Satellitenbild der Woche 60 Prozent Eis, 100 Prozent schwarz-weiß

Nur gute tausend Kilometer vom Nordpol liegt die norwegische Inselgruppe Spitzbergen. Allein der Golfstrom sorgt dafür, dass es Menschen hier aushalten mögen. Eine aktuelle Aufnahme aus dem All zeigt, wie archaisch die Landschaft des arktischen Archipels ist.

Radaraufnahme von Spitzbergen: Gletscher bedecken rund 60 Prozent der Inselgruppe
ESA

Radaraufnahme von Spitzbergen: Gletscher bedecken rund 60 Prozent der Inselgruppe


Berlin - Auf den ersten Blick glaubt man, auf das Ohr eines betagten Elefanten zu blicken. Tiefe Furchen ziehen sich durch den grauen Untergrund, am Rand franst die Struktur aus. Dabei ist auf der Radaraufnahme des europäischen Satelliten "Envisat" die norwegische Inselgruppe Spitzbergen mit all ihren Gletschern und Fjorden zu sehen.

Mit gut 61.000 Quadratkilometern der Archipel flächenmäßig etwas kleiner als Bayern, aber mit gerade einmal 3000 Einwohnern dramatisch geringer besiedelt. Und wer einen kurzen Blick auf den Globus wirft, kann sich leicht denken, warum. Spitzbergen gehört zu den eher abgelegenen Plätzen dieser Erde. Nur gute tausend Kilometer sind es von hier bis zum Nordpol.

Allein der Golfstrom sorgt dafür, dass es auf der Inselgruppe überhaupt jemand aushalten mag. Er verhilft Spitzbergen zu einem vergleichsweise milden Klima mit einer jährlichen Durchschnittstemperatur von minus viereinhalb Grad. Trotzdem sind rund 60 Prozent der Oberfläche der Inseln mit Gletschern bedeckt. Der größte von ihnen, der Austfonna auf der Insel Nordostland, ist gleichzeitig mit mehr als 8000 Quadratkilometern Flächenrekordhalter in Europa.

Früher zog es die Menschen zum Walfang nach Spitzbergen. Davon künden bis heute die Reste der holländischen Niederlassung Smeerenburg auf der Insel Amsterdamøya im Nordwesten des Archipels. Heute wird auf Spitzbergen geforscht und Kohle gefördert. Die norwegische Bergbaugesellschaft Store Norske gräbt jedes Jahr mehr als zweieinhalb Millionen Tonnen aus den eisigen Felsen. Zum Leidwesen vom Umweltschützern soll die Produktion noch gesteigert werden. In einer weiteren Mine möchte Store Norske in den kommenden Jahren außerdem Gold fördern.

Die Norweger sind aber nicht die einzigen, die der Insel ihre Schätze entreißen wollen - und dürfen. Dafür sorgt ein völkerrechtliches Kuriosum: der 1920 geschlossene Spitzbergenvertrag. Er schreibt fest, dass Norwegen die Souveränität über die Inselgruppe bekommt, dort aber zum Beispiel kein Militär stationieren darf. Außerdem können die Bürger aller Vertragsstaaten - das sind ungefähr 40, darunter auch Deutschland - auf der Inselgruppe wirtschaftlichen Aktivitäten nachgehen.

Der einzige Staat, der das tatsächlich tut ist Russland. Mit Barentsburg unterhält die Regierung einen strategisch höchst wichtigen Außenposten in der Arktis. Dort gibt es auch ein Kohlebergwerk. Doch dessen Förderung ist spätestens seit einem Brand nicht der Rede wert. Weitere Siedlungen wie Grumant oder Pyramiden haben die Russen ganz aufegegeben. Sie stehen als Geisterstädte im arktischen Eis.

Seine Rohstoffe verdankt Spitzbergen übrigens seiner geologisch höchst interessanten Geschichte. In den vergangenen 600 Millionen Jahren ist das Gebiet aus der Südpolarregion nämlich quasi bis ans andere Ende der Welt gedriftet.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels fanden sich zu niedrige Werte für die Kohleproduktion auf Spitzbergen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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11.12.2019, 17:23 Uhr
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Seidler, Christoph
Kalte Saat: Roman

Verlag:
Seiten:
302

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