Satellitenbild der Woche Nordamerikas Nebelküche

Schneestürme und bitterer Frost: Das neue Jahr hat vielen Menschen in Nordamerika extrem niedrige Temperaturen gebracht. Ein Satellit konnte aus dem All dabei ein faszinierendes Naturschauspiel über den Großen Seen beobachten.

Große Seen in den USA: Das Falschfarbenbild erleichtert die Unterscheidung zwischen Schnee (orangefarben), Wasserwolken (weiß) und gemischten Wolken aus Wasser und Eiskristallen (helles Orange)
NASA/ Jesse Allen/ Robert Simmon/ LANCE/ EOSDIS

Große Seen in den USA: Das Falschfarbenbild erleichtert die Unterscheidung zwischen Schnee (orangefarben), Wasserwolken (weiß) und gemischten Wolken aus Wasser und Eiskristallen (helles Orange)


Es war ein Kälteeinbruch, der seinesgleichen suchte: Das neue Jahr bescherte vielen Menschen in Nordamerika extrem niedrige Temperaturen. Sogar die Niagarafälle erstarrten angesichts tagelanger Arktiskälte nach und nach zu einem eisigen Kunstwerk. Menschen in den sonnenverwöhnten US-Bundesstaaten Florida und Kalifornien mussten mit Temperaturen unter Null klarkommen, am 7. Januar wurden in insgesamt 49 US-Städten Kälterekorde gemessen. Im Bundesstaat Ohio wurde gar das Trinkwasser für Zehntausende Menschen knapp, weil eine Wasseraufbereitungsanlage eingefroren war.

Schuld daran war eine Wetterkonstellation, die so außergewöhnlich eigentlich gar nicht ist: Sie bestand aus einem Hochdruckgebiet über dem Pazifik und einem Tiefdruckgebiet über dem Atlantik zwischen Grönland und der Ostküste Nordamerikas. Dieses Tiefdruckgebiet beförderte wie ein riesiger Ventilator eiskalte Luft aus dem hohen Norden nach Süden. Das Zentrum des Wirbels liegt ungefähr über der Baffin-Insel im Norden Kanadas - und da ist es zu dieser Jahreszeit besonders frisch. Ein "Arctic Outbreak", ein arktischer Ausbruch, war die Folge.

Über den Großen Seen führte der Wind aus dem Norden zu einem interessanten Phänomen, wie Bilder des Nasa-Satelliten "Terra" zeigen: Über dem Wasser bildeten sich so große Mengen Nebel, dass die Schwaden gut aus dem All erkennbar waren. Das lag daran, dass das Wasser im Lake Michigan und dem Lake Superior noch verhältnismäßig warm war - jedenfalls im Vergleich zur frostigen Brise, die darüber hinweg zog. Als sich die kalte, trockene Luft aus dem Norden mit der feuchten und wärmeren Luft über den Seen mischte, kam es zur Nebelbildung. Fachleute sprechen in einem solchen Fall von Dampfnebel.

Das "Terra"-Bild vom 6. Januar zeigt das Phänomen der nordamerikanischen Nebelküche gut im Bereich des sichtbaren Lichts. Doch noch besser zu erkennen sind die nach Südosten übers Wasser streichenden Nebelschwaden im Falschfarbenbild. In diesem Fall wird der Schnee in knalligem Orange dargestellt. Wolken, die aus Eiskristallen und Wassertröpfchen bestehen, schimmern pfirsichfarben. Die nur aus Wasser bestehenden Nebelwolken bleiben weiß.

Inzwischen hat sich die Wetterlage über Nordamerika geändert, eine Strömung aus der Karibik wärmt die Luft auf. Doch in manchen Orten, vor allem im Süden, brachte das weitere Probleme, etwa in Gestalt von Blitzeis.

chs



insgesamt 6 Beiträge
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countrushmore 11.01.2014
1.
Wer hat denn da Toronto auf der Karte eingezeichnet? Das sind mal locker 100 - 150 km daneben.
Mandy 11.01.2014
2. Kontraste
NASA vergleicht USA mit Europa Temperaturen ---Zitat--- One of the underlying features connecting seemingly opposite weather outbreaks are giant meanders in high-altitude winds known as Rossby waves. These planetary-scale waves define the jet stream and do much to determine the type of weather any given area will face over periods of days to weeks. However, the waves are also governed by fundamental laws of fluid dynamics and thermodynamics that ensure the total amount of energy circulating through the global atmosphere doesn't change, despite the weather extremes in one area or another. In early 2014, temperature patterns in the northern hemisphere offered a good example of how the atmosphere can simultaneously produce starkly contrasting weather extremes. In North America, a swirling mass of Arctic air moved south and brought extremely cold temperatures—and much discussion of the polar vortex. At the same time, Europe faced a stretch of unusually warm weather that made holiday celebrations rainy rather than snowy and prompted discussions about whether there will be enough snow for the upcoming winter Olympics in Sochi, Russia. ---Zitatende--- http://earthobservatory.nasa.gov/IOTD/view.php?id=82786 Wann schreibt SPON mal über den milden Winter bei uns?
sieger500 11.01.2014
3. Das Ganze von unten betrachtet
Die ABC-Station für Chicago hat am 6. Januar auch ein schönes Zeitraffer-Video des dampfenden Sees auf ihre Webseite gestellt: http://abclocal.go.com/wls/video?id=9383361
Stauss3 11.01.2014
4. Aktuelle Temperatur New York: + 10 °C.
Spiegel-Redakteure bibbern, dass der von Ihnen lautstark verkündete Winter in Nordamerika kommt. Wieder so ein "Xaver", der in erster Linie aus Tinte besteht.
Peter Boots 11.01.2014
5. Ja, Ja, schon wieder mal: Aktuelle Temperatur New York: + 10 °C.
Bis Mitte Jan average warm 3C, average kalt -3C. Dieses Jahr im Jan bisher: 1. 1 -4 / 2. 1 -8 / 3. -7 -13 / 4. -2 - 14 / 5. 5 -3 / 6. 13 -6 / 7. -7 -16 / 8. -6 -13 / 9. 0 -6 / 10. 3 -1 / 11. 13C am Mittag. Herrlich warm dieser Januar.
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