Fotostrecke

Thailand: Dieser Weltraumschrott fiel vom Himmel

Satelliten-Reste Weltraumschrott kracht auf Thailand

Ein lauter Knall, dann regnete es Trümmer. In Thailand sind gelbe Metallfragmente vom Himmel gefallen. Die Armee vermutet nach ersten Untersuchungen, dass es sich um Weltraumschrott handelt, womöglich chinesischen Ursprungs - Experten haben da Zweifel.

Bangkok/Hamburg - Es knallte mehrmals, dann fielen Metallteile vom Himmel: Bewohner von Si Sa Ket, einer thailändischen Provinz an der umstrittenen Grenze zu Kambodscha, fürchteten seit Donnerstag, dass der Konflikt zwischen beiden Staaten wieder aufgeflammt ist. Doch militärische Auseinandersetzungen waren nicht der Grund für die merkwürdigen Geräusche. Die thailändische Armee hat mehrere Trümmerteile geborgen, untersucht, nun äußert  sich der Verteidigungsminister: "Es handelt sich Trümmer eines nicht identifizierten asiatischen Satelliten."

Der Minister Yutthasak Sasiprapa sagte der Presse, man habe diese Informationen an die Verantwortlichen in Kambodscha weitergeleitet, um "Missverständnisse" auszuschließen. Die fast 800 Kilometer lange Grenze zwischen den beiden Staaten ist umstritten, immer wieder gibt es Scharmützel zwischen Grenztruppen. Militärs dementierten in thailändischen Medien Gerüchte, man habe eine Spionagedrohne aus Kambodscha abgeschossen - "es gibt keinen Krieg", sagte ein General.

Ein Armeevertreter vor Ort äußerte sich etwas spezifischer: Er sagte der "Bangkok Post ", dass die Trümmerteile augenscheinlich von einem chinesischen Satelliten stammen, bei dem die Selbstzerstörung eingeleitet wurde.

Experten zweifeln an der Weltraum-Erklärung

Die auf Pressefotos zu sehenden Metallteile sprechen allerdings nicht für diese Erklärung. Heiner Klinkrad, Experte für Weltraumschrott bei der Europäischen Weltraumagentur Esa in Darmstadt, bewertet die bisher veröffentlichten Fotos auf SPIEGEL ONLINE so: "Diese Metallteile sehen untypisch aus für etwas, das aus dem Weltall kommt." Es seien keine Spuren großer Aufheizung zu erkennen, so Klinkrad: "Der Lack ist zu erkennen, die Kanten der Schrauben sind nicht geschmolzen, sondern klar akzentuiert."

Eine mögliche Erklärung für diesen Widerspruch zwischen den von der "Bangkok Post" veröffentlichten Fotos und der Erklärung der thailändischen Militärs: Vielleicht haben Anwohner nach dem Knall viele Metallteile aufgesammelt, auch solche, die lange in der Gegend liegen und nicht aus dem Welltall stammen. Womöglich hat das Militär andere Teile untersucht, die nicht von Journalisten fotografiert wurden.

Vor einigen Tagen gab es schon einen ähnlichen Fall - im afrikanischen Namibia. Dort stürzte eine Metallkugel auf die Erde und schlug einen Krater in den Boden - Experten vermuten auch bei diesem Fall, dass es sich um Weltraumschrott handelt.

Fotostrecke

Weltraumschrott: Kugel fällt auf Namibia

Foto: AFP / National Forensic Science Institute

Solche Funde sind nicht gerade selten: Im Sommer war im US-Bundesstaat Texas ein Tank der im Jahr 2003 zerbrochenen Raumfähre "Columbia" in einem See entdeckt worden. Die Gesamtmenge des Weltraumschrotts im Orbit wird inzwischen auf rund 6000 Tonnen geschätzt. Der nationale Forschungsrat der USA fordert deswegen eine gezielte Aufräumaktion.

lis
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.