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01. Juli 2015, 18:13 Uhr

Satellit "Sentinel-2A"

Die ersten Fotos des Wächters

Europas neuer Erdbeobachtungssatellit, "Sentinel-2A", zeigt die Welt in kräftigen Farben. Erste Motive sind die Po-Ebene in Italien und die Côte d'Azur.

"Satelliten sehen nicht sehr sexy aus." Raumfahrt-Experte Volker Liebig im südamerikanischen Kourou spricht daher lieber davon, was hinter "Sentinel-2A" steckt: Mit dem Orbiter will die europäische Weltraumorganisation Esa die Erde genauer unter die Lupe nehmen, als dies bislang möglich ist.

Seit einer Woche ist "Sentinel-2A" im All. Der Satellit umkreist die Erde in 786 Kilometern Höhe. 2014 war "Sentinel-1A" gestartet, der die Erde mit Radarstrahlung abtastet. Beide Orbiter sind Teil des "Copernicus"-Programms der Esa zur Erd- und Umweltbeobachtung. Nach und nach wird dafür eine ganze Flotte von insgesamt 20 Satelliten ins All geschossen. Benannt sind die "Sentinel"-Satelliten nach dem englischen Wort für "Wächter".

Nun hat "Sentinel-2A" seine ersten Schnappschüsse zur Erde geschickt. Im Norden Europas versperrten Wolken den Blick auf die Erdoberfläche. Deshalb zeigen die von der Esa veröffentlichten Aufnahmen die italienische Po-Ebene und die französische Riviera - siehe Fotostrecke.

Open-Data vom Himmelsauge

Mit hochauflösenden Spektralbildern soll "Sentinel-2A" nach ersten Tests kontinuierlich Daten zum Zustand von Landschaften, Pflanzen und Wäldern sowie der Entwicklung von Ernten oder der Ausbreitung von Megastädten liefern. So kann schnell Kartenmaterial erstellt, die Entwicklung nach Erdbeben erfasst oder frühzeitig Ernteausfällen entgegenwirkt werden.

Nach einem Vulkanausbruch lasse sich sehr schnell herausfinden, wohin sich die Magmamassen bewegten und wie man Orte schützen könne, erläuterte Michael Menking, Leiter der Erdbeobachtung beim "Sentinel"-Hersteller Airbus Defence & Space.

Per Laser schickt "Sentinel-2A" seine Daten an geostationäre Satelliten, die das Material an vier Bodenstationen übermitteln. Der Satellit erfasst jeden Punkt der Erde spätestens alle zehn Tage. Mit dem für nächstes Jahr geplanten Zwillingssatelliten 2B schrumpft diese Frist auf fünf Tage.

Die zehn Satellitenpaare sind unterschiedlich fokussiert: etwa auf die Oberfläche von Land und Meeren, Temperaturveränderungen, Spurengase und Aerosole in der Atmosphäre oder die Entwicklung des Meeresspiegels.

nik/AFP/dpa

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