Satellitentransport SpaceX startet Preiskampf im Orbit

Dienstagnacht beförderte das Raumfahrtunternehmen SpaceX erstmals einen TV-Satelliten in einen hohen Orbit. Seine verbesserte "Falcon 9"-Rakete gilt als extrem günstig - und Firmengründer Elon Musk schielt schon auf einen lukrativen Kunden: das US-Militär.


Optisch unterschied sich der Start der überarbeiteten "Falcon 9"-Rakete vom amerikanischen Cape Canaveral aus kaum von denen der europäischen und russischen Konkurrenz: Viel Rauch, eine ohrenbetäubende Geräuschkulisse und beim Liftoff in Florida klatschten jubelnde Mitarbeiter im Kontrollzentrum. Doch für das private US-Unternehmen SpaceX könnte der für Raumfahrt-Verhältnisse unspektakuläre Start am Dienstag um 23:41 deutscher Zeit der Anfang sein, um als vollwertiger Konkurrent der europäischen "Ariane"- oder der russischen "Proton"-Raketen anerkannt zu werden. Denn sollte der in einen hohen Orbit beförderte, gut hundert Millionen Dollar teure "SES-8"-Satellit problemlos funktionieren, könnte die US-Firma auf neue Kunden aus dem Telekommunikations- und TV-Markt hoffen. Und auch das US-Militär könnte bald vor der Tür stehen.

"Unsere Preise sind die günstigsten auf der ganzen Welt", sagte SpaceX-Gründer Elon Musk. "Wir werden andere Raketenhersteller zwingen, entweder neue und bessere Technologien zu entwickeln oder sie müssen aus dem Raketen-Markt aussteigen." Allerdings hat das Unternehmen wahre Startschwierigkeiten. Zwei Mal in der vergangenen Woche musste das Abheben ihrer "Falcon 9"-Rakete wegen technischer Probleme verschoben werden. Ein Problem mit dem Treibstoff zwang die Verantwortlichen am vergangenen Donnerstag zum Startabbruch.

Preise der Konkurrenz unterbieten

SpaceX hat den Ruf, mit seiner "Falcon 9"-Rakete die Preise der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos und die der Esa zu unterbieten. Um 55 Millionen Dollar soll die Firma SES für die Beförderung ihres Satelliten bezahlt haben, sagte der Chef-Techniker von SES, Martin Halliwell. Der genaue Betrag ist allerdings nicht bekannt. Die Verantwortlichen gaben aber zu, dass auch ein Rabatt bei der Entscheidung für SpaceX eine Rolle spielte. Denn als erstes Unternehmen, das SpaceX für einen kommerziellen Satellitenstart in Anspruch nahm, setzte sich die Firma SES mit Sitz in Luxemburg auch einem erhöhten Risiko aus: Musks Unternehmen kann nicht auf lange Erfahrung für den Transport von TV- und Kommunikationssatelliten zurückblicken und muss daher um Kunden werben.

Einige TV- und Kommunikationssatelliten müssen in besonders hohen Erdumlaufbahnen ausgesetzt werden und kreisen. "SES-8" ist beispielsweise in bis zu 80.000 Kilometern Höhe auf eine elliptische Umlaufbahn befördert worden. Von da aus kann er treibstoffsparend seinen endgültigen Orbit in einer Höhe von etwa 36.000 Kilometern selbst erreichen.

Sieben "Falcon 9"-Starts geglückt

Bisher hat SpaceX im September den nur einige hundert Kilogramm schweren kanadischen Wetter- und Kommunikationssatelliten "Cassiope" als Fracht in einen sehr niedrigen Orbit befördert. "SES-8" ist mit einer Masse von 3,2 Tonnen ein deutlich größeres Kaliber. Er soll unter anderem für Fernsehübertragungen und Telekommunikationsanwendungen in den Ländern Indien, China und Vietnam genutzt werden.

Nach Angaben der Satellite Industry Association (SIA), einem Zusammenschluss von Satellitenbetreibern, setzte der Wirtschaftszweig allein 2012 fast 190 Milliarden Dollar um. Davon machten rund 90 Milliarden allein Fernsehsatelliten aus.

Sechs Starts mit der "Falcon 9"-Rakete sind SpaceX schon zuvor geglückt. Zwei der Flüge waren Tests und drei Frachtaufträge für die Internationale Raumstation ISS, die in einer Höhe von 400 Kilometern kreist. Erst der Transport von "Cassiope" im September fand mit einer verbesserten Version der Rakete statt.

Damit die Firma überhaupt als Kandidat in Frage kommt, um zukünftig sogar US-Militärsatelliten ins All zu befördern, muss sie mindestens drei erfolgreiche Starts mit dem neuen, verbesserten Raketentyp absolvieren. Nur einer fehlt der Firma jetzt noch. Wenn auch der glückt, kann das Unternehmen sich für lukrative Militäraufträge bewerben.

kpg/Reuters/AP

insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
capetownbe 04.12.2013
1. Der wahrscheinlisch Beste ...
... Sicherlich aber der "verrückteste" (in deisem Falle als Kompliment gedacht) Unternehmer der Welt (Tesla, SpaceX, SolarCity. Vorher: Zip2, Paypal ...) hat es mal wieder geschafft. Müde, schwere Monopol Staatsstrukturen und Unternehmen wach zu rütteln ... Gut gemacht !
capetownbe 04.12.2013
2. Der wahrscheinlisch Beste ...
... Sicherlich aber der "verrückteste" (in deisem Falle als Kompliment gedacht) Unternehmer der Welt (Tesla, SpaceX, SolarCity. Vorher: Zip2, Paypal ...) hat es mal wieder geschafft. Müde, schwere Monopol Staatsstrukturen und Unternehmen wach zu rütteln ... Gut gemacht !
?jens? 04.12.2013
3. !fehler!
In eine Elliptische Umlaufbahn in 80.000km Höhe gebracht, um selbstständig einen geostationären Orbit (36.000km Höhe) zu erreichen...?!?
quinlan2703 05.12.2013
4. Kein Fehler
So etwas nennt sich Bahnmechanik. Durch geziehlte Manöver werden die Bahnparameter geändert um die gewünschte Bahnform und Lage zu erreichen.
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