Sensationelle Hubble-Fotos Der Blick an die Grenzen der Zeit

Niemals zuvor haben Menschen so tief ins Weltall geschaut: Das Hubble-Weltraumteleskop hat in Hunderten von Erdumrundungen ein Bild aufgenommen, das das Weltall in seiner frühen Jugend zeigt.



"Zum ersten Mal sehen wir Sterne, die sich aus der Tiefe des Urknalls gebildet haben", schwärmte Steven Beckwith, Direktor des Telescope Science Institute in Baltimore. Das Hubble-Teleskop hat sein Meisterstück abgeliefert: Einen Blick ins All, der beinahe die Grenze der Zeit selbst berührt.

In Rund 400 Erdumdrehungen fingen die Hubble-Kameras Lichtwellen auf, die vor mehr als 13 Milliarden Jahren ihre Quelle verließen. Damals befand sich das Universum noch in den frühen Phasen seiner Entwicklung. Die vorherrschende astronomische Theorie besagt, dass das Universum vor 13,7 Milliarden Jahren in einem Urknall entstanden ist. Die Belichtungszeit des Bildes entspricht mehr als einer Million Sekunden - das sind mehr als elfeinhalb Tage.

"Hubble hat uns in einen Bereich gebracht, der nur noch einen Steinwurf vom Urknall selbst entfernt ist", sagte Massimo Stiavelli vom Telescope Science Institute. Das Bild, eine Kombination aus Aufnahmen der Advanced Camera for Surveys (ACS) und der Near Infrared Camera and Multi-object Spectrometer (Nicmos), zeigt das Universum aus der Zeit zwischen 400 und 800 Millionen Jahren nach dem Urknall.

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Historisches Foto: Hubbles tiefster Blick ins All

Foto: ESA

Erstaunt zeigten sich die Wissenschaftler von den bizzaren Formen der fernen Galaxien. Zu sehen sind etwa 10.000 Sternensysteme - viele davon in klassischer Spiral- und Ellipsenform, einige aber erinnern eher an Zahnstocher, Armreife und Kugeln. Sie stammen nach Meinung der Forscher aus einer Zeit, als es im All noch chaotischer zuging und sich die späteren Strukturen erst noch entwickeln mussten.

Die Aufnahme erfasst nur einen äußerst kleinen Teil des Himmels unterhalb des Sternbilds Orion, bezeichnet als "Hubble Ultra Deep Field" (HUDF). Er wurde mit einer bisher nie da gewesenen Auflösung dargestellt, die ausreichen würde, das Prägedatum auf einer Münze aus einer Entfernung von 1,6 Kilometern präzise aufzunehmen. "Diese Bilder werden noch über Jahre hinweg in den astronomischen Handbüchern zu finden sein", sagte Beckwith.

Jetzt beginne eine intensive Erforschung der Aufnahme mit möglicherweise neuen Erkenntnissen zur Entstehung von Sternen und Galaxien. Zu klären ist unter anderem die Frage, welche Objekte das kalte, dunkle Universum vor 13 Milliarden Jahren wieder aufgeheizt haben, als die ersten Sterne zu leuchten begannen.

Das Bild reicht nur etwa 500 Millionen Lichtjahre tiefer ins All als die bisherigen Hubble-Fotos, doch dieses Stück ist für Astronomen von entscheidender Bedeutung: Es erlaubt einen Blick in die Zeit der ersten Galaxien und damit auf das Ende des "dunklen Zeitalters" des Kosmos.

Die Aufnahme zeige "eine kritische Phase des Übergangs", sagte Hubble-Astronom Mario Livio. Er und andere Wissenschaftler verglichen die Entwicklung des Kosmos mit der eines Menschen: Die dramatischsten Veränderungen geschehen in der Kindheit, in der auch in kurzen Zeiträumen bedeutende Veränderungen geschehen.

Das Foto aus der Tiefe des Raums ist vielleicht eine der letzten Aufnahmen von Hubble. Das Weltraumteleskop ist auf regelmäßige Wartung durch Astronauten angewiesen. Die Nasa hat jedoch angekündigt, dass sie als Folge des "Columbia"-Unglücks vom Februar 2003 keine Flüge mehr zum Weltraumteleskop ansetzen wird. Ohne Reparaturen könne Hubble vielleicht schon in diesem Jahr ausfallen, sagte Beckwith. Mit etwas Glück könne das Teleskop aber auch noch fünf weitere Jahre seine Arbeit verrichten.

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