Saturnmond Titan "Ein geologisch lebendiger Ort"

Ein rundes Becken, kilometerlange, sich schlängelnde Bänder und Hinweise auf Gewässer - die neuesten Fotos und Radaraufnahmen vom Mond Titan elektrisieren die Forscher. Herrschen auf dem Saturnbegleiter gar lebensfreundliche Bedingungen?

Wissenschaftler bejubelten die Bilder, auf denen unter anderem eine Landmasse in der Größe eines Kontinents zu sehen ist. Sie erhielt auch gleich einen Namen: Xanadu tauften die Experten den auf den Fotos in strahlendem Weiß erscheinenden Flecken. "Das ist absolut spektakulär, das ist einfach cool", freute sich die Leiterin des "Cassini"-Fototeams, Carolyn Porco.

Auf dem Saturnmond sind deutlich unterschiedliche Oberflächenstrukturen zu erkennen. Eine Aufnahme des Spektrometers VIMS (Visible and Infrared Imaging Spectrometer) an Bord der Sonde "Cassini-Huygens" zeigt die überraschend vielfältige Oberfläche sowie eine große Methanwolke in der Atmosphäre über dem Südpol.

Geradezu senstionelle Einblicke ermöglichen die inzwischen vorliegenden Radaraufnahmen. "Wir sehen einen Ort, der lebendig ist - geologisch gesehen", sagte Charles Elachi, beim Nasa-Labor JPL zuständig für die Auswertung der Radarbilder. Es gebe starke Hinweise auf geologische Aktivitäten, sagte der Wissenschaftler und verwies auf die länglichen Strukturen. Diese würden Lavaflüssen auf der Venus ähneln.

Außerdem seien dreieckige Strukturen zu erkennen, bei denen es sich möglicherweise um Felsen handle. Auch Indizien für die vermuteten Seen aus Methan und Ethan wurden entdeckt. Die Radaraufnahmen zeigen eine dunkle Fläche in Form eines Katzenkopfs, die die Forscher "Si-Si the Cat" nannten - in Anspielung auf die Tochter eines JPL-Wissenschaftlers. Die dunklen Spots seien typisch für sehr ebene Flächen wie Seen, sagte Elachi. Bislang hat das Radargerät auf der Sonde "Cassini-Huygens" erst ein Prozent der Titanoberfläche erfasst.

Die gesichteten schmalen Streifen erklären sich die Forscher mit starken Winden. Diese hätten Material über die Oberfläche bewegt und so die Strukturen erzeugt.

Besonders die offenbar in großen Mengen auf Titan vorhandenen Kohlenwasserstoffe interessieren die Wissenschaftler. "In frühen Jahren gab es auf der Erde (derartige) organische Verbindungen und es passierte etwas - und aus diesen Molekülen entstand Leben", sagte der an der Mission beteiligte Forscher Jonathan Lunine. "Wir mussten einen Ort finden, an dem sich diese Prozesse wiederholen ... und es scheint, als ob dies auf Titan geschieht."

Obwohl auf der Titanoberfläche eisige Temperaturen weit unter Null Grad Celsius herrschen, könnte vorhandenes Wasser in seinem Innern flüssig sein, wenn es mit Ammoniak vermischt ist, das die Schmelztemperatur absenkt. Bei Vulkanausbrüchen wäre es deshalb möglich, dass Wasser an die Titanoberfläche gelangt.

"Cassinis" Vorbeiflug war einer von insgesamt 45, die im Zuge der vierjährigen Saturnexpedition der Sonde geplant sind. Einige werden die Sonde sogar noch näher an die Oberfläche führen als jene am Dienstag erreichte Distanz von 1200 Kilometern.

Die mit hochmodernen europäischen Instrumenten beladene Tochtersonde "Huygens" soll sich Mitte Januar in die Gashülle des Saturn-Trabanten stürzen und eine Landung versuchen. Insgesamt kostet das Saturn-Projekt, an dem sich die USA und 17 europäische Länder beteiligen, fast drei Milliarden Euro. "Diese Mission wäre ohne unsere internationalen Kollegen nicht möglich", sagte JPL-Direktor Charles Elachi.

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