natürliche Lichtquellen zur Navigation nutzen, ebenso gestört werden. Auch Pflanzen werden durch künstliches Licht im Wachstum stark geschädigt. Des Weiteren können wir nicht mehr die Sterne beobachten und verlieren dadurch ein hohes Kulturgut. Früher war es essenziel für alle Völker, anhand von Sternen zu Navigieren und jeder konnte den Sternenhimmel interpretieren, ihn nutzen für Landwirtschaft oder auch in Mythen. Zudem werden hier unmengen an nutzloser Energie verschwendet, warum müssen überall Straßenlaternen stehen? Mittlerweile gibt schon sogenannte Lichtschutzgebiete, andenen noch ein relativ geringe Lichtverschmutzung zu sehen ist. Obwohl man auch hier noch den Lichtdunst von Städten die hunderte Kilometer entfernt sind sieht. Eigentlich müssten wir froh sein, das Afrika noch der "dunkle" Kontinent ist. Jeder kann hier auch etwas tun. Mittlerweile ist es ja schon modern, das Haus nachts zu bestrahlen oder moderne LED- Lichter der Autos die den Effekt noch verstärken zu nutzen.
Power Net 14.04.2017
5. Sehr schön aber FAKE
Schon immer haben mich die Bilder aus dem Weltraum irritiert, die etwas zeigen, was es niemals geben kann, nämlich den ganzen Planet Erde bei Nacht. Der Planet Erde dreht sich einmal am Tag, (24 Stunden) um seine eigene Rotationsachse. Die eine Seite ist von der Sonne beschienen, die andere Seite ist von der Sonne abgewandt. Diesen Zustand dort nennen wir NACHT. Mitternacht und High Noon finden aber ständig und gleichzeitig statt. Nur der Ort an dem dies auf der Erde passiert ist ständig ein anderer. Weil die Erdrotationsachse in einem Winkel von 23,5 ° geneigt zur Umlaufbahn um die Sonne liegt, ist die Zeitdauer der Nacht im Jahresgang unterschiedlich lang auf der Erde. Von März bis Oktober liegt die Antarktis bis 70° um den Südpol dauernd im Finsteren bzw. in der Nacht. Das hat aber mit den hier veröffentlichten FAKE Bildern nichts zu tun. Diese Bilder kann es nur als Manipulation geben! Sie sind "unwirklich"
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