Smart-1-Mission Ionenstrahl-Sonde erreicht den Mond

Heute Nacht hat die europäische Sonde "Smart-1" das Schwerefeld des Mondes erreicht. Das Raumschiff mit Ionenstrahlantrieb soll den Mond umkreisen und fotografieren, seine Mineralien erforschen und das Geheimnis des Polar-Eises lüften.


Sonde "Smart-1": "Europa hat den Mond erreicht"
ESA

Sonde "Smart-1": "Europa hat den Mond erreicht"

Letztlich ging alles viel schneller als gedacht. Der neuartige Ionenantrieb der Sonde "Smart-1" funktionierte besser, als die Esa-Wissenschaftler sich erhofft hatten. So konnte das Leitzentrum bereits heute Nacht das Einbiegen in eine Mondumlaufbahn vermelden - obwohl es ursprünglich erst einige Wochen später stattfinden sollte.

"Europa hat den Mond erreicht, wir befinden uns in einem Orbit", sagte der Esa-Chefwissenschaftler David Southwood nach dem geglückten Manöver. Am Montag hatte die Sonde ihren Antrieb gestartet, um sich vom Schwerefeld des Mondes einfangen zu lassen. Der Antrieb soll bis Donnerstag weiter feuern, so dass sich "Smart-1" in immer enger werdenden Ellipsen der geplanten Umlaufbahn um den Mond nähern kann.

Der bislang erfolgreich verlaufene Flug gilt als großer Erfolg für den solarelektrischen Antrieb der Sonde. Er beruht auf dem Rückstoß von Xenon-Ionen. 72 Kilogramm des Edelgases füllen den Treibstofftank. Die Energie zur Beschleunigung der Ionen stammt aus den Solarzellen. Zwar ist der Rückstoß nur sehr gering, weil er jedoch nahezu kontinuierlich zur Verfügung steht, lassen sich damit trotzdem hohe Geschwindigkeiten erreichen, ohne konventionelle Treibstoffe mitnehmen und verbrennen zu müssen. Deshalb gilt der Ionenstrahlantrieb als mögliche Technik für Langzeitmissionen, etwa Flüge zum Mars.

Immer engere Ellipsen: "Smart-1" nähert sich der endgültigen Umlaufbahn
ESA

Immer engere Ellipsen: "Smart-1" nähert sich der endgültigen Umlaufbahn

"Smart-1" ist jedoch weit mehr als nur eine Machbarkeitsstudie für neue Antriebstechnik. Die Sonde soll die Landschaft des Mondes vermessen und Mineralien auf der Oberfläche untersuchen. Ein spezielles Röntgenspektrometer an Bord kann chemische Elemente identifizieren.

Mit Hilfe eines Infrarot-Spektrometers soll das Rätsel des Polareises gelüftet werden: Amerikanische Forscher hatten mit einer anderen Sonde über dem Mondsüdpol Wasserstoff ausgemacht. Möglicherweise könnten dort Eisreste aus früheren Kometeneinschlägen lagern. Auch die Schattenbereiche einiger Südpolkrater wollen die Esa-Forscher genauer untersuchen.



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