Satellitenbild der Woche Gefährdeter Zyklon-Puffer

Durch ein gigantisches Delta fließt der Ganges in den Golf von Bengalen. Doch der Mensch greift immer mehr in die einzigartige Landschaft aus Mangrovenwäldern ein, wie Satellitenaufnahmen zeigen.


Sie sind ein natürlicher Schutzwall gegen heranziehende Stürme: die Sundarbans, wie die aus Mangrovenwäldern bestehende Landschaft in Indien und Bangladesch heißt. Durchflossen von vielen Armen des Ganges, des Brahmaputra und des Meghna, dienen die Wälder als Puffer zwischen dem offenen Meer und bewohnten Gebieten.

Ganges-Delta: Radaraufnahmen enthüllen Veränderungen der Landschaft
ESA

Ganges-Delta: Radaraufnahmen enthüllen Veränderungen der Landschaft

Das Satellitenbild des Deltas kombiniert drei Radaraufnahmen des Esa-Satelliten "Envisat" vom 20. Januar, 24. Februar und 31. März 2009. Ein einzelnes Radarbild ist normalerweise nicht farbig, denn es repräsentiert nichts anderes als die Rückstreuung der vom Satelliten ausgestrahlten Wellen. Die Esa-Forscher haben die Unterschiede zwischen den drei Einzelaufnahmen durch Farben dargestellt - so wurde aus den eigentlich farblosen Bildern ein buntes.

Auch wenn das 350-Kilometer breite Delta sich von Januar bis März 2009 insgesamt kaum verändert hat, so sind doch punktuell Eingriffe in Uferbereichen zu erkennen - vor allem auf der rechten Bildseite (zur Großansicht Bild anklicken). In ganz Asien sind in den vergangenen Jahrzehnten große Flächen von Mangrovenwäldern verschwunden. Meist mussten die Wälder Shrimp- und Fischfarmen oder Hotels Platz machen.

Mangroven wachsen in Gebieten nahe der Küste, wo sich Salz- und Süßwasser vermischen, und reichen mitunter kilometerweit ins Land hinein. Die Sundarbans liegen in Indien und Bangladesch und gehören zum Welterbe der Unesco. Der Begriff Sundarbans bedeutet im Bengalischen "schöner Wald". Die Region ist Lebensraum vieler Arten, darunter sind der Bengalische Tiger, das Salzwasser-Krokodil und seltene Delfine.

Nicht nur die Besiedlung bedroht die Wälder, auch Umweltverschmutzung, Erosion und ein steigender Meeresspiegel stellen eine Gefahr dar. In den vergangenen zwei Jahrzehnten sind so vier Mangroven-Inseln im Meer versunken.

Der Süden Bangladeschs wird jedes Jahr von Zyklonen und Überschwemmungen heimgesucht. Im Mai 2009 formte sich der Zyklon Aila im Golf von Bengalen und hinterließ eine Spur der Verwüstung an der Südwestküste Bangladeschs. Die Mangrovenwälder hielten dem Sturm hingegen stand. Im November 2007 traf der Zyklon Sidr denselben Küstenstreifen, 4000 Menschen starben.

hda



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