Satellitentrümmer Raumstation muss Weltraumschrott ausweichen

Gefährliche Trümmerstücke bedrohen die Internationale Raumstation: Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr müssen die Astronauten ein Ausweichmanöver einleiten. Ohne Probleme verlief dagegen das Andocken eines russischen Frachters mit Nachschub - an Bord waren auch Geburtstagsgeschenke.

Internationale Raumstation (Mai 2011): Häufige Ausweichmanöver notwendig
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Internationale Raumstation (Mai 2011): Häufige Ausweichmanöver notwendig


In der Nacht zum Sonntag muss die Internationale Raumstation ISS erneut Weltraumschrott ausweichen, teilt die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos nach Angaben der Agentur Interfax mit. Ohne des Manöver könnte die Station mit Trümmern des chinesischen Satelliten Fengyun-1C kollidieren, der 2007 von einer chinesischen Mittelstreckenrakete zerstört worden war.

Erst vor gut zwei Wochen musste die ISS ihre Bahn korrigieren, um einem Trümmerstück in der Größe eines Tennisballs auszuweichen. Es hätte wegen seiner Geschwindigkeit die Station ernsthaft beschädigen können. Der gefährliche Weltraumschrott stammte von einem privaten Kommunikationssatelliten.

Ohne Probleme hat in der Nacht zum Samstag ein unbemannter russischer Versorgungsfrachter an der ISS angedockt. Der Transporter vom Typ "Progress" brachte insgesamt 2,6 Tonnen Nachschub - Lebensmittel, Treibstoff, Forschungsgerät sowie Briefe und Pakete für die sechs Crew-Mitglieder. Das Entladen dauere einige Stunden, da zunächst die Druckverhältnisse angepasst werden müssten. "Sogar in der Schwerelosigkeit ist das eine schwierige und langwierige Arbeit", sagte ein Roskosmos-Mitarbeiter.

Darunter seien auch Geschenke für den Russen Anton Schkaplerow, der am 20. Februar in rund 350 Kilometern Höhe seinen 40. Geburtstag feiere, teilte das Flugleitzentrum nahe Moskau mit. Der "Progress"-Frachter war am Donnerstag vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan gestartet. Raumfahrtexperten hatten den Flug war mit besonderer Spannung verfolgt, da im August 2011 ein unbemannter "Progress"-Frachter abgestürzt war - die "Sojus"-Rakete, die das Gefährt transportierte, hatte wegen technischer Probleme versagt.

Längerer Aufenthalt im Erdorbit

Auf der Internationalen Raumstation arbeiten zur Zeit neben Schkaplerow die russischen Kosmonauten Oleg Kononenko und Anatoli Iwanischin sowie die US-Astronauten Daniel Burbank und Donald Pettit und der niederländische Esa-Astronaut André Kuipers.

Wegen der Pannenserie in der russischen Raumfahrt werden sie offenbar einen Monat länger im All bleiben als geplant. Wie Interfax unter Berufung auf Raumfahrtkreise berichtete, soll beim nächsten bemannten Flug eine "Sojus"-Kapsel vom Typ TMA-05 zum Einsatz kommen, nachdem an der ursprünglichen dafür vorgesehen "Sojus" TMA-04M Risse entdeckt worden waren. Weil die neue Rakete zunächst getestet und vorbereitet werden müsse, könne der für März geplante Start zur ISS nicht vor Ende April erfolgen, hieß es.

Russland hat derzeit eine entscheidende Stellung in der Raumfahrt, weil es nach der Einstellung des US-Shuttleprogramms Ende Juli als einziges Land über Raketen für bemannte Flüge zur ISS verfügt.

wbr/dpa/AFP

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