Shuttle-Start "Columbia" zu Forschungsmission aufgebrochen

Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen ist die US-Raumfähre "Columbia" ins All gestartet. Zu den Astronauten, die im Orbit zahlreiche Experimente vornehmen sollen, gehört erstmals ein Israeli.

Das Space Shuttle "Columbia" ist am Donnerstag zur ersten reinen Forschungsmission seit drei Jahren aufgebrochen. Der Start der US-Raumfähre um 16.39 Uhr MEZ vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida war von den bislang schärfsten Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Mit an Bord ist mit dem Luftwaffenoberst Ilan Ramon erstmals ein israelischer Astronaut.

Die siebenköpfige Besatzung soll in den kommenden 16 Tagen rund um die Uhr Forschung in der Schwerelosigkeit betreiben. An den insgesamt rund 80 Experimenten aus aller Welt ist auch die Europäische Weltraumagentur Esa mit medizinischen und physikalischen Studien sowie einem Versuch zur Satellitentechnik beteiligt. Die Instrumente sind in einem druckgeregelten Modul namens "Spacehab" untergebracht, das in der Ladebucht des Shuttle verankert und durch einen Tunnel mit der Mannschaftskabine verbunden ist.

Für einen israelischen Versuch soll der Anteil von Wüstenstaub in der Atmosphäre bestimmt werden, um Auswirkungen auf das Klima abschätzen zu können. Außerdem sind zahlreiche Versuchstiere von Bakterien über Würmer bis hin zu Ratten an Bord. Aus deutschen Labors stammen Fische und Wasserschnecken, die in einem speziellen Aquarium mitreisen. Um das Pensum bewältigen zu können, ist die Besatzung in zwei Teams eingeteilt, die in getrennten Schichten und verschiedenen Räumen arbeiten werden.

Der israelische Astronaut Ramon, der 48-jährige Sohn einer Auschwitz-Überlebenden, will mit seinem Flug nach eigener Auskunft dazu beitragen, dass seine Landsleute ihre Probleme wenigstens für kurze Zeit vergessen. Obwohl er selbst kein streng gläubiger Jude sei, wolle er im All ein Zeichen setzen. So wird er der erste Mensch im Orbit sein, der koschere Nahrung zu sich nimmt. In Gedenken der Opfer des Holocaust nimmt Ramon eine Mond-Zeichnung eines im Konzentrationslager ermordeten jüdischen Jungen mit an Bord.

Weil Ramon mitfliegt, hatte die US-Raumfahrtbehörde Nasa die ohnehin strikten Sicherheitsvorkehrungen noch weiter verschärft. Die weiträumige Absperrung des Luftraums durch Kampfjets trat diesmal drei Stunden früher in Kraft, um die Betankung der "Columbia" mit hochexplosivem Wasserstoff abzudecken. Auch die Presse erfuhr nicht, wann die Astronauten aus Houston in Cape Canaveral eintreffen sollten.

Shuttle-Kommandant Rick Husband erklärte, wegen der vielen Verspätungen sei die Crew nun wenigstens bestens auf ihre Mission vorbereitet. Ursprünglich war der Forschungsflug der "Columbia" für Juli 2001 geplant. Doch auf Grund technischer Probleme und Änderungen der Startreihenfolge zu Gunsten von Missionen zur Raumstation ISS musste der Start immer wieder verschoben werden.

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