Seti-Projekt Aliens sollen sich bis 2024 melden

Der Chefastronom des amerikanischen Seti-Projekts hat eine gewagte These aufgestellt: Innerhalb der nächsten 20 Jahre, hat Seth Shostak ausgerechnet, werde die Menschheit zum ersten Mal Signale einer außerirdischen Intelligenz empfangen.


Green-Bank- Observatorium des Seti-Instituts: Lauschen nach Signalen intelligenter Aliens
AP

Green-Bank- Observatorium des Seti-Instituts: Lauschen nach Signalen intelligenter Aliens

Seit nunmehr 20 Jahren fahndet das Seti-Institut ("Search for Extraterrestrial Intelligence") nach fremden Zivilisationen - unter anderem mit Hilfe von "Seti@home", des ersten und weltweit größten Projekts des "verteilten Rechnens". Mehr als fünf Millionen Freiwillige haben laut Seti einen Bildschirmschoner auf ihren PCs installiert, der sich durch Radioteleskopdaten wühlt und die Ergebnisse über das Internet zu den Alienjägern zurückschickt. Rund 1,5 Milliarden Datenpakete gelangten so zu den Forschern, doch gefunden haben sie bis heute nichts.

Grund zur Ungeduld gäbe es also genug, aber nach Meinung von Seth Shostak lassen die Lebenszeichen von schlauen Aliens nicht mehr lange auf sich warten. Schon innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte, glaubt der Seti-Chefastronom, werden Erdlinge die ersten Anzeichen fremder Intelligenz im Weltraum entdecken.

Shostak will seine mutige These nicht als grobe Schätzung verstanden wissen, sondern als Ergebnis komplizierter Rechnerei, die auf Schätzungen über die Verteilung bewohnbarer Welten im All und die technologische Entwicklung auf der Erde beruht. Wie das Wissenschaftsmagazin "New Scientist" berichtet, benutzte Shostak zunächst die berühmte Formel seines Seti-Kollegen Frank Drake. Die aus dem Jahr 1961 stammende Gleichung besteht aus sieben Variablen:

  • Wie viele Sterne pro Jahr entstehen,
  • wie viele von ihnen ein Planetensystem besitzen,
  • wie viele der Planeten Leben ermöglichen,
  • auf wie vielen tatsächlich Leben entsteht,
  • auf welchen intelligente Wesen wohnen,
  • wie viele fremde Zivilisationen überhaupt ein Interesse an interstellarer Kommunikation haben,
  • wie lang eine technische Zivilisation besteht.
Die einzelnen Werte haben sich mit den Forschungsergebnissen der letzten Jahre und Monate erheblich gegenüber dem Stand von 1961 verändert - und zwar dahingehend, dass außerirdisches Leben heute als deutlich wahrscheinlicher angesehen wird. So wurden etwa die Annahmen über die Verbreitung von Sternen mit Planetensystemen beständig nach oben korrigiert. Beobachtungen auf der Erde ergaben, dass Leben unter weit widrigeren Umständen gedeihen kann, als Wissenschaftler noch vor wenigen Jahren geglaubt hatten. Der renommierte Planetenforscher Barry Jones etwa betonte jüngst im Interview mit SPIEGEL ONLINE, dass jedes zweite der schon entdeckten rund 100 Planetensysteme erdähnliche Himmelskörper enthalten könnte.

Seti-Chefastronom Shostak: Innerhalb von 20 Jahren sollen Menschen außerirdische Signale auffangen
SETI Institute

Seti-Chefastronom Shostak: Innerhalb von 20 Jahren sollen Menschen außerirdische Signale auffangen

Seti-Astronom Shostak kam aufgrund der Drake-Formel und aktueller Forschungsergebnisse zu dem Ergebnis, dass allein in der Milchstraße zwischen 10.000 und einer Million Zivilisationen hausen könnten, die Radiosignale ausstrahlen. Um sie zu finden, sei die Untersuchung der meisten der rund 100 Milliarden Sterne unserer Galaxie notwendig, schreibt Shostak in einem Beitrag für das Fachmagazin "Acta Astronautica".

Die gewaltige Aufgabe könne angesichts der technologischen Entwicklung auf der Erde in absehbarer Zeit gemeistert werden, glaubt Shostak. Er nahm die Kapazitäten bereits existierender und geplanter Radioteleskope in seine Rechnung auf und kombinierte sie mit der stetig wachsenden Rechengeschwindigkeit von Mikrochips, die im Wellensalat des Universums nach Anzeichen von Intelligenz suchen. Shostak nimmt an, dass sich die Prozessorgeschwindigkeit bis 2015 alle 18 Monate verdoppeln wird - wie es schon seit 40 Jahren geschieht. Danach werde die Rechenpower nur noch halb so schnell wachsen, weil die Entwicklung immer kleinerer Schaltkreise an physikalische Grenzen stoße.

Das Resultat des Rechenwerks: Innerhalb einer Generation, wahrscheinlich in höchstens 20 Jahren, werden wir die ersten Signale intelligenter Wesen aus dem All auffangen. Die Plauderei mit den Aliens könnte allerdings ein wenig zäh verlaufen: Vermutlich würden die Außerirdischen 200 bis 1000 Lichtjahre entfernt sein, so Shostak. Es würde demnach Jahrhunderte dauern, eine Antwort auf eine Nachricht zu bekommen.

Für seine gewagte These bekommt Shostak indes Kritik aus den eigenen Reihen. Nach Meinung von Paul Shuch, Direktor der "Seti League" in New Jersey, hat Shostak die Rechnung ohne die Außerirdischen gemacht. "Es ist absolut sinnvoll, die Entwicklung der menschlichen Technologie vorherzusagen", sagt Shuch. Die Annahmen über die Existenz außerirdischen Lebens, fremder Intelligenz und ihrer Motivation zur Plauderei aber seien derart unsicher, dass "eine Vorhersage des Datums, des Jahrzehnts und selbst des Jahrhunderts des Erstkontakts" kaum möglich sei.

Markus Becker



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