Revolutionäre Beobachtung im All Forscher zeigen erstmals Foto von einem schwarzen Loch

Ein weltweites Netzwerk von Teleskopen hat eine Beobachtung ermöglicht, auf die Astronomen seit Jahrzehnten warten: Das erste Bild von einem schwarzen Loch. Wir erklären, was zu sehen ist.

Schwarzes Loch in der Galaxie Messier 87: So ein Bild gab es noch nie
EHT Collaboration

Schwarzes Loch in der Galaxie Messier 87: So ein Bild gab es noch nie

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Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Es ist ein historisches Bild, das Astronomen an diesem Mittwoch präsentieren: Ein weltweites Netzwerk von Radioteleskopen hat erstmals den Schatten eines schwarzen Lochs fotografiert. Zur Vorstellung des Fotos in Brüssel hatte neben den beteiligten Forschern des Event Horizon Telescope (EHT) auch EU-Forschungskommissar Carlos Moedas geladen. Weltweit fanden zeitgleich Pressekonferenzen statt. In Washington informierte die National Science Foundation (NSF) die Öffentlichkeit, weitere Veranstaltungen gab es in Chile, China, Taiwan und Japan.

Der Aufwand ist ein Indiz dafür, für wie fundamental Forscher die nun veröffentlichten Ergebnisse halten. Sie gelten als vergleichbar mit wissenschaftlichen Durchbrüchen wie der Entdeckung des Higgs-Bosons (2012) und dem ersten Nachweis von Gravitationswellen (2016). In diesen beiden Fällen hat es später einen Nobelpreis gegeben, auch für die Beobachtungen des Event Horizon Telescope dürfte das nicht unwahrscheinlich sein.

Bisher gab es nur Illustrationen der Schwerkraftmonster

Im Zentrum von vielen, vielleicht sogar allen Galaxien gibt es ein schwarzes Loch. Es handelt sich dabei um einen extremen Ort, an dem sich auf engstem Raum so viel Masse konzentriert, dass selbst Licht der Gravitationswirkung nicht mehr entkommen kann. Auch wenn der Anblick aus Science-Fiction-Filmen bekannt vorkommen mag: Bis jetzt hatte noch niemand solch ein Schwerkraftmonster tatsächlich gesehen. Alle bisherigen Bilder waren stets Illustrationen, wissenschaftlich mal mehr und mal weniger korrekt ausgeführt.

Doch das nun vorgestellte Bild des Event Horizon Telescope ist echt. Es ist möglich geworden, weil Forscher nach jahrelanger Vorarbeit zahlreiche Radioteleskope weltweit so zusammengeschaltet haben, dass sie wie ein einziges, gigantisch großes Beobachtungsinstrument funktionieren. So ist ein virtuelles Teleskop entstanden. Dessen Bildschärfe entspricht der einer einzelnen Antenne mit einem Durchmesser von 8000 Kilometern. Dadurch lässt sich der vergleichsweise kleine Bereich eines schwarzen Lochs detailliert genug abbilden.

Die beteiligten Wissenschaftler machen folgende Rechnung auf, um die Leistungsfähigkeit des Verbunds zu illustrieren: Wären die Augen eines Menschen so scharf wie das EHT, dann könnte dieser Mensch theoretisch über den Atlantik hinweg eine Zeitung lesen. Allerdings beobachtet der Teleskopverbund kein sichtbares Licht, sondern Radiostrahlung mit Wellenlängen von etwas mehr als einem Millimeter. Die eingefangenen Strahlen werden im Bild rot dargestellt, damit das menschliche Auge sie wahrnehmen kann.

Zu den acht eingesetzten Anlagen gehören unter anderem das "Alma"-Teleskop in Chile mit 66 riesigen Radioschüsseln, Teleskope der Europäischen Südsternwarte, ebenfalls in Chile, das IRAM 30-Meter Teleskop bei Granada in der spanischen Sierra Nevada sowie ein Teleskop am Südpol. Sie alle waren zuvor unter anderem mit hochpräzisen Atomuhren ausgerüstet worden, damit sich ihre Beobachtungen synchronisieren lassen.

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Schwarzes Loch mit 6,6 Milliarden Sonnenmassen

Ihre Beobachtungen haben die Forscher im Inneren der sehr aktiven Galaxie Messier 87, kurz M87, gemacht, die im Bereich des Sternbildes Jungfrau liegt. Das schwarze Loch dort ist 55 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt. Es hat eine Masse von etwa 6,6 Milliarden Sonnenmassen.

