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19. Januar 2019, 14:37 Uhr

Gasriese

Astronomen wissen endlich, wie spät es auf dem Saturn ist

Wie lange dauert ein Tag auf dem Saturn? Forscher rätselten darüber seit Jahrzehnten. Nun liefern die Ringe des Gasriesen die Antwort.

Auf dem Saturn spazieren zu gehen, wäre unmöglich. Denn der Gasriese besitzt keine feste Oberfläche. Astronomen stellt das vor ein Problem: Sie können keinen Orientierungspunkt ausmachen, an dem sie feststellen können, wie schnell sich der Planet um sich selbst dreht. Auch das ungewöhnliche Magnetfeld machte Berechnungen bisher schwierig.

Wie lange ein Tag auf dem zweitgrößten Planeten unseres Sonnensystems dauert, konnte deshalb bisher niemand mit Gewissheit sagen. Nun berichten Forscher, endlich eine Antwort gefunden zu haben: Ein Tag auf dem Saturn dauert demnach zehn Stunden, 33 Minuten und 38 Sekunden.

"Cassini"

Neue Daten der Saturnsonde "Cassini" hatten die Forscher auf die richtige Spur gebracht. Die unbemannte Sonde war im Oktober 1997 gestartet und hatte im Juli 2004 den Ringplaneten erreicht. Rund 13 Jahre zog "Cassini" dann ihre Bahnen durch das faszinierende Saturn-System, entdeckte neue Ringe und Monde und enthüllte viele Geheimnisse des zweitgrößten Planeten im Sonnensystem mit seinen großen Ringen und Dutzenden Monden.

Im Jahr 2017 ging "Cassini" der Treibstoff aus, und die Sonde verglühte in der Atmosphäre des Gasplaneten. Zuvor hatte sie jedoch enorme Datenmengen in Richtung Erde geschickt, die noch immer ausgewertet werden. Dadurch wissen Forscher beispielsweise, wie sich der Saturn anhört.

"Cassini" gelangen auch detaillierte Aufnahmen der gut 100.000 Ringe, die den Saturn umgeben. Sie bestehen vor allem aus Wassereis und Gesteinsbrocken. Die äußeren haben einen Durchmesser von fast einer Million Kilometer. Dabei sind sie erstaunlich dünn, der dickste misst nur etwa hundert Meter.

Ein Astronomiestudent aus Santa Cruz, Christopher Mankovich, schaute sich die Aufnahmen der Saturnsonde genauer an und stellte fest, dass die Ringe auf Schwingungen im Inneren des Planeten reagieren, ähnlich wie Seismometer, mit denen Erdbeben gemessen werden. Dadurch gelang es Makovich, zu berechnen, wie schnell sich der Gasriese um sich selbst dreht, wie er mit Kollegen im Fachblatt "Astrophysical Journal" berichtet.

Schneller als gedacht

Die Analyse zeigen, dass sich der Saturn schneller dreht als bisher gedacht. Die jüngsten Berechnungen aus dem Jahr 1981 waren von einer Rotationsgeschwindigkeit von zehn Stunden, 39 Minuten und 23 Sekunden ausgegangen. Doch schon damals wussten die Forscher, dass das Ergebnis ungenau ist, weil sie auf Berechnungen des Magnetfelds zurückgingen. Und das ist beim Saturn äußerst ungewöhnlich, weil es fast exakt parallel zur Rotationsachse verläuft - einmalig in unserem Sonnensystem.

"Die Forscher haben mithilfe der Ringe ins Innere des Saturn geblickt, und herauskam diese fundamentale Erkenntnis", lobt Linda Spilker, Wissenschaftlerin des "Cassini"-Projektes. "Die Antwort lag in den Ringen."

Im Video: Der Saturn verliert seine Ringe

Das Wissen um die Rotationsgeschwindigkeit ist nicht die einzige bahnbrechende Neuigkeit vom Gasriesen. Laut neuesten Forschungen der Nasa sind die Ringe um den Saturn viel jünger als bisher gedacht. Demnach entstanden sie erst vor etwa hundert Millionen Jahren - zu einer Zeit, als auf der Erde Dinosaurier lebten. Der Planet selbst ist viel älter, etwa 4,5 Milliarden Jahre.

Einer gängigen Theorie zufolge könnte einst ein Mond dem Planeten zu nahe gekommen und dabei durch dessen Schwerkraft zerstört worden sein. Auch ein Zusammenstoß zweier Saturnmonde wird als Ursache für die Entstehung der Ringe vermutet. Seitdem bröseln die Ringe vor sich hin - Forscher rechnen damit, dass sie in gut 300 Millionen Jahren verschwunden sein werden.

koe

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