Seti-Projekt Milliardär gibt 100 Millionen Dollar für Alien-Suche

Um intelligentes Leben im Universum zu finden, hat der russische Milliardär Jurij Milner eine 100 Millionen Dollar teure Initiative gestartet. Der Physiker Stephen Hawking ist als Berater dabei.
Radioteleskope in Kalifornien: Ist da jemand?

Radioteleskope in Kalifornien: Ist da jemand?

Foto: Ben Margot/ AP

Sind wir allein im Universum oder gibt es noch weiteres Leben? Diese Frage trieb schon viele Menschen um, beantwortet ist sie bis heute nicht. Um das ändern, stellt der russische Milliardär Jurij Milner jetzt 100 Millionen US-Dollar zur Verfügung - mehr als 90 Millionen Euro -, wie er am Montag in London erklärte.

Begleitet wurde der russische Unternehmer bei seiner Präsentation von einer Reihe namhafter Wissenschaftler, darunter Stephen Hawking. Der berühmte Astrophysiker wird die globale Wissenschaftsinitiative namens "Breakthrough Listen" als Berater unterstützen.

Mit dem Geld soll ein von Milner persönlich ausgewähltes Team zehn Jahre lang das Universum abhören. Ziel ist, mit einigen der weltweit größten Radioteleskope Signale aus dem Universum abzufangen, die auf die Existenz von intelligentem Leben schließen lassen.

Im ersten Schritt wird es noch nicht darum gehen, die Signale zu verstehen. Stattdessen sollen die Forscher entschlüsseln, ob es sich um natürliche Phänomene handelt oder tatsächlich um Spuren außerirdischen Lebens. Die Wissenschaftler sollen innerhalb dieser Zeit Radiosignale aus der Milchstraße sowie den 100 nächstgelegenen Galaxien auswerten.

Milner: Begeisterung für Außerirdische, seit er zehn ist

Was Milner plant, übertrifft laut Wissenschaftlern alles, was sonst in die Suche nach außerirdischem Leben (Seti = Search for Extraterrestrial Intelligence) investiert wird. Weltweit wurden jährlich weniger als zwei Millionen US-Dollar für Seti-Projekte verwendet, sagt Dan Werthimer, einer der Berater des neuen Projekts und Astrophysiker der University of California in Berkeley.

Seit Jahrzehnten fahnden Wissenschaftler nach Signalen fremder Zivilisationen im Weltall - bislang vergeblich. Besonders populär waren die Messungen von Frank Drake, die 1960 begannen. An der ersten Seti-Konferenz im Jahr 1961 nahm neben Drake auch Carl Sagan teil.

Ufo-Festival in USA (Archivbild): 100 Millionen für Suche nach Außerirdischen

Ufo-Festival in USA (Archivbild): 100 Millionen für Suche nach Außerirdischen

Foto: AP

Sagan war es, der Milners Begeisterung für außerirdisches Leben weckte. Im Alter von zehn Jahren las Milner ein Buch des Astrophysikers über die Möglichkeit intelligenten Lebens irgendwo im Universum. Das Thema hat ihn seitdem nicht mehr losgelassen.

Die Beweggründe beschreibt er sehr pragmatisch: Milner glaubt, dass die Menschen von anderen Zivilisationen lernen könnten, mit großen Herausforderungen umzugehen - etwa der Verteilung von Naturschätzen. "Wenn wir allein sind, müssen wir in Ehren halten, was wir haben", sagt er. "Dann ist die Botschaft, dass das Universum keinen Back-up hat."

Seti at home: Fahndung nach Aliensignalen für jedermann

Milner hatte 2012 bereits den Breakthrough Prize für Physiker ins Leben gerufen. Es gibt zudem auch einen Preis für Biowissenschaften. Alle Breakthrough-Preise sind mit drei Millionen US-Dollar dotiert. Nobelpreisträger bekommen lediglich 1,2 Millionen.

2014 wurde der Breaktrough Prize in Mathematik an fünf Wissenschaftler vergeben, darunter auch an den Zahlentheoretiker Terence Tao. Dieser hatte 2012 eine Lösung für ein Primzahlrätsel vorgelegt, die ein wichtiger Schritt zum Beweis der Goldbachschen Vermutung sein könnte.

Bei der Suche nach Außerirdischen kann übrigens jeder mithelfen. Bereits 1999 hatte die University of California in Berkeley das Projekt Seti at home gestartet. Dabei muss nur die Seti-Software auf dem eigenen Rechner installiert werden - dessen Rechenpower wird dann für die Analyse der Funksignale genutzt.

Mittlerweile wollen einige Wissenschaftler den Spieß sogar umdrehen und selbst Signale ins All senden - leistungsstark, zielgerichtet und über lange Zeiträume. Aus Seti wird Meti, "Message to Extraterrestrial Intelligence".

hda/irb/Reuters
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