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Fotostrecke: Der Sternenfresser in Aktion

Foto: Univ. Warwick/ Mark A. Garlick

Schwarzes Loch Forscher entdecken kosmischen Sternenschredder

Es ist eine der größten und hellsten kosmischen Explosionen, die jemals von Astronomen beobachtet wurde: Ein Schwarzes Loch weit in den Tiefen des Weltalls hat einen Stern in Stücke gerissen. Dass man das historische Schauspiel auf der Erde beobachten konnte, ist reiner Zufall.

Hamburg/Washington - Das im Erdorbit stationierte Nasa-Observatorium "Swift" hat einen klaren Auftrag: Der Satellit soll im All gezielt nach kosmischen Gewaltausbrüchen suchen. Seit seinem Start im November 2004 analysiert "Swift" sogenannte Gammablitze. Am 28. März machte der Trabant eine Entdeckung, die Astronomenherzen weltweit höher schlagen ließ und die jetzt eine Publikation im Wissenschaftsmagazin "Science" wert ist.

In einer der größten und hellsten bisher beobachteten kosmischen Explosionen hat ein weit entferntes Schwarzes Loch in den Tiefen des Alls eine komplette Sonne in Stücke gerissen und verschlungen, wie die Astronomengruppe um Andrew Levan von der britischen Universität Warwick berichtet.

Das historische Ereignis, das offiziell den Namen Sw 1644+57 trägt, spielte sich demnach genau im Zentrum einer Galaxie ab. Sie ist 3,8 Milliarden Lichtjahre entfernt und liegt im Sternbild Drache (Draco).

Schon drei Tage nachdem "Swift" die Photonen des Ausbruchs registriert hatte, war einigen Forschern klar, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Gammablitz handeln konnte. Normalerweise dauern die kosmischen Extremereignisse nur einige Sekunden bis Minuten. Die intensive Gamma- und Röntgenstrahlung hielt in diesem Fall für Wochen an. Auch jetzt, knapp drei Monate später, ist das Ereignis noch messbar. Im sichtbaren Licht und im Infrarot leuchtete das Objekt zudem so hell wie hundert Milliarden Sonnen - ein Rekord.

"Eingesogen und zerrissen"

"Die bisher beste Erklärung, die auf Größe, Intensität, Zeitskala und das Fluktuationsniveau des beobachteten Ereignisses passt, ist ein massereiches Schwarzes Loch genau im Zentrum dieser Galaxie, das einen Stern eingesogen und zerrissen hat", sagte Levan.

Das sich drehende Schwarze Loch muss zwei scharf gebündelte Energiestrahlen nach oben und unten ausgesandt haben, von denen einer genau auf die Milchstraße gerichtet war. "Trotz der Kraft dieses katastrophalen Ereignisses konnten wir es nur sehen, weil unser Sonnensystem zufällig genau in die Mündung dieses Energie-Jets blickt", erklärt Levan den Erfolg.

Sein Kollege Joshua Bloom von der University of California ist von dem Naturschauspiel ebenfalls beeindruckt: "Wir haben es hier eigentlich mit einem ruhigen Schwarzen Loch zu tun, das keine Materie verschlingt", sagt Bloom. "Und plötzlich bringt es etwas in Fahrt."

So etwas könne auch in unserer Galaxie passieren, fügt der Astronom hinzu. "Ein Schwarzes Loch könnte friedlich im Zentrum unserer Galaxis sitzen, hin und wieder Schluckauf haben und etwas Gas verschlingen. Aus der Entfernung betrachtet, würde das Loch schlafend wirken. Bis ein Stern ihm zufällig zu nahe kommt und zerschreddert wird."

cib/dpa
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