Satellitenbild der Woche Die Rückkehr des Sees

Kaum ein Gewässer hat im 20. Jahrhunderts so gelitten wie der Aralsee. Einst eines der größten Süßwasserreservoirs der Welt, schrumpfte er zwischen 1970 und 2000 um über 60 Prozent. Die Folge war ein ökologisches Desaster unbekannten Ausmaßes. Nun erholt sich der See sichtbar.

Sogar das Klima veränderte sich durch das allmähliche Verschwinden des Sees: Die Winter wurden härter, die Sommer heißer und trockener. Der Wind blies Staub aus dem ausgetrockneten Bett des Sees in die Umgebung, angereichert mit Pestiziden und anderen Chemikalien. Die Partikel vergiften bis heute die Anwohner des Rest-Aralsees und ruiniert die Ernten.

Schuld waren die Anrainer: In den Nachbarstaaten Usbekistan, Kasachstan und anderen Zentralasiatischen Staaten wurden Flüsse umgeleitet, um Baumwoll- und Reisfelder zu bewässern. Noch im Jahr 1965 erreichten den Aralsee jedes Jahr 50 Kubikkilometer Süßwasser - in den frühen achtziger Jahren war der Zustrom völlig versiegt.

In der Folge stiegen die Konzentrationen von Salzen und Mineralien in der schrumpfenden Wassermenge an, das Ökosystem des Aralsees wurde radikal verändert, Fischpopulationen verschwanden einfach. Einst hatte es dort eine boomende Fischereiwirtschaft gegeben - schon in den Achtzigern war auch sie vollständig verschwunden.

Heute aber gibt es Grund zur Hoffnung. Seit im Jahr 2005 ein Damm gebaut wurde, der zumindest den nördlichen Aralsee vor weiterer Austrocknung schützt, verbessert sich die Situation zusehends. Der Damm sorgt dafür, dass der nördliche Aralsee nun von seinem südlicheren, stärker verschmutzten und versalzenen Widerpart abgetrennt ist. Das Satellitenbild zeigt einen Vergleich der Jahre 2005 und 2007, beide Fotos wurden Mitte April aufgenommen. Die Erholung ist im oberen Bild besonders deutlich in der oberen rechten Ecke zu erkennen - aber auch beim Rest des Sees nimmt die Fläche wieder zu.

Für die Bewohner der Region ist die Rückkehr des Wassers ein Segen. Die Stadt Aralsk zum Beispiel, einst ein stolzer Hafen, war zum Wüstenort verkommen, als der See schrumpfte. Doch im Frühjahr 2006 lag Aralsk schon wieder nah am Wasser - der See kehrt zurück.

cis

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