Saturn-Mond Titan Megawellen rollen über mysteriösen Mond

Mit Simulationen versuchen Astronomen, die Wetterverhältnisse auf dem Saturn-Mond Titan vorherzusagen. Wenn 2005 dort die Sonde "Huygens" niedergeht, dann reitet sie möglicherweise auf riesig großen Wellen über die Meere an der Mondoberfläche.


Saturn-Mond Titan: "Segeln auf einem Kohlenwasserstoff-Meer"
Mark Robertson-Tessi/ Ralph Lorenz

Saturn-Mond Titan: "Segeln auf einem Kohlenwasserstoff-Meer"

Titan, der rätselhafte Saturn-Mond, bewegt die Gemüter der Forscher auf dem National Astronomy Meeting in Milton Keynes, Großbritannien. Der von einer Stickstoffatmosphäre eingehüllte Himmelskörper ist wahrscheinlich mit Ozeanen aus flüssigen Kohlenwasserstoffen bedeckt.

Ein internationales Wissenschaftlerteam hat nun am Computer simuliert, wie sich vom Wind erzeugte Wellen auf Titan verhalten würden, sofern es die Ozeane tatsächlich gibt. Die Wellen dürften sieben Mal höher sein als bei vergleichbaren Bedingungen auf der Erde. Sie würden sich jedoch langsamer bewegen, auch der Abstand zwischen den Wellenbergen wäre größer, berichtete das Team von der Open University, dem Southampton Oceanography Centre und der Firma Surrey Satellite Technology.

Das Klima auf dem Titanmond interessiert die Astronomen vor allem wegen der Cassini-Mission. Die gleichnamige Nasa-Sonde soll im Juli eine Umlaufbahn um den Planeten erreichen, dessen Ringsystem bereits 1610 von Galilei beobachtet wurde. Für Dezember ist das Ausklinken die kleineren Esa-Sonde "Huygens" geplant, die von "Cassini" im Huckepack auf der Reise zum Saturn mitgenommen wurde. "Huygens" wird im nächsten Jahr versuchen, mit einem Fallschirm auf dem Saturn-Mond Titan zu landen. Spätestens dann werden die Forscher wissen, ob ihre Wellensimulationen den realen Verhältnissen nahe kommen oder nicht.

Raumsonde "Cassini": Umrundet Saturn ab Juli 2004
REUTERS

Raumsonde "Cassini": Umrundet Saturn ab Juli 2004

Von der Titanoberfläche reflektierte Mikrowellen lassen den Schluss zu, dass sich auf der Mondoberfläche ausgedehnte Ozeane aus flüssigen Kohlenwasserstoffen befinden. Genauere Analysen der reflektierten Strahlen haben ergeben, dass der Neigungswinkel der Wellen üblicherweise unter vier Grad liegt, berichtet der Newsdienst BBC Online. Dies stimme mit den Ergebnissen der jüngsten Computersimulationen überein, heißt es.

Die Landung von "Huygens" werde nicht nur die am weitesten von der Erde durchgeführte weiche Landung überhaupt sein, sagte Nadeem Ghafoor von Surrey Satellite Technology. "Huygens könnte auch das erste Boot außerhalb der Erde sein, das auf einem Kohlenwasserstoff-Meer segelt."



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