"SmallGEO" Deutsche Satellitenplattform fliegt ins All

Ein Bremer Unternehmen hat die Plattform für einen Kommunikationssatelliten gebaut. Nach mehreren Jahren Verzögerung soll das Gerät am Samstag ins All geschossen werden.

OHB/ DPA

Vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana soll in der Nacht zum Samstag eine Trägerrakete mit dem ersten Satelliten aus einer neuen Baureihe starten. Das Besondere: Gebaut wurde das Gerät mit deutscher Beteiligung. Mit ihm will die Industrie hierzulande verlorenen Einfluss im Weltraummarkt zurückerobern. Seit etwa drei Jahrzehnten ist in Deutschland kein Telekommunikationssatellit mehr gebaut worden.

"Wir waren da schon mal gut unterwegs, haben das aber ein bisschen verloren", sagt Gerd Gruppe, Vorstandsmitglied beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

"Hispasat 36W-1", wie der Satellit heißt, wurde vom Bremer Satellitenbauer OHB als öffentlich-private Partnerschaft mit dem spanischen Satellitenbetreiber Hispasat umgesetzt. OHB steuert die Satellitenplattform "SmallGEO" bei, die von der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa gefördert wird. Insgesamt flossen in das Projekt nach DLR-Angaben mehr als 300 Millionen Euro öffentliche Förderung, allein Deutschland steuerte rund 150 Millionen Euro bei.

Plattform und Nutzlast

Satelliten bestehen aus zwei Teilen, der Plattform und der Nutzlast. "Die Nutzlast ist das, was der Kunde will", erklärt Frank Bensch vom DLR. Also zum Beispiel Kommunikationstechnik, mit der ein Betreiber dann kostenpflichtige Dienste anbieten kann. Als Grundlage dafür braucht es die Plattform: das mechanische Gerippe, das etwa die Stromversorgung sicherstellt und die Position regelt.

"SmallGEO" ist eine Plattform für kleine geostationäre Satelliten mit einem Startgewicht von bis zu 3,5 Tonnen. Geostationäre Satelliten befinden sich in einer Höhe von etwa 36.000 Kilometer Höhe immer über dem gleichen Punkt der Erdoberfläche.

Entwicklung mit Verzögerung

Ursprünglich sollte der erste "SmallGEO"-Satellit schon 2012 ins All starten, doch es gab große Verzögerungen. "Ich muss zugeben, dass wir bei der Satellitenentwicklung die ein oder andere Lektion lernen mussten", sagt Andreas Lindenthal, Vorstand von OHB. Es habe länger gedauert als gedacht, technische Probleme zu lösen.

Das Unternehmen will mit den kleineren Satelliten eine Marktlücke besetzen. Der Großteil der aktuell hergestellten geostationären Telekommunikationssatelliten seien große Geräte mit einem Gewicht von um die sechs Tonnen. Kleinere Satelliten machen laut Unternehmen nur etwa 20 Prozent des Marktes aus. OHB hofft, dass es doppelt so viele werden.

Leichtgewichte mit voll-elektrischem Antrieb

Hintergrund ist die Entwicklung von voll-elektrischen Antrieben, die das Treibstoffgewicht in Zukunft deutlich reduzieren sollen. Damit könnten Satelliten bei gleichem Gewicht mehr Nutzlast transportieren, bei "SmallGEO" wären das etwa 900 statt derzeit 450 Kilogramm. Die elektrische Variante soll 2021 erstmals starten. Das ist auch deshalb interessant, weil kleinere Satelliten kleinere Trägerraketen brauchen. Allerdings benötigen Elektro-Satelliten länger für den Flug zum Zielorbit.

Die Chefin der Telekommunikations-Abteilung der Esa, Magali Vaissière, begründet Entwicklungs-Partnerschaften wie bei "SmallGEO" auch mit dem Wettbewerb aus den USA. Da es in Europa kein Gegenstück zu den hohen Forschungs- und Entwicklungsausgaben des US-Verteidigungsministeriums gebe, müssten öffentlicher und privater Sektor zusammenarbeiten. "Satellitenkommunikation ist der Wirtschaftsmotor des Raumfahrtsektors", sagt sie.

jme/dpa



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