Satellitenbild der Woche Eisfreie Zone im hohen Norden

Der ungewöhnlich milde arktische Sommer ist auch in Nordkanada zu spüren: Das Foxe Basin ist vollständig eisfrei, wie ein Foto aus dem All zeigt. Ein seltener Anblick für Ende September.


Türkis und dunkelblau erscheint das Meer - fast wie in der Südsee. Doch die Aufnahme des Esa-Satelliten Envisat zeigt keine Inselgruppe der Karibik, sondern das Foxe Basin (auch Foxe-Becken genannt) im Territorium Nunavut. Die riesige Wasserfläche im Norden Kanadas ist die meiste Zeit des Jahres mit Eis bedeckt. Selbst im Sommer treibt häufig Packeis im Wasser.

Foxe Basin: Erscheint aus dem All wie ein blaues Paradies
ESA

Foxe Basin: Erscheint aus dem All wie ein blaues Paradies

Doch am 23. September, als das Foto entstand, war das Becken eisfrei. Die gesamte Arktis erlebt derzeit einen besonders milden Spätsommer. Erst vor einigen Tagen hatten Forscher gemeldet, dass das Meereis rund um den Nordpol in den vergangenen Monaten auf einen rekordverdächtigen Tiefstand abgeschmolzen ist. Aktuelle Satellitenbilder zeigen, dass die Nordwest-Passage vom Atlantik zum Pazifik völlig eisfrei und damit für Schiffe befahrbar ist. Zugleich beobachteten Wissenschaftler besonders viele Schmelztage auf der schneebedeckten Insel Grönland.

Die Region um das Foxe Basin, benannt nach dem Entdecker Luke Foxe aus dem 17. Jahrhundert, weist die größte biologische Vielfalt in der kanadischen Arktis auf. Hier lebt die größte Walross-Herde des Landes, auch Bartrobben sind hier zu Hause. Im Sommer besuchen zudem Grönlandwale, Narwale und Weißwale das Becken.

Das Foxe Basin liegt nördlich des Hudson Bay zwischen der Halbinsel Melville (auf dem Foto links) und der Baffin-Insel, die sich von oben links bis in die rechte Bildecke zieht. Die Insel ist mehr als 500.000 Quadratkilometer groß und damit die fünftgrößte Insel der Welt. Die derzeit eisfreie Nordwest-Passage verläuft nördlich und östlich der Insel, die Route ist deshalb auf dem Satellitenfoto nicht zu sehen.

Das Foxe-Becken ist zwischen 100 und 400 Meter tief und beinhaltet die letzten in Amerika entdeckten Landmassen. Die Prince-Charles-Insel, groß und rund in der Bildmitte zu sehen, die Air-Force-Insel (östlich davon) und die Foley-Insel (nördlich der Prince-Charles-Insel) wurden erst 1948 mit Hilfe von Luftaufnahmen gefunden.

hda



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