"Shenzhou 9" China will im Sommer bemannten Raumflug starten

Drei chinesische Raumfahrer bereiten sich auf einen Einsatz im Sommer vor. Zwischen Juni und August sollen sie Leben ins Weltraummodul "Tiangong 1" bringen. Es ist ein weiterer Schritt auf Chinas Weg zur umfassenden All-Macht.
"Shenzhou-8" (im Oktober 2011): "Programm gemäßigten Tempos"

"Shenzhou-8" (im Oktober 2011): "Programm gemäßigten Tempos"

Foto: STR/ AFP

Peking - China will in diesem Jahr drei Astronauten zu seinem Weltraummodul "Tiangong 1" schicken. Die bemannte Raumkapsel "Shenzhou 9" werde zwischen Juni und August mit einer Trägerrakete vom Typ Langer Marsch 2F ins All geschossen, teilte die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua mit.

Die Astronauten sollen manuell an das Modul andocken und dort wissenschaftliche Experimente durchführen. Im vergangenen Jahr hat schon die unbemannte und ferngesteuerte Kapsel "Shenzhou 8" an dem Modul festgemacht. Die Regierung in Peking feierte einen "wichtigen Meilenstein" für Chinas bemannte Raumfahrt.

An Bord war damals auch das deutsche Experimentiermodul "Simbox" mit 17 biologischen und medizinischen Experimenten. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) habe "den Sprung über die chinesische Mauer gewagt und Deutschland eine neue Partnerschaft in der bemannten Raumfahrt eröffnet", jubelte DLR-Vorstandsmitglied Gerd Gruppe nach der Landung. "Ich sehe dies weniger als einen Wettbewerb zu unseren langjährigen, bewährten Kooperationspartnern USA und Russland, sondern als Ergänzung."

Nach einem ersten erfolgreichen Start im Jahr 2003 hat China bereits mehrere bemannte Flüge durchgeführt. Bei einem davon gab es sogar einen Ausstieg in den freien Weltraum. John Logsdon, der frühere Direktor des Space Policy Institute an der George Washington University, hat Chinas Pläne als ein "Programm gemäßigten Tempos" bezeichnet. Andere Fachleute haben die Chinesen für ihre Entschlossenheit gelobt, mit einem relativ kleinen Etat Fortschritte zu erzielen.

China drängt mit Macht ins All: Bis zum Jahr 2020 will das Land eine bemannte Raumstation aufbauen. Sie wird allerdings deutlich kleiner ausfallen als die Internationale Raumstation. Bei diesem Großprojekt hätten die Europäer die Chinesen auch gern dabei. Doch die USA haben bislang konsequent verhindert, dass Peking sich an der Station beteiligen darf.

Es geht dabei vor allem um die Befürchtung, dass die Chinesen Industriegeheimnisse stehlen und womöglich militärisch nutzen könnten. Immerhin steht Chinas Raumfahrtprogramm auch unter dem Kommando der Volksbefreiungsarmee.

Thomas Reiter, Direktor der Europäischen Raumfahrtagentur (Esa) für bemannte Raumfahrt, hat trotzdem folgendes Ziel formuliert : "Unser Ziel ist es, dass noch in diesem Jahrzehnt ein chinesisches Raumschiff an die Internationale Raumstation andockt oder ein europäisches an die chinesische Raumstation."

chs/dapd
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