Satellitenbild der Woche Verdurstender Aralsee

Das einst viertgrößte Binnenmeer der Welt wird im Jahr 2020 fast komplett ausgetrocknet sein: Der Aralsee schwindet zusehends. Neue Satellitenbilder zeigen, wie klein er mittlerweile ist - und wie groß die neu entstandene Wüste.


Vom Meer ist nur noch ein kleiner See übrig geblieben: Der Aralsee enthält nur ein Viertel der Wassermenge wie in den sechziger Jahren, der Wasserpegel sank bisher um rund 13 Meter. Und die Prognose der Weltraumbehörde Esa für den kranken See sieht nicht gut aus.

Durstig: Der Aralsee ist nur noch halb so groß wie vor rund 40 Jahren. In einigen Jahren soll fast nur noch weiße Salzwüste da sein
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Durstig: Der Aralsee ist nur noch halb so groß wie vor rund 40 Jahren. In einigen Jahren soll fast nur noch weiße Salzwüste da sein

Ein kleiner Teil des Sees im Norden könnte wohl gerettet werden, so die Esa. Der südliche Teil des Aralsees werde in anderthalb Jahrzehnten aber komplett ausgetrocknet sein, wird erwartet.

Durst hat der an der Grenze zwischen Usbekistan und Kasachstan gelegene Aralsee bereits seit rund 40 Jahren. Seitdem werden die zwei Hauptzuflüsse angezapft, um in Usbekistan Baumwollplantagen zu bewässern: Baumwollpflanzen brauchen Unmengen Wasser - in dem Land am Südufer des Aralsees aber gibt es nur Steppen. Heute sind die beiden Flüsse Amu Darya und Syr Darya nur noch Rinnsäle und auf dem Satellitenbild fast nicht zu erkennen.

Wegen des fehlenden Nachschubs an Wasser sei der Meeresspiegel dieses Binnenmeeres um insgesamt 13 Meter gesunken, so die Esa. Die Küstenstreifen verlandeten offensichtlich. Noch in den sechziger Jahren war der Aralsee doppelt so groß wie Baden-Württemberg, nach Angaben der Weltraumbehörde ist der See heute aber nicht einmal mehr halb so groß: Er habe nur noch eine Oberfläche von rund 27.000 Quadratkilometer.

Dämme lassen Einheimische auf bessere Zeiten hoffen

Bereits Mitte der achtziger Jahre teilte sich das Binnenmeer: in den Hufeisen-ähnlichen Großen Aralsee im Süden und in den Kleinen Aralsee im Norden.

In den letzten Jahren wurden Dämme gebaut, um die zwei Seen komplett voneinander zu trennen. So sollte nach Angaben der Esa verhindert werden, dass noch mehr Wasser verloren geht und der Salzgehalt weiter steigt. Sich verändernde Wasserspiegel hätten diesen Effekt allerdings bisher verhindert. Die "Los Angeles Times" hingegen berichtete unlängst vom "Gezeitenwechsel" in der Aralsee-Katastrophe. "Es gibt sieben Weltwunder, das achte ist der Damm im Aralsee", wird der stellvertretende Bürgermeister von Aral Stadt, Kolbai Danabayev, zitiert. Sie würden endlich wieder fischen können, hätten einige Einheimische der Zeitung freudig berichtet.

Die Esa-Prognose fiel schlechter aus. Zudem hat eine Reihe von Satellitenbildern gezeigt, dass die entstandene Salzwüste sich vergrößert. Da ihr Boden mit Meeressalz bedeckt ist, schimmert die Aralkumwüste weiß-gelb, wie im Satellitenbild zu erkennen ist. Um herauszufinden, wie sich in dieser unwirtlichen Landschaft wenigstens Pflanzen anbauen lassen und das staubig-trockene Seebett stabilisiert werden kann, würden Wissenschaftler die Salzwüste untersuchen, so die Esa.

Das Satellitenbild zeigt den Aralsee mit der neuen Salzwüste über eine Breite von 545 Kilometern. Es wurde mit dem Medium Resolution Imaging Spectrometer (Meris) des Umweltsatelliten "Envisat" aufgenommen. Seine Auflösung beträgt 300 Meter pro Pixel.

fba

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