Shuttle-Nachfolger Raumschiff "Orion" muss warten

Geldmangel, technische Schwierigkeiten - die Nasa hat Probleme bei der Entwicklung ihres neuen Raumschiffs "Orion", das auch Astronauten zum Mond bringen soll. Der erste Flug wird nun doch nicht vor 2014 stattfinden. Zudem kritisierte ein Expertengremium das gesamte Projekt.


Washington - Noch zehn Flüge, dann ist endgültig Schluss. Bis 2010 sollen die letzten drei Raumfähren der Nasa - "Discovery", "Endeavour" und "Atlantis" - noch fliegen, ehe sie eingemottet werden. Der Nachfolger steht schon lange fest: "Orion" soll die Shuttle-Flotte der Nasa beerben. Allerdings wird das neue Raumschiff nicht so früh fertig wie erhofft.

Als offiziellen Starttermin für "Orion" hatte die Nasa den März 2015 festgelegt, doch eigentlich wollte man schon 2013 so weit sein. Aus den ehrgeizigen Plänen wird nun aber doch nichts: Wie die Nasa bekanntgab, wird das erste "Orion"-Raumschiff nicht vor 2014 fliegen. Der Grund: technische Schwierigkeiten und Budgetprobleme, wie Jeff Hanley, der Manager des "Orion"-Programms, mitteilte.

Weil in den Jahren bis zur Einsatzfähigkeit von "Orion" nur russische Sojus-Raketen den Transport von Astronauten zur Internationalen Raumstation (ISS) übernehmen können, besitzt Russland für diese Zeit ein Monopol in der bemannten Raumfahrt. Und das wird sich Moskau gut bezahlen lassen. In US-Raumfahrtkreisen heißt es, die Russen verlangten bis zu 50 Millionen Dollar für den Hin- und Rückflug eines US-Astronauten zur ISS. Aus diesem Grund hatte die Nasa eine vorzeitige Fertigstellung ihres neuen Raumschiffs angestrebt.

Die US-Weltraumbehörde will nun alles tun, um wenigstens diesen Zeitplan zu halten und "Orion" ein Jahr früher als geplant seine Flüge zur ISS aufnehmen zu lassen. Das sagte der für die Entwicklung zuständige Nasa-Vertreter Rick Gilbrech.

Kritiker: Sicherheit steht bei "Orion" nicht an erster Stelle

"Orion" ist vom Design her eine Rückkehr zu Altbewährtem: Wie früher beim "Apollo"-Programm werden die Astronauten wieder in einer Kapsel auf der Spitze einer Rakete sitzen und nicht seitlich am Haupttank zweier Raketen. Der Vorteil: Raumschiff und Besatzung können nicht von Bruchstücken getroffen werden, die sich beim Start von der Rakete oder ihrem Tank lösen. Teile der Schaumstoffisolierung des Haupttanks hatten die "Columbia" im Februar 2003 beim Start beschädigt und sie beim Wiedereintritt in die Atmosphäre auseinanderbrechen lassen. "Orion" soll im Jahr 2020 auch Astronauten zum Mond bringen.

Laut Hanley ist der vorläufige Design-Prozess von "Orion" noch immer im Gange, die Ingenieure mit hohem Einsatz bei der Sache. Ziel sei es, ein Raumschiff zu schaffen, das robust, zuverlässig und sicher sei. "Ich bin mit dem Fortschritt sehr zufrieden", sagte Hanley.

Der Manager musste sich massiver Kritik stellen: Nach Ansicht des Raumfahrtsicherheitskomitees ASAP wird bei der Planung von "Orion" nicht genügend an die Sicherheit gedacht. Zudem gebe es bei dem Projekt finanzielle Probleme. Auch die Führung sei nicht klar, hieß es in dem 143-seitigen Jahresbericht des Komitees. Die Nasa-Mitarbeiter seien "erstaunlich besorgt" über das Mondprogramm, hieß es in dem Bericht. Dem Projekt fehle "die klare Richtung".

Das Raumfahrtsicherheitskomitee wurde 1967 gegründet, nachdem die Astronauten Virgil Grissom, Edward H. White und Roger B. Chaffee bei einem Trainingsunfall an Bord ihrer Kapsel "Apollo 1" verbrannt waren. Das Komitee, dem zwei ehemalige Shuttle-Astronauten angehören, kritisierte insbesondere, dass bei der "Orion"-Kapsel für die Raumfahrer die Sicherheit nicht an erster Stelle stehe. Es sei vor allem auf das Gewicht geachtet worden. Im Gegensatz zu früheren Projekten, bei denen von Anfang an zusätzliche Sicherheitssysteme eingebaut wurden, würden diese nun erst nachträglich berücksichtigt. Wobei für jedes System belegt werden müsse, dass es die zusätzlichen Kosten und das Gewicht wert sei.

Hanley bestätigte die Vorgehensweise, betonte aber auch, dass das gesamt Vorhaben noch in der Planungsphase sei. "Wir können es nicht jedem recht machen. Wenn wir das versuchen würden, würde die Rakete nie starten."

lub/afp/AP

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