Auch im Inneren unserer Galaxie, der Milchstraße, gibt es ein schwarzes Loch. Astronomen nennen es Sagittarius A*. Es ist nur etwa 26.500 Lichtjahre von der Erde entfernt und hat eine Masse von etwa 4,1 Millionen Sonnenmassen.

Auch von Sagittarius A* hatte das EHT-Team ein Bild machen wollen. Das ist allerdings vorerst nicht gelungen, unter anderem weil das Herz der Milchstraße in einem dichten Nebel aus geladenen Teilchen verborgen liegt, was zu einem Flimmern der Radiostrahlung und damit zu unscharfen Bildern führt. Forscher hoffen jedoch, das Problem in Zukunft noch lösen zu können.

Einstein war das Konzept suspekt

Die Grundlage für die Idee der schwarzen Löcher - damals hießen sie allerdings noch nicht so - hatte Albert Einstein vor gut hundert Jahren in seiner Allgemeinen Relativitätstheorie gelegt. Allerdings war ihm das Konzept der "punktförmigen Singularitäten" suspekt, in denen Materie und Strahlung einfach verschwinden. Im Jahr 1939 hatte der Forscher daher sogar einen Fachartikel veröffentlicht, in dem er zeigen wollte, warum es schwarze Löcher nicht geben kann.

Richtiger lag der Astronom Karl Schwarzschild, der die Idee der schwarzen Löcher während des Ersten Weltkrieges präzisiert hatte. Er hatte berechnet, wie groß der Radius eines bestimmten Objektes sein muss, wenn es so massereich ist, dass selbst Licht seiner Gravitationswirkung nicht mehr entkommen kann.

Im Video: "Materie, die tanzt"

SPIEGEL ONLINE / EHT

Licht und Materie, die einmal den sogenannten Ereignishorizont des schwarzen Lochs - englisch: event horizon - überqueren, können nicht mehr nach draußen gelangen. Daher auch der Name des Event Horizon Telescope. Sogar die Zeit bleibt im Inneren eines schwarzen Lochs stehen. Der Physiker Stephen Hawking hat zwar postuliert, dass schwarze Löcher auch geringe Mengen an Strahlung aus ihrem Inneren wieder abgeben. Diese Hawking-Strahlung ist allerdings noch nie beobachtet worden.

Unmittelbar um das schwarze Loch herum geht es dagegen extrem turbulent zu: Große Mengen an Materie rotieren mit unvorstellbarer Geschwindigkeit. Man kann sich das wie den Strudel einer Badewanne vorstellen. Forscher sprechen lieber von einer Akkretionsscheibe. In ihr entstehen große Mengen an Strahlung, weil sich das herumwirbelnde Gas auf Millionen Grad Celsius aufheizt und zu strahlen beginnt.

Geheimnisvolle Jets

Vor rund hundert Jahren haben Astronomen erstmals beobachtet, dass sogenannte Jets, extrem energiereiche Teilchenstrahlen, aus manchen Galaxien weit hinaus ins All schießen. Seit einigen Jahrzehnten werden diese in Zusammenhang mit schwarzen Löchern gebracht. Die Jets entstehen an der Akkretionsscheibe, die Details waren bisher noch etwas unklar. Doch während sich die Jets gut beobachten lassen, waren die schwarzen Löcher selbst unsichtbar. Das liegt nicht nur daran, dass sie eben schwarz sind, sondern auch daran, dass sie normalerweise hinter Staub- und Plasmawolken verborgen liegen.

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Und doch verraten sie sich: Bestimmte Radiowellen aus dem Bereich der Akkretionsscheibe werden von dem Staub und Plasma nicht geblockt. Sie sind es, nach denen die Astronomen Ausschau gehalten haben. Die Radiowellen ermöglichten ihnen einen Blick auf die unmittelbare Umgebung des schwarzen Lochs. Der strahlende Ring aus dem Zentrum von M87 ist nun auf dem EHT-Bild sichtbar. Der Bereich, in dem das Material der Akkretionsscheibe in Richtung der Erde rast, ist heller. Dort, wo die Materie sich von der Erde wegbewegt, fällt die Aufnahme dunkler aus.

Petabyte an Daten verschickt

Das Foto ist aus zahlreichen Einzelmessungen zusammengesetzt. Bei den Beobachtungen des EHT waren in den Jahren 2017 und 2018 mehrere Petabyte an Daten zusammengekommen. Diese wurden an den Teleskopen mit Festplatten gespeichert und später per Post zu Datenzentren am Haystack Observatory in Boston (Bundestaat Massachusetts) und am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn geschickt. Dort wurden die Informationen dann über Monate bearbeitet und mühevoll zusammengefügt. So entstand das Bild, das nun präsentiert wurde.

