Seltenes Ereignis Schwarzes Loch schreddert Stern

Wenn ein Stern einem schwarzen Loch zu nahe kommt, zerfetzt die enorme Gravitation den Himmelskörper. Forscher konnten so ein seltenes Ereignis in einer weit entfernten Galaxie beobachten.

Jeremy Schnittman/ NASAs Goddard Space Flight Center

Die Welt verdankt Stephen Hawking eine Menge spannende Ideen. Eine besonders schöne hat der Physiker in seinem Buch "Eine kurze Geschichte der Zeit" beschrieben.

Darin erklärt er, wie sich Objekte verformen, wenn sie einem schwarzen Loch zu nahe kommen und in den Sog der Massemonster geraten. Sie werden in die Länge gezogen und schließlich auseinandergerissen. Der berühmte Physiker nannte das Spaghettisierung.

Wenn ein Stern in das mächtige Gravitationsfeld eines supermassereichen schwarzen Lochs gerät und zerrissen wird, gehört das zu den größten Katastrophen im Weltall. Forscher sprechen von einem Gezeitenzerriss-Ereignis (tidal disruption event). Astronomen konnten das Phänomen nun im Weltall verfolgen.

Im Video: Astronom Heino Falcke über schwarze Löcher

Im Fachmagazin "Astrophysical Journal" berichtet das Team um Thomas Holoien vom Carnegie Observatorium in Pasadena, wie es das Ereignis mit dem Weltraumteleskops TESS der Nasa und dem Teleskop-Netzwerk ASAS-AN (All-Sky Automated Survey for Supernovae) beobachtet hat. TESS soll Forscher eigentlich bei der Suche nach Exoplaneten unterstützen. Aber es schaut genau in die Region des Gezeitenzerriss-Ereignisses und konnte erstmals das Ende eines Sterns auf diese Art dokumentieren.

Die Katastrophe von Anfang an im Blick

Die Forscher sammelten die Daten aus einer Galaxie in etwa 375 Millionen Lichtjahren Entfernung. Das schwarze Loch in dessen Zentrum hat rund sechs Millionen Sonnenmassen. Als es die Sternentrümmer verschluckte, entstand ein helles Leuchten. Das konnten die Forscher beobachten. Nach der Analyse der Daten sind sie sicher, dass die Signale von einem Gezeitenzerriss stammen.

Durchschnittlich kommt ein Stern nur etwa alle 10.000 bis 100.000 Jahre einem schwarzen Loch zu nahe, schreiben die Forscher. Und das passiert auch nur in Galaxien, die in etwa die Größe unsere Milchstraße haben. Spuren solcher Ereignisse konnten bisher erst 40-mal beobachtet werden. Diesmal war es möglich, die Katastrophe schon zu einem ganz frühen Zeitpunkt zu sichten.

Zudem dokumentierten die Forscher den extremen Temperaturabfall bei dem Prozess. Innerhalb weniger Tage sank die Temperatur des zerstörten Sterns von 40.000 auf 20.000 Grad Celsius. Solche Daten seien noch nie zuvor gemessen worden, schreiben die Astronomen.

Die wohl extremsten Orte im Kosmos

Supermassereiche schwarzes Löcher sind die wohl extremsten Orte unseres Kosmos. Sie befinden sich im Zentrum von vielen Galaxien und konzentrieren auf engem Raum eine riesige Masse. Dadurch entsteht eine gewaltige Gravitation. Sogar Licht verschwindet in ihnen und kann nie mehr entkommen, wenn es einmal den sogenannten Ereignishorizont überschritten hat.

Forscher der Nasa haben jüngst eine Illustration des Weltraum-Phänomens erstellt (siehe oben). Diese verdeutlicht, wie die sogenannte Akkretionsscheibe eines schwarzen Lochs Materie in Richtung des Zentrums transportiert.

Erst im April war es Forschern gelungen, mit einem Verbund von Teleskopen erstmals ein Bild eines schwarzen Lochs zu zeigen: Es liegt in der Galaxie M87 und ist 55 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt. Die Masse beträgt 6,6 Milliarden Sonnenmassen (mehr dazu lesen Sie hier). Noch fehlt allerdings die Aufnahme von einem wichtigeren schwarzen Loch: Dem von Sagittarius A, das im Zentrum unsere Milchstraße liegt.

joe



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