Satellitenbild der Woche Das Christkind auf der Osthalbkugel

Dürre in Australien, Überflutungen in Ostafrika: Was vor Ort die Menschen als Wetterkapriole plagt, kann von oben betrachtet ein globales Muster ergeben. So zeigen Satellitenbilder vom Ende des Jahres das Treiben des Wetterphänomens El Niño - spanisch für Christkind.


Das Jahr 2006 geht für Ostafrika mit ungewöhnlich starken Regenfällen zu Ende. Überflutungen in Somalia, Äthiopien, Kenia und einigen Nachbarländern haben bis 1,5 Millionen Menschen betroffen. Gleichzeitig klagen die Bewohner Australiens und Indonesiens über Trockenheit. Warum spielt bloß das Wetter verrückt, fragten sich die Menschen.

El Niño im November: Zum Jahresende wirbelte das Christkind das Wetter auf der Osthalbkugel durcheinander
NASA

El Niño im November: Zum Jahresende wirbelte das Christkind das Wetter auf der Osthalbkugel durcheinander

Wenigstens ein Teil der Antwort lautet: El Niño, das Christkind. Dieses Wetterphänomen spürt die östliche Hemisphäre derzeit. Satelliten-Daten der Tropical Rainfall Measuring Mission (TRMM) der Nasa führen die Veränderung vor Augen, die das Christkind gebracht hat. Die aktuellen Messungen von Ende 2006 wurden hier dem Niederschlags-Durchschnitt der Jahre 1999 bis 2005 gegenübergestellt: Blaue Schattierung bedeutet mehr Regen, braune weniger.

Diese Verschiebung der Regenmenge gehört zu den typischen Merkmalen von El Niño. Er entsteht, wenn sich wegen schwächerer Winde der östliche Pazifik aufheizt. Das führt zu Wetterveränderungen rund um den Globus: Neben Regen in Ostafrika und Trockenheit in Südostasien und Australien zählen auch starke Niederschläge in Teilen Nord- und Südamerikas dazu. Außerdem dämpft das Christkind die Bildung tropischer Wirbelstürme im Atlantik und fördert sie im Pazifik.

Dass Australien auf dem Satellitenbild nur relativ leicht bräunlich verfärbt ist, obwohl das Land schon seit Monaten unter Dürre und Bränden ächzt, erklären die Forscher so: Auch in den Vergleichsjahren ist es hier im November relativ trocken gewesen, daher fällt der Regenmangel im Vergleich nicht so sehr auf. Denn in Australien liegt der Jahreswechsel im Sommer.

stx

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.