Das EHT sollte Forschern auch erlauben, Einsteins Vorhersagen der Relativitätstheorie in einer extremen Umgebung am Rand eines schwarzen Lochs zu überprüfen. Bisher hat die Theorie noch jedem Test standgehalten. Für manche Physiker ist das unbefriedigend, weil sie gern eine neue Theorie der Schwerkraft entwickeln würden.

Einstein hatte auch die Existenz von Gravitationswellen vorhergesagt. Dank deren Beobachtung konnten Astronomen im September 2015 bereits der Verschmelzung zweier schwarzer Löcher zusehen. Diese waren damals aber deutlich kleiner als das nun fotografierte, sie kamen zusammen auf 49 Sonnenmassen.


Zusammengefasst: Am Mittwoch präsentierten Forscher das weltweit erste Foto eines schwarzen Lochs. Die Aufnahme stammt aus dem Inneren der sehr aktiven Galaxie Messier 87, kurz M87, die 55 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Ein solches Foto zu schießen, ist extrem aufwendig, weil sich in einem schwarzen Loch auf engstem Raum so viel Masse konzentriert, dass selbst Licht der Gravitationswirkung nicht mehr entkommen kann. Alle bisherigen Bilder von schwarzen Löchern waren stets Illustrationen. Die Aufnahme gelang nun, weil Forscher nach jahrelanger Vorarbeit zahlreiche Radioteleskope weltweit so zusammengeschaltet haben, dass sie wie ein einziges, gigantisch großes Beobachtungsinstrument funktionieren. Die Ergebnisse der Forscher gelten als vergleichbar mit wissenschaftlichen Durchbrüchen wie der Entdeckung des Higgs-Bosons (2012) und dem ersten Nachweis von Gravitationswellen (2016). In diesen beiden Fällen hat es später einen Nobelpreis gegeben.

insgesamt 136 Beiträge
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Seite 1
themistokles 10.04.2019
1.
Einfach nur Wow und herzlichen Glückwunsch an alle Beteiligten. Der Aufwand hat sich gelohnt und macht uns und unsere "Probleme" hier unten wieder ein bisschen kleiner- und vielleicht auch etwas demütiger.
schwerpunkt 10.04.2019
2.
Das Bild übertrifft meine Erwartungen. Ich hätte das nicht für möglich gehalten ein Bild dieses rund 6 Milliarden Sonnenmassen schweren Monsters bzw. seiner unmittelbaren Umgebung derart genau auflösen zu können. Ein Hinweis zum Artikel: Hawking-Strahlung wird nicht aus dem Inneren eines SL abgegeben, sondern entsteht unmittelbar am Ereignishorizontes. Also noch innerhalb unseres Universums. Nichts desto trotz, da es reale Teilchen aus virtuellen Teilchenpaaren "erzeugt", verringert es über sehr lange Zeiträume die Masse eines schwarzen Lochs. Aber es gilt weiterhin: was einmal den Ereignishorizontes überschritten hat, bleibt für alle Zeiten verschwunden. Egal was: Nichts kommt mehr raus. Die ultimative Einbahnstraße.
gusto 10.04.2019
3. ein wirklich großer donat
hoffentlich hat kein Wissenschaftler die Idee gehabt einen Donat mit Schokoglasur abzulichten ups Sorry schöne Aufnahme und auch noch die erste Bestehende go Wissenschaft go
DrStrang3love 10.04.2019
4.
Das ist sensationell. Ich freu mich jetzt schon auf die Erkenntnisse, die die Astrophysiker aus diesen Beobachtungen herausholen.
nesmo 10.04.2019
5. Unklar ist
warum man in der Mitte ein schwarzes Loch zu sehen scheint, mit strahlender Materie darum. Denn das "Loch" muss von jeder Seite, nicht nur von der Erde, wie ein Loch aussehen, also wie eine schwarze Kugel. Diese Kugel müsste aber von dem umgebenden strahlenden Materienebel vollständig verdeckt sein. Auf dem Foto müsste "das Loch" auch nicht mehr zu sehen sein, wenn aus einen anderen Blickwinkel dort hingeschaut wird. Ist das ganze also doch eher eine Illustration, als das, was die Teleskope "sehen"?
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