Apollo-15-Mission Skandalbrief vom Mond floppt bei Versteigerung

Mindestens 22.000 Euro wollte ein Auktionator für einen Brief vom Mond. Doch niemand zahlte. Astronauten hatten ihn 1971 zum Erdtrabanten geschmuggelt - und nach der Rückkehr einen Skandal ausgelöst.

Schmuggelware vom Mond: Diesen Brief nahmen Astronauten mit auf die Apollo-15-Mission (Foto: Auktionshaus Eppli / dpa)
Auktionshaus Eppli/DPA

Schmuggelware vom Mond: Diesen Brief nahmen Astronauten mit auf die Apollo-15-Mission (Foto: Auktionshaus Eppli / dpa)


Mit der Aussicht auf ein lukratives Geschäft haben Astronauten Anfang der Siebziger hundert Briefe heimlich zum Mond geschickt. Ein Exemplar sollte nun versteigert werden. Das Startgebot von 22.000 Euro war dann aber wohl doch zu hoch, niemand schlug zu.

Das Auktionshaus Eppli, das die Mondbriefe am Freitag in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart versteigern wollte, hatte den Startpreis vorab als sportlich bezeichnet. Aber es handle sich um eine Weltrarität, sagte eine Sprecherin: "Es ist ein Stück Geschichte und einer der Briefe, der mit dem Skandal um die Mission verbunden ist."

Die drei Astronauten der Apollo-15-Mission, Davis Scott, Alfred Worden und James Irwin, hatten die frankierten Briefe ohne Genehmigung der US-Raumfahrtbehörde Nasa mit zum Mond und wieder zurück zur Erde genommen - und sich dafür nach allem, was man weiß, bezahlen lassen.

Das FBI kam nach Baden-Württemberg

Laut Auswertungen der Nasa hatte ein deutsch-amerikanischer Händler den Deal eingefädelt. Anschließend verkaufte er die Briefe an ein Briefmarkenunternehmen in Baden-Württemberg. Die Briefe tragen die Unterschriften der Astronauten und Stempel der Firma, die sie vor 48 Jahren gekauft hat. Auf den Briefmarken steht "First Man on the Moon" ("Erster Mann auf dem Mond"), obwohl die frühere Apollo-11-Mission die erste Crew auf den Erdtrabanten gebracht hat. Wie viel die Astronauten und der Händler mit dem Geschäft verdienten, sei bis heute unbekannt, so das Auktionshaus.

Der Vorfall löste einen Skandal bei der Nasa aus und stellte die Sicherheitsvorkehrungen für Flüge ins All infrage. Die drei Astronauten durften nach Bekanntwerden des Geschäfts an der nächsten Mission nicht mehr teilnehmen. Scott, Worden und Irwin hätten den Transport genehmigen lassen müssen; die Briefe zu verkaufen, war ihnen ohnehin verboten.

Auch das FBI untersuchte den Fall - und stattete dem Briefmarken-Unternehmen, das die Dokumente gekauft hatte, in Baden-Württemberg einen Besuch ab. Vollständig aufgeklärt werden konnte der Fall aber nie.

jme/dpa



insgesamt 11 Beiträge
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thobac 22.03.2019
1. Apollo 11 / 15
Nun, auf der Briefmarke "First Man on the Mooon" steht ja nicht, dass es sich dabei um Apollo 15 handelt. Insofern macht diese Anschuldigung keinen Sinn. Damals wusste ja noch jeder, dass es Apollo 11 war.
shalom-71 22.03.2019
2. Ungenau ...
Leider stimmen einige Aussagen im Bericht nicht. Und der Brieftyp ist schon seit etlichen Jahren ein schwieriges Spekuationsobjekt, weil es immer wieder mal Fälschungen gab. Das wurde wohl auch deshalb versucht, weil die NASA ja nie eine Echtheit bescheinigt hat oder bescheinigen würde.
rgw_ch 23.03.2019
3. Geschäftssinn
Wenn sie wenigstens in jeden Umschlag ein paar Bröckel Mondsand gefüllt hätten, dann wären die Dinger nach 50 Jahren Quarantäne vermutlich tatsächlich ein Vermögen wert. Aber einfach ein Umschlag, auf dem draufsteht, dass er mal auf dem Mond war, das ist ein wenig dünn.
danielstricker 23.03.2019
4. FBI macht „Besuch@ in Deutschland?
Entweder war es illegal oder die deutsche Regierung hat eigenmächtige Ermittlungen durch ein Drittland genehmigt. Beides wäre ein Skandal. Es sei denn, es handelt sich um einen Kolonialstaat, was in diesem Fall hinkommen könnte.
bauklotzstauner 23.03.2019
5.
Zitat von danielstrickerEntweder war es illegal oder die deutsche Regierung hat eigenmächtige Ermittlungen durch ein Drittland genehmigt. Beides wäre ein Skandal. Es sei denn, es handelt sich um einen Kolonialstaat, was in diesem Fall hinkommen könnte.
Hm.... Stichwort "Alliiertes Besatzungsrecht"? Was glauben Sie, warum die Bundesregerung bei der NSA-Nummer nie behauptet hat, wir würden nicht rundum ausspioniert, sondern sich auf die juristische Phrase verlegten, daß "die US-Dienste nicht gegen deutsches Recht verstoßen" hätten? Eben! Die Sonderrechte der USA sind formell deutsches Recht!
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