SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

11. August 2007, 11:22 Uhr

Shuttle "Endeavour"

Mit Klebstoff und Flickset im Orbit

Montage-Ausstiege ins All und Sorgen ums Hitzeschild: Beides gehört inzwischen zum Astronauten-Alltag, auch diesmal gibt es wieder Schäden am Shuttle. Wenigstens hat die "Endeavour"-Besatzung mehr Zeit, falls eine Reparatur nötig würde - denn der Shuttle hängt an der Steckdose der ISS.

Die Choreographie ist mittlerweile zum Ritual geworden: Mit einem Purzelbaum näherte sich der Shuttle der Internationalen Raumstation (ISS). Vor dem Andocken am Freitagabend wurde die "Endeavour" von dort aus fotografiert - denn seit dem Unglück der US-Raumfähre "Columbia" im Jahr 2003 begleitet jede Shuttle-Mission auch die Angst vor Schäden am Hitzeschild. Eine schadhafte Stelle am Space Shuttle "Endeavour", viereckig und von knapp acht Zentimetern Kantenlänge, beunruhigt die Nasa diesmal.

Nachdem die Verantwortlichen der US-Raumfahrtbehörde Nasa sich im Zuge der Untersuchungen zum "Columbia"-Absturz Schlamperei-Vorwürfe gefallen lassen mussten, wird seitdem bei jedem Shuttle-Flug ganz genau geguckt: Fielen beim Start Schaumstoffstücke oder Eisbrocken vom orangen Außentank ab und beschädigten die Hitzekacheln an der Unterseite des Shuttles? Auch diesmal, so hatten Videoanalysen gezeigt, ist der Shuttle möglicherweise beim Start von herabfallenden Teilen getroffen worden.

Klebstoff und eine Art Flickset gehören mittlerweile zur Standardausrüstung an Bord der Raumfähren. Erst beim letzten Flug eines US-Shuttles zur ISS im Frühsommer hatten Astronauten davon Gebrauch machen müssen: An der Unterseite der "Atlantis" guckte bei der letzten Mission Mitte Juni ein Zipfel Isoliermaterial zwischen zwei Hitzekacheln hervor. Bei einem Weltraumspaziergang wurde dies behoben.

Kabelverbindung zur Station

Am morgigen Sonntag soll sich ein Team der "Endeavour"-Besatzung den jetzt entdeckten Schaden genauer anschauen. An der Spitze des Roboterarms befestigt wird es unter den Shuttle gehoben. Erst dann will man sich bei der Nasa dazu äußern ob und falls ja welche Gefahr von dem Schaden ausgehen könnte. "Was hat er zu bedeuten? Im Moment weiß ich das noch nicht", sagte John Shannon, der Vorsitzende des Missinsmanagement-Teams im Bodenkontrollzentrum im texanischen Houston. Allzu eilig scheinen die Planer der Mission es aber nicht zu haben. Heute soll zunächst in einem ersten Weltraumspaziergang ein Bauteil an der ISS montiert werden.

Eine experimentelle Neuerung könnte den Astronauten im Fall einer schwerwiegenderen Panne diesmal zusätzliche Zeit verschaffen: Über eine Kabelverbindung sind erstmals die Stromkreisläufe der Raumfähre und der Raumstation miteinander gekoppelt worden. So könne die "Endeavour" bis zu drei Tage länger im All bleiben, teilte die Nasa mit.

Die "Endeavour" bringt neben neuen Bauteilen auch Ersatzteile und Versorgungsgüter zur Station. Erstmals wird zudem die Lehrerin und Astronautin Barbara Morgan per Videoschaltung Schulunterricht aus dem All erteilen. Sie erfüllt damit ein Vermächtnis ihrer Kollegin Christa McAuliffe aus dem Jahr 1986. Auch sie sollte im Rahmen des Programms Teacher in Space von Bord der "Challenger" Lektionen halten. Die Fähre explodierte jedoch 73 Sekunden nach dem Start vor den Augen der entsetzten Öffentlichkeit. Barbara Morgans war damals als Ersatzkandidatin gesetzt.

stx/ddp/dpa/Reuters

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung