Shuttle-Nachfolger Lockheed Martin baut Raumschiff "Orion"

Die Tage der Space Shuttles sind gezählt. Jetzt hat die US-Raumfahrtbehörde Nasa den Auftrag für die Entwicklung des Nachfolgers erteilt: Der Rüstungskonzern Lockheed Martin hat den Zuschlag für das 7,5 Milliarden Dollar teure Projekt bekommen.

Washington - Als "Apollo auf Steroiden" bezeichnet die US-Raumfahrtbehörde Nasa "Orion", die nächste Generation von Raumtransportern. Mit "Orion" sollen erstmals seit der letzten Mondlandung von 1972 wieder Menschen zum Erdtrabanten fliegen - und anschließend möglicherweise gar bis zum Mars. Umso erstaunlicher ist die Entscheidung der Nasa, wer den modernen Nachfolger des "Apollo"-Mondlandeprogramms entwickeln und bauen darf.

Den Zuschlag hat der US-Konzern Lockheed Martin erhalten. 7,5 Milliarden Dollar (rund 5,8 Milliarden Euro) soll das Projekt bis 2019 kosten. Das Konsortium aus dem Schiffbauer Northrop Grumman und Boeing, das sich ebenfalls um den "Orion"-Auftrag beworben hatte, ging leer aus - "eine überraschende Schlappe", kommentierte die "New York Times". Denn Northrop, Boeing und ihre Tochterunternehmen haben nicht nur die Space-Shuttle-Flotte, sondern auch die "Apollo"-Raumschiffe gebaut, mit denen die Astronauten der sechziger und siebziger Jahre zum Mond geflogen sind.

Jungfernflug für September 2014 geplant

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Lockheed Martin hat sich dagegen im Raumfahrtbereich bislang auf den Bau von unbemannten Raketen und Sonden spezialisiert. Zu den Vorzeigeprojekten gehören der "Lunar Prospector" (1998), die "Viking"-Marssonden (1976) und der "Mars Reconnaissance Orbiter", der seit Beginn des Jahres den Roten Planeten kartiert. Der "Mars Climate Orbiter" (1999) hingegen zerschellte, weil Lockheed Martin und die Nasa metrische und englische Maßeinheiten verwechselt hatten.

Auch der letzte Nasa-Auftrag für den Bau eines bemannten Raumschiffs, den Lockheed Martin 1996 bekommen hatte, lief nicht wie geplant. Die Nasa hatte für das Projekt X-33 bereits 912 Millionen Dollar ausgegeben - doch das Raumschiff wurde wegen technischer Probleme nie gebaut.

Die neuen "Orion"-Raumschiffe sollen die veraltete Shuttle-Flotte ersetzen, denn die derzeitigen Space Shuttles werden nach dem Ausbau der Internationalen Raumstation im Jahr 2010 ausgemustert. Wenn alles gut geht, findet der erste "Orion"-Testflug im September 2014 statt. Auf dem Mond könnten Astronauten nach Schätzungen der Nasa Ende 2019 oder 2020 landen - rund 50 Jahre nach der ersten bemannten Mondlandung im Juli 1969.

Zehn Mal sicherer als die Shuttles

Die Nasa schätzt, dass "Orion" rund zehn Mal sicherer sein wird als seine Vorgänger. Bei Problemen sollen sich die Insassen mit einer Rettungsrakete in Sicherheit bringen können. Die "Orion"-Raumschiffe sollen wie die Raumfähren wiederverwendet werden, sitzen aber wie früher die "Apollo"-Kapseln auf der Spitze einer Rakete.

Beim "Orion"-Projekt wird Lockheed Martin technische Unterstützung von allen zehn Nasa-Forschungszentren bekommen. Die Hauptarbeit wird aber im Johnson Space Center in Houston geleistet. Die Montage von "Orion" wird dann im Kennedy Space Center in Florida stattfinden. Nach Angaben der Nasa soll Lockheed zunächst zwei Raumschiffe liefern: eines zum Personentransport, ein zweites als Lastschiff.

Nach den Plänen von US-Präsident George W. Bush sollen die Astronauten auf dem Mond eine permanente Basis errichten, von der später bemannte Flüge zum Mars starten können. "Das All ist nicht länger ein Ziel, wo wir uns nur für kurze Zeit aufhalten wollen", sagte Scott Horowitz, bei der Nasa für die Entwicklung neuer Raumschiffe zuständig. Irgendwann könnten Menschen vielleicht für sechs Monate auf einer Mondstation bleiben, fügte er hinzu. Astronauten würden im Weltraum "wie früher die Pioniere" leben, sagte Nasa-Sprecher Michael Braukus.

Am "Orion"-Projekt werden laut Nasa ausschließlich US-Unternehmen arbeiten. Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS hatte schon vor der Entscheidung nicht mit einer Beteiligung der Deutschen oder Europäer gerechnet. Nasa-Direktor Michael Griffin wolle die Entwicklung und Produktion kritischer Technologien US-Firmen vorbehalten, hieß es. Die EADS sei jedoch offen für denkbare Beteiligungen in einer späteren Phase, sagte ein EADS-Sprecher. Das Unternehmen habe beispielsweise interessante Technologien für Rendezvous- und Andockmanöver entwickelt.

fba/AP/dpa/rtr

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.