Satelliten-Fehlstart Experten vermuten Programmierfehler als Ursache

Eventuell führte ein Programmierfehler zum Absturz von drei russischen Navigationssatelliten. Präsident Medwedew lässt das Fiasko jetzt genau untersuchen. Er fordert zudem, dass die Ausgaben für das Weltraumprogramm einer Prüfung unterzogen werden.
Trägerrakete Proton-M in Baikonur: Kurz nach dem Start mit drei Satelliten abgestürzt

Trägerrakete Proton-M in Baikonur: Kurz nach dem Start mit drei Satelliten abgestürzt

Foto: STR/ AFP

Navigationssystem

Berlin/Moskau - Russland wollte sich unabhängig machen vom US-amerikanischen GPS und dem künftigen europäischen Galileo-System. Mehr als 20 Glonass-Satelliten umkreisen dazu bereits die Erde. Doch jetzt muss der Staat einen herben Rückschlag hinnehmen: Der Glonass- Navigationssatelliten sind nach dem Fehlstart einer "Proton-M"-Trägerrakete in den Pazifik gestürzt.

Womöglich ist die Panne auf einen Programmierfehler zurückzuführen, berichtete am Montag die Nachrichtenagentur RIA Nowosti unter Berufung auf Mitarbeiter der russischen Raumfahrtbehörde. "Eine Reihe von Spezialisten glaubt, dass ein Programmierungsfehler im Computersystem an Bord der Trägerrakete die Rakete zu hoch und damit auf eine falsche Bahn geschossen hat."

Präsident Dmitri Medwedew hat nicht nur eine Untersuchung der Ursachen des Vorfalls angeordnet, er sucht auch nach den Schuldigen: Wie die Raumfahrtagentur Roskosmos am Montag mitteilte, forderte Medwedew dazu auf, ihm die Verantwortlichen für die schwere Panne zu benennen. Zudem seien die Generalstaatsanwaltschaft und die Kontrollabteilung der Administration des Präsidenten beauftragt worden, die Ausgaben für das Weltraumprogramm zu überprüfen, heißt es weiter unter Berufung auf den Pressedienst des Kreml.

Die Schäden des Zwischenfalls lassen sich noch nicht vollständig absehen, es könnte sich nach ersten Schätzungen um mehrere 100 Millionen Euro handeln. Fest steht aber, dass das russische Programm weit zurückgeworfen wird: Das Verteidigungsministerium betonte in einer Erklärung, mit dem Verlust der drei Satelliten werde die Fertigstellung des Glonass-Systems "auf unbestimmte Zeit" verzögert. Auf die bereits funktionierenden Satelliten habe das aber keine Auswirkungen.

Die Rakete war am Sonntag nach dem Start vom Kosmodrom Baikonur (Kasachstan) aus bisher unbekannten Gründen vom Kurs abgekommen, so dass die drei Satelliten nicht ihre vorausberechnete Umlaufbahn erreichten. Dadurch kann das "Globale Satellitennavigationssystem" ("Globalnaja Nawigazionnaja Sputnikowaja Sistema" - Glonass) nicht wie geplant und von Medwedjew angewiesen zum Jahresende fertiggestellt werden.

Die neuen Satelliten mit einer Masse von je 1415 Kilogramm und einer Lebensdauer von sieben Jahren sollten in etwa sechs Wochen in Dienst gestellt werden. Damit hätte Russland über die geplanten 24 aktiven plus zwei Reservesatelliten verfügt.

cib/dapd/AFP
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