"Sojus"-Absturz Esa-Chef fordert schnelle Aufklärung

Mehr als 100 Millionen Euro Schaden könnte der Absturz einer russischen "Sojus"-Rakete in dieser Woche verursacht haben. Nun will Europas Raumfahrtchef Jean-Jacques Dordain kurzfristig Informationen von den Russen. Wichtige Entscheidungen stehen an.

DDP

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Berlin - Der Chef der Europäischen Weltraumorganisation (Esa), Jean-Jacques Dordain, verlangt nach dem Absturz einer "Sojus"-Rakete schnelle Aufklärung von Russland. Er habe dem Chef der Weltraumagentur Roskosmos, Wladimir Popowkin, einen Brief geschrieben, sagte Dordain im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Ich habe ihn gebeten, mir seine Einschätzung der Lage mitzuteilen." Er erwarte bis zum 8. September eine Antwort, so Dordain weiter.

Schon einen Tag später soll nämlich am Weltraumbahnhof Kourou in Französisch Guyana die Betankung einer "Sojus"-Rakete beginnen. Diese soll Ende Oktober zwei Satelliten des europäischen Navigationssystems "Galileo" ins All bringen. Eigentlich. Doch wird der Termin zu halten sein? Einstweilen halte man am geplanten Starttermin fest, sagte der Esa-Chef. Nun seien aber die Russen bei der Fehlersuche gefragt.

Die Europäer müssten alle wichtigen Informationen ebenfalls erhalten. "Wir brauchen Transparenz", forderte Dordain. Aus seiner Sicht habe die russische Raumfahrtindustrie aber kein systematisches Qualitätsproblem. "Ich bin sicher, dass die Russen den Fehler finden und ihn beheben werden", gab sich Dordain optimistisch. Bei früheren "Sojus"-Problemen hätten gerade einmal 40 Tage zwischen der Entdeckung und dem nächsten erfolgreichen Raketenstart gelegen, sagte der Esa-Chef.

"Das werden wir uns ansehen müssen"

Wann der nächste "Sojus"-Start stattfinden wird, weiß aktuell aber noch niemand. Nach dem Crash von "Progress M-12M" und den vorherigen Pannen bei "Proton-M"-Raketen werden derzeit alle russischen Raketensysteme überprüft. Eine Verzögerung der geplanten "Sojus"-Starts ist deswegen nicht unwahrscheinlich. Die Nachrichtenagentur "Interfax" berichtet von dem Plan, die Kosmonauten Anton Schkaplerow und Anatol Iwanischin sowie ihren US-Kollegen Dan Burbank mindestens bis zum 22. September auf der Erde warten zu lassen. Im Gegenzug würden Andrej Borissenko, Alexander Samokutjajew und der Astronaut Ronald Garan länger auf der Internationalen Raumstation (ISS) bleiben.

Für die Europäer ist wichtig, wann und wie der Niederländer André Kuipers zur ISS kommt. Er sollte eigentlich Ende November starten. "Das werden wir uns ansehen müssen", sagte Esa-Chef Dordain nun. Für die bemannten "Sojus"-Missionen wird dieselbe Technik genutzt, die am Mittwoch versagt hat. Das Problem war in der Oberstufe der Rakete aufgetreten. Dadurch hatte die "Sojus" den "Progress"-Raumtransporter nicht auf der geplanten Umlaufbahn abgeliefert. Stattdessen war das Fluggerät zur Erde zurückgestürzt. Was nicht in der Atmosphäre verbrannte, landete in den Wäldern des Altaigebirges.

Die Russen sind doppelt geschädigt. Sie müssen zum einen das Vertrauen ihrer Partner in die bisher extrem verlässliche Technik wieder herstellen. Der "Sojus"-Absturz hat aber auch direkte Kosten verursacht. Nach russischen Schätzungen geht es um einen Schaden von mehr 100 Millionen Dollar. Mit dieser Zahl zitiert die Nachrichtenagentur "Interfax" einen ungenannten Manager aus der Weltraumindustrie. Bei der genannten Summe seien auch die Kosten für 367 Kilogramm Fracht aus den USA enthalten, die für das amerikanische Modul der Internationalen Raumstation vorgesehen waren.

Aktuell sind die russischen "Sojus"-Transporter der einzige Weg, Menschen zur Internationalen Raumstation und zurück zu bringen. Fracht können Europäer und Japaner im kommenden Jahr wieder mit ihren unbemannten Transportern "ATV" und "HTV" transportieren.

Mit Material von dpa

insgesamt 4 Beiträge
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Markus Landgraf 27.08.2011
1. Welcher Motor
Zitat von sysopMehr als 100 Millionen Euro Schaden könnte der Absturz einer russischen "Sojus"-Rakete in dieser Woche verursacht haben. Nun will Europas Raumfahrtchef Jean-Jacques Dordain kurzfristig Informationen von den Russen. Wichtige Entscheidungen stehen an. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,782751,00.html
Hallo Raumfahrer, mir ist nicht ganz klar, ob der Motor in der 3. Stufe ein RD-0110 oder ein RD-0124 war. Kann mir jemand weiter helfen? Ad astra!
vostei 27.08.2011
2. -
Zitat von Markus LandgrafHallo Raumfahrer, mir ist nicht ganz klar, ob der Motor in der 3. Stufe ein RD-0110 oder ein RD-0124 war. Kann mir jemand weiter helfen? Ad astra!
Es war eine Sojus U mit dem RD-0110 als 3. Stufe.
Markus Landgraf 28.08.2011
3.
Zitat von vosteiEs war eine Sojus U mit dem RD-0110 als 3. Stufe.
Dankeschön
frank4979 28.08.2011
4. Mir ist nicht ganz klar,
warum der ESA Chef eine schnelle Einschaetzung bis zum 08.09.2011 anfordert, wenn seine eigene Organisation fuer das betanken einer Rakete vom 09.09.2011 bis ca. Ende Oktober benoetigt? Vielleicht sollten die Russen besser mal bei der ESa nachfragen, ob die wissen was sie tun.
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