Saturnmond Auf Titan schwappt ein Treibstoffsee

Einmal volltanken bitte: Auf dem Südpol des Saturnmonds Titan gibt es riesige Vorkommen an flüssigem Erdgas. Was Forscher bereits seit langer Zeit vermutet hatten, ist nun bewiesen. Der Treibstoff plätschert in einem 20.000 Quadratkilometer großen See vor sich hin.


Berlin - Für uns auf der Erde ist es nichts aufregendes: Wenn es regnet, sammeln sich die Niederschläge in Rinnsalen, die später zu Flüssen werden und schließlich in ein stehendes Gewässer münden. Doch nirgendwo sonst im Sonnensystem war solch ein Mechanismus bisher bekannt.

Nun hat die Raumsonde "Cassini" aber einen See auf dem Saturnmond Titan entdeckt. Und auch er wird offenbar nach dem von der Erde bekannten Muster befüllt: Regen fließt in Strömen über die Oberfläche, schneidet über die Jahrmillionen tiefe Täler in die Landschaft und sammelt sich in mindestens einem großen See.

Allerdings ist es kein Wasser, das über den Saturnmond fließt; die Flüssigkeit ist viel exotischer: "Nahe dem Südpol des Titan haben wir einen See entdeckt, der mit flüssigem Ethan gefüllt ist: "In dem See steht gewissermaßen flüssiges Erdgas", sagt Ralf Jaumann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Die Forscher glauben, dass sich das Ethan auch mit anderen Flüssigkeiten vermischt hat, wie beispielsweise Methan oder anderen leichten Kohlenwasserstoffen aus der Familie der Alkane. Dazu komme flüssiger Stickstoff, berichten Forscher um Robert Brown von der Universität von Arizona in Tucson.

Die Wissenschaftler hatten von der Raumsonde "Cassini" aufgenommene Infrarotaufnahmen der Titanoberfläche ausgewertet. Die Bilder bestätigten die Vermutungen über Kohlenwasserstoffseen auf Titan, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Nature" (Bd. 454, S. 607).

Schon seit den 1970er Jahren gebe es theoretische Überlegungen über flüssige Kohlenwasserstoffe auf dem Titan. Und seit einigen Jahren haben Messungen mit Radarwellen, die die Titanatmosphäre ungehindert durchdringen, große flache Areale auf der Oberfläche gezeigt. Forscher hatten deswegen vermutet, dass es Seen, sogar Ozeane geben müsste.

Deren direkter Nachweis ist so schwierig, weil Titan, der zweitgrößte Mond im Sonnensystem, eine dichte Atmosphäre aus Stickstoff und Wolken aus Kohlenwasserstoffen hat. Die Oberfläche ist deswegen fast nicht mit Kameras zu erspähen. Nur in wenigen schmalen Wellenlängenbereichen ist die Atmosphäre durchsichtig. Auf diese Beobachtungsfenster im infraroten Spektralbereich hatten es die Forscher abgesehen.

In den Infrarotbildern entdeckten die Wissenschaftler zweifelsfrei die molekulare Signatur des Kohlenwasserstoffs Ethan auf der Oberfläche. Und weil auf der Oberfläche von Titan Temperaturen von etwa minus 180 Grad Celsius herrschen, muss die Substanz in flüssiger Form vorliegen.

Der jetzt gefundene See hat eine Größe von 20.000 Quadratkilometern. Er trägt den Namen Ontario Lacus, in Anlehnung an den 300 Kilometer langen Ontariosee in der Nähe der Niagarafälle an der Grenze zwischen den USA und Kanada, dem er in seiner Größe und vom Umriss her ähnelt.

chs/ddp/AFP



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