Nachrichten ins All Was, wenn jemand antwortet?

Einige Forscher wollen systematisch Botschaften ins Weltall schicken, um außerirdische Zivilisationen zu finden. Andere halten das für äußerst gefährlich.
Radioteleskop und einzelner Radioblitz (künstlerische Darstellung): Frustrierende Suche nach Außerirdischen

Radioteleskop und einzelner Radioblitz (künstlerische Darstellung): Frustrierende Suche nach Außerirdischen

Foto: Swinburne Astronomy Productions/ CSIRO Radiotelescope

Wo sind die Aliens? Seit Jahrzehnten fahnden Menschen nach Signalen außerirdischer Zivilisationen, und sie waren voller Hoffnung gestartet. Die Milchstraße besitzt bis zu 300 Milliarden Sterne, wahrscheinlich Millionen bewohnbarer Planeten, und sie ist mehr als 13 Milliarden Jahre alt. Reichlich Zeit also für intelligente Außerirdische, die Galaxie zu kolonisieren. Allein: Bisher hat die Menschheit nichts von ihnen gehört.

In der Seti-Gemeinde - das Kürzel steht für "Search for extraterrestial Intelligence" - macht sich Ungeduld breit. Einige ihrer Mitglieder wollen den Spieß nun umdrehen und selbst Signale ins All senden - leistungsstark, zielgerichtet und über lange Zeiträume. Aus Seti ("Search for Extraterrestrial Intelligence") wird Meti, "Message to Extraterrestrial Intelligence".

Doch während einige lieber heute als morgen mit dem Senden von Nachrichten begännen, halten andere das für völlig verantwortungslos. Schließlich wisse niemand, ob die Außerirdischen als Helfer oder Eroberer kämen. Die Jahrestagung des US-Forscherverbands AAAS, die derzeit im kalifornischen San Jose stattfindet, hat eines deutlich gezeigt: Die Lager stehen sich unversöhnlicher denn je gegenüber.

"Arrogant und unhöflich"

"Wir werden als Paranoiker bezeichnet, die Angst vor bösen Aliens haben", schimpfte der Science-Fiction-Autor und Astrophysiker David Brin, ein führender Meti-Gegner. Dabei sei man gar nicht prinzipiell gegen das Senden von Nachrichten ins All. Doch auch wenn die Erfolgsaussichten gering seien: Die Folgen eines Kontakts mit Außerirdischen wären gravierend - egal, ob die Aliens nun freundlich seien oder nicht. "Deshalb muss es eine globale Debatte und einen Konsens darüber geben, ob und was man sendet", meint Brin. "Das sollte man nicht einer kleinen Gruppe überlassen, die einige Meetings veranstaltet, sich selbst kontrolliert und das dann Diskussion nennt."

Das Hauptquartier der "kleinen Gruppe", der Brin "Arroganz und Unhöflichkeit" vorwirft, ist das Seti Institute in Kalifornien. Seth Shostak, Chef des dortigen Center for Seti Research, ist ein glühender Befürworter des Verschickens von All-Botschaften. Die Menschheit sende ohnehin seit Jahrzehnten Signale ins All, etwa mit TV-Sendern oder militärischen Radargeräten. "Es ist zu spät, sich über die Entdeckung durch Außerirdische noch Sorgen zu machen", sagt Shostak. "Dieses Pferd ist längst aus dem Stall gelaufen."

Gezielte Nachrichten an lebensfreundliche Planeten

Allerdings wollen Shostak und seine Mitstreiter die Wahrscheinlichkeit, dass Aliens auf uns aufmerksam werden, deutlich erhöhen - indem sie mit leistungsstarken Sendern gezielt Welten anfunken, auf denen es Leben geben könnte. An ihrem Ziel wären die Signale dann millionenfach stärker als die bisherigen, in alle Richtungen abgestrahlten Zufallssignale.

Potenziell bewohnbare Exoplaneten werden von Astronomen immer öfter entdeckt. Und schon 2018, wenn das James-Webb-Weltraumteleskop das Hubble-Observatorium ablöst, kann voraussichtlich direkt nachgewiesen werden, ob auf Planeten Leben möglich ist. Dann nämlich wird die Analyse von deren Atmosphäre möglich.

Was aber geschähe, wenn Außerirdische tatsächlich auf uns aufmerksam würden? "Es gibt Hunderte Beispiele für Erstkontakte zwischen unterschiedlichen weit entwickelten Zivilisationen", so Brin. "Und für die weniger entwickelten Zivilisationen gingen sie selten gut aus." Zwar befürchte er nicht, dass Außerirdische die Menschheit unterwerfen würden wie einst Cortés die Azteken. Und die Warnung des berühmten Physikers Stephen Hawking, Aliens könnten die Ressourcen der Erde plündern, sei "lächerlich" - Asteroiden seien eine viel leichtere Beute. Dennoch, insistiert Brin, müsse es eine breite Debatte geben, bevor man zur Tat schreite.

Erginge es der Menschheit wie den Azteken?

Die Befürworter des "aktiven Seti" sind dagegen sehr zuversichtlich, dass außerirdische Besucher eher friedlich wären. Ihr Argument: Die Erdlinge haben nach kosmischen Maßstäben erst vor wenigen Momenten damit begonnen, das All zu entdecken - und es wäre unwahrscheinlich, dass ausgerechnet wir die ersten sind. "Sollte es intelligente Zivilisationen anderswo im All geben, wären sie uns also wahrscheinlich Jahrtausende oder gar Jahrmillionen voraus", sagt Douglas Vakoch, beim Seti-Institut für das Verfassen interstellarer Nachrichten zuständig. "Das bedeutet zwangsläufig, dass eine solche Kultur eine Stabilität besitzt, die uns derzeit fehlt."

Die Meti-Gegner aber halten das für eine reine Vermutung. Sie haben jetzt eine Petition veröffentlicht, in der sie erneut eine globale Debatte fordern. Unterschrieben haben eine Reihe prominenter Forscher und Unternehmer - etwa Elon Musk, Gründer des Raumfahrtunternehmens SpaceX und der Elektroautofirma Tesla, der Wissenschaftshistoriker und Sachbuchautor George Dyson und bekannte Astronomen wie etwa Geoffrey Marcy.

Brin schlägt vor, fünf bis zehn Jahre zu warten, "bevor man in unserem Namen ein 'Juhu' ins All ruft". Während dieser Zeit solle man die Welt entscheiden lassen, ob man Nachrichten absende. "Was könnte mehr Spaß machen als eine solche Debatte?", fragt der Autor. "Und was würde dem Seti-Projekt mehr Spenden einbringen?"

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