Satellitenbild der Woche Mars auf Erden

Die Schönheit der Wüste ist unbestritten. Wissenschaftlern machen die beeindruckenden Sandlandschaften jedoch große Sorgen, denn sie breiten sich rasant aus. Die Austrocknung der Böden bedroht die Existenz von Millionen Menschen.


Roter Sand, schroffe Berge - aus dem All betrachtet gleicht die Sahara der lebensfeindlichen Mars-Oberfläche. Das Foto vom 4. September zeigt einen kleinen Ausschnitt der gigantischen Wüste einige hundert Kilometer südlich der libyschen Hauptstadt Tripolis. Geschossen hat es der Esa-Satellit "Envisat".

Libysche Wüste: 200 Millionen Menschen unmittelbar von Wüstenbildung betroffen
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Libysche Wüste: 200 Millionen Menschen unmittelbar von Wüstenbildung betroffen

Was aus der Weltallperspektive geradezu ästhetisch wirkt, ist für viele Bewohner Afrikas eine unmittelbare Gefahr. Ein Drittel der Menschheit ist von sich ausbreitenden Wüsten betroffen, ergab eine im Juni veröffentlichte Studie der Vereinten Nationen. Seit Montag diskutieren Experten auf einem Uno-Kongress in Madrid, was man gegen Austrocknung und Versandung unternehmen kann.

"Die Wüstenbildung ist eine der größten Herausforderungen für die Menschheit", sagte Spaniens Kronprinz Felipe zur Eröffnung. Bis zum 14. September wollen die mehr als 2000 Teilnehmer aus den 191 Unterzeichnerstaaten der Uno-Konvention zum Kampf gegen die Desertifikation (UNCDD) über Gegenmaßnahmen beraten.

Direkt von der Wüstenbildung betroffen sind derzeit 200 Millionen Menschen, doch die Zahl könnte nach Uno-Berechnungen auf zwei Milliarden steigen. Das Phänomen der Wüstenbildung ist in den trockenen Regionen Asiens, des Nahen Ostens und Südamerikas zu beobachten sowie in weiten Teilen Afrikas. Am schlimmsten sind die Auswirkungen aber in Zentralasien und Afrika südlich der Sahara. Doch auch mehr als ein Drittel der Fläche Spaniens ist gefährdet. Die wirtschaftlichen Einbußen infolge der Austrocknung von Böden betragen nach Uno-Angaben 47,6 Milliarden Euro.

Als Ursachen für die Wüstenbildung gelten neben dem Klimawandel die Überbewirtschaftung von Land, schlechte Bewässerungstechniken und Überbevölkerung. Spaniens Umweltministerin Cristina Narbona sprach von einer großen Aufgabe im Hinblick auf Menschenrechte, Armut, Ungleichheit, Hunger und Hoffnungslosigkeit. Das Phänomen treibe Millionen Menschen in die Flucht.

Zum Abschluss der Konferenz am 12. und 13. September wollen Minister und Parlamentarier aus mehreren Ländern über das Thema sprechen. Schließlich soll ein Aktionsplan für zehn Jahre beschlossen werden. Ob so die Ausbreitung der Wüste tatsächlich gestoppt werden kann, ist jedoch fraglich: Der Plan wird nicht bindend sein.

hda/AFP



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