Satellitenbild der Woche Wie Sie sehen, sehen Sie nichts

Chinas Probleme mit der Luftqualität sind legendär, doch was sich zuletzt im Nordosten des Landes abspielte, brach alle Rekorde. Der Smog war so dick, dass Autofahrer nicht einmal rote Ampeln sahen. Das ganze Ausmaß des Dramas verdeutlicht ein Blick aus dem All.

Harbin und Umgebung aus dem All: Alles so schön grau hier
NASA

Harbin und Umgebung aus dem All: Alles so schön grau hier


Berlin - Eine simple Nummer zeigt an, wie sauber oder verschmutzt die Luft gerade ist. Der sogenannte Air Quality Index, einst in den USA entwickelt, wird längst auch in anderen Staaten genutzt, darunter auch in China. Berücksichtigt werden dabei Schwefel- und Stickstoffdioxid, Feinstaub verschiedener Größenklassen, Kohlenmonoxid und bodennahes Ozon. Eine Zahl zwischen null und 50 symbolisiert exzellente Luftqualität, spätestens bei 300 wird es dagegen bedenklich für die menschliche Gesundheit. Bei 500 endet die Skala - die Luft ist extrem verschmutzt.

Genau dieser Wert von 500 war zuletzt in der chinesischen Stadt Harbin erreicht worden. In der Provinzhauptstadt waren in dieser Woche deswegen Grund- und Mittelschulen geschlossen geblieben, Dutzende Flüge wurden gestrichen und Autobahnen aus Angst vor Unfällen gesperrt. Die Sicht betrug nur noch 20 Meter. Am Montag hatte es an Ampeln Massenkarambolagen gegeben, weil die Fahrer die roten Ampeln im dichten Smog nicht mehr erkennen konnten.

Dieses Bild des Nasa-Satelliten "Aqua" zeigt den Smog aus dem All. Neben normalen Nebelschwaden ist der dichte Abgasschleier sehr gut erkennbar: Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Schuld an den Problemen ist neben Windstille der herannahende Winter: Seit die Temperaturen fallen, heizen viele Chinesen mit Kohle und verschlimmern die sowieso bereits verpestete Luft. Bauern verbrennen ihre Ernteabfälle. In drei betroffenen Provinzen leben mehr als 100 Millionen Menschen.

Im Schnitt 5,5 Jahre kürzeres Leben

Die Luftbelastung mit gefährlichen Feinstaubpartikeln (PM 2,5), die kleiner als 2,5 Mikrometer sind, erreichte am Dienstag zwischenzeitig das 30fache des von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zugelassenen Höchstwerts. Am Montag waren an einigen Stellen mit 900 Mikrogramm Feinstaubbelastung pro Kubikmeter Luft sogar fast das 40fache der von der WTO als unbedenklich tolerierten Werte von 25 Mikrogramm gemessen worden. Zum Wochenende hin verbesserten sich die Luftqualitätswerte dann.

Die hohe Luftverschmutzung durch die Kohleverbrennung kostet laut einer im Juli veröffentlichten Studie 500 Millionen Menschen im Norden Chinas im Schnitt 5,5 Jahre ihres Lebens. Die chinesischen Behörden sind sich des Problems durchaus bewusst: So verabschiedete die Hauptstadt Peking am Dienstag Notmaßnahmen. Bei schwerer Luftverschmutzung können die Behörden zum Beispiel künftig die Zahl der Autos auf den Straßen halbieren, indem täglich wechselnd nur Wagen mit geraden oder ungeraden Nummernschildern fahren dürfen. Außerdem können Bauarbeiten gestoppt werden.

Umweltschützer Huang Wei von Greenpeace in China klagte allerdings: "Es reicht nicht, erst beim Smog Gegenmaßnahmen zu ergreifen." Entscheidend sei, dass insgesamt der Kohleverbrauch heruntergefahren werde.

chs/dpa

insgesamt 65 Beiträge
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ein-berliner 26.10.2013
1. Na und?
Wo sehen Sie denn hier ein Problem? Ich sehe kein einziges Problem, alles so schön grau in grau.
JJGG 26.10.2013
2. Das ist nur damit die Ami's nicht spoinieren können.
Wenn es nicht so schlimm wäre und vor allem Gesundheitsgefährdend. Würde ich doch glatt denken, das ist damit die US-Satelliten nicht spionieren können ;)
saywer,tom 26.10.2013
3. Wie in Deutschland
Wenn es der Umwelt an irgendetwas mangelt, wird nicht an der Hauptursache gearbeitet (Verbrennung von Kohle etc), sondern an Symptomen (Autoverkehr).
joker22 26.10.2013
4. nicht nur china
bekommt die folgen zu spueren. 900 millionen dollar letztes jahr - mit natuerlich steigender tendenz - verursachten die staus auf são paulo´s strassen: - verspaetungen => gleichbedeutend mit unpuenktlichkeit und ineffizienz - strassenschaeden - medizinische behandlung => ambulanz, arzt, krankenhaus, medikamente - kosten fuer fruerentnerdasein der anstieg der krankheiten des respiratorischen systems ist enorm.
idealist100 26.10.2013
5. Immer
Zitat von sysopNASAChinas Probleme mit der Luftqualität sind legendär, doch was sich zuletzt im Nordosten des Landes abspielte, brach alle Rekorde. Der Smog war so dick, dass Autofahrer nicht einmal rote Ampeln sahen. Das ganze Ausmaß des Dramas verdeutlicht ein Blick aus dem All. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/satellitenbild-der-woche-harbin-in-china-leidet-unter-smog-a-930048.html
Das ist im Herbst immer so, wenn die Winde aus Nord-West kommen, kommt der Sand. Immer erlebt wenn ich zu dieser Zeit in Schanghai war. Und zwar schon 1990 und da gab es noch wenige Fahrzeuge.
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