Shuttlestart Hitzeschild der "Endeavour" beschädigt

Im sechsten Anlauf ist der Start der US- Raumfähre "Endeavour" endlich geglückt. Allerdings beschädigte erneut Isoliermaterial den Hitzeschild des abhebenden Shuttles. Die Nasa gibt sich vorerst gelassen und will weitere Untersuchungen abwarten.

Washington - Der Start in der beginnenden Dämmerung war besonders spektakulär: Viele Menschen verfolgten den Feuerschweif, während die "Endeavour" in den klaren Abendhimmel stieg. Die Raumfähre erreichte innerhalb von achteinhalb Minuten die Erdumlaufbahn.

"Endeavour" beim Start: Innerhalb von achteinhalb Minuten die Erdumlaufbahn

"Endeavour" beim Start: Innerhalb von achteinhalb Minuten die Erdumlaufbahn

Foto: A2800 epa Justin Dernier/ dpa

Das Shuttle war Mittwochabend (Donnerstagmorgen 0.03 Uhr MESZ) mit mehr als einem Monat Verspätung vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida ins All aufgebrochen. Die "Endeavour" soll den letzten Teil des japanischen Weltraumlabors "Kibo" zur Internationalen Weltraumstation (ISS) bringen. Am Freitag soll die Raumfähre an der Station ankoppeln.

Die Freude über den endlich gelungenen Start ins All wurde allerdings getrübt: Wie Bilder der Kontrollkameras zeigten, lösten sich beim Start der Raumfähre ungefähr ein Dutzend Teile der Isolierung eines Außentanks. Mindestens eins dieser Stücke habe nach Angaben eines Nasa-Sprechers das Shuttle getroffen und drei Einschläge auf dem Hitzeschild verursacht, berichtete die "New York Times" auf ihrer Web-Seite.

Abfallendes Isoliermaterial hatte 2003 das Unglück der Raumfähre "Columbia" ausgelöst. Dabei waren alle sieben Astronauten ums Leben gekommen. Die Schäden diesmal seien jedoch nur oberflächlich, sagte Nasa-Manager Bill Gerstenmaier. "Wir gehen davon aus, dass sie kein Problem für uns darstellen." Die Experten der Raumfahrtbehörde würden die Bilder des Shuttles nun erst einmal gründlich auswerten. Vor der Rückkehr zur Erde solle die "Endeavour" außerdem von den Astronauten untersucht werden.

"Eine Veranda im Weltall"

Hauptaufgabe während der 16-tägigen "Endeavour"-Mission ist, eine gut vier Tonnen schwere Logistikplattform an der Außenwand des japanischen Raumlabors Kibo anzubringen. Darauf sollen später Instrumente für Experimente im All verankert werden. "Eine Veranda im Weltall", nennt die Nasa die Plattform. Dort sollen etwa eine Röntgenkamera sowie Instrumente zur Untersuchung von kosmischem Staub installiert werden. Insgesamt sind für die Astronauten fünf Außeneinsätze geplant.

Ursprünglich hätte die "Endeavour" schon Anfang Juni zur ISS starten sollen. Wegen Lecks im Treibstofftank musste der Start aber zweimal verschoben werden, drei weitere Startanläufe wurden in den vergangenen Tagen wegen heraufziehender Gewitter kurzfristig abgebrochen. Jeder abgesagte Start kostete die Nasa nach eigenen Angaben etwa 700.000 Euro.

Die ständigen Startverschiebungen waren auch für den japanischen ISS-Bewohner Koichi Wakata zur Geduldsprobe geworden. Der 45-Jährige soll nun Ende Juli nach einem dreimonatigen Aufenthalt in der ISS mit der "Endeavour" zur Erde zurückkehren. Seinen Platz in der Raumstation wird Flugingenieur Tim Kopra einnehmen.

chs/dpa/AFP
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