Seltener Fund Lebensbausteine auf Exoplaneten entdeckt

Die Mischung klingt unappetitlich. Doch Methan, Wasser und Kohlendioxid sind der Bio-Cocktail, der Leben erst möglich macht. Nasa-Forscher haben dieses Gebräu nun auf einem 150 Lichtjahre entfernten Planeten entdeckt. Für uns Menschen wäre der allerdings denkbar ungemütlich.

NASA / JPL-Caltech / T. Pyle

Das Lebenselixier sieht unspektakulär aus und riecht alles andere als angenehm. Doch eine Mischung aus Methan, Wasser und Kohlendioxid hat auf unserem Planeten einst Leben ermöglicht. Verständlich daher die Aufregung, die nun am Jet Propulsion Laboratory der Nasa herrscht: Ein Forscherteam konnte den Bio-Cocktail auf dem Planeten HD 209458b nachweisen, der 150 Lichtjahre von unserer Erde entfernt seine Bahnen zieht. "Die Entdeckung solcher organischer Verbindungen bedeutet nicht automatisch, dass es dort auch Leben gibt. Die Moleküle könnten auch auf einem anderen Weg entstanden sein", erklärt Nasa-Forscher Mark Swain. Der Exoplanet wäre auch denkbar ungeeignet für Leben, wie wir es kennen: Bei HD 209458b handelt es sich um einen Gasriesen, größer noch als der Jupiter.

Mit den Weltraumteleskopen "Hubble" und "Swift" konnten die Astronomen das chemische Gemisch in der Atmosphäre des fernen Planeten nachweisen: Denn das Licht, das vom Planeten zur Erde gelangt, wird von dessen Atmosphäre gefiltert - und bestimmte Wellenlängen des Lichtes werden absorbiert. Jeder Planet hinterlässt so seinen eigenen Fingerabdruck. "Diese Himmelsobjekte sind zu weit weg, um Forschungssonden dorthin zu senden. Teleskope sind die einzige Möglichkeit, etwas über sie zu erfahren", sagt Swain.

Hoffen auf den Ernstfall

Eine Premiere ist der seltene Fund allerdings nicht: Schon 2008 hatten die Astronomen einen Planeten aufgespürt, in dessen Atmosphäre sie die drei chemischen Bestandteile fanden. Nun wollen sie die beiden Himmelskörper vergleichen - und lernen. So wies die Atmosphäre von HD 209458b mehr Methan auf, als in dem zuvor entdeckten Planeten. "Das sagt uns etwas", meint Swan, "Es könnte bedeuten, dass in der Entwicklung dieses Planeten etwas Besonderes passiert ist."

Mit dem Vergleich wollen sich die Forscher auf den Ernstfall vorbereiten - die Entdeckung eines erdähnlichen Gesteinsplaneten, auf dem Methan, Kohlendioxid und Wasser vorkommen. Allerdings rechnen die Astronomen erst in zehn Jahren mit einem solchen Sensationsfund. Schließlich ist bisher erst ein Planet bekannt, der all diese Voraussetzungen erfüllt: unsere Erde.

jkr



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