"Sojus"-Notlandung Raumfahrer mussten achtfache Erdbeschleunigung aushalten

Die Rückkehr der "Sojus"-Kapsel von der Internationalen Raumstation verlief anders als geplant: Zwei russische Kosmonauten und ein Raumfahrer aus Malaysia landeten weit entfernt vom geplanten Ziel - und wurden heftig durchgerüttelt. Schuld war offenbar ein Computerfehler.


Berlin/Moskau - Das Raumschiff "Sojus TMA-10" ist möglicherweise dicht an einem Unglück vorbeigeschrammt. Die tonnenschwere Kapsel mit den beiden russischen Kosmonauten Fjodor Jurtschichin und Oleg Kotow sowie dem ersten Astronauten Malaysias, Sheikh Muszaphar Shukor, musste am Sonntag in der kasachischen Steppe notlanden. Sie ging um 12.39 Uhr deutscher Zeit rund 200 Kilometer vor dem geplanten Landeplatz bei der Stadt Arkalyk nieder.

Wie Moskauer Nachrichtenagenturen berichteten, überstand die Besatzung die Notlandung unbeschadet. Die Männer seien geborgen worden und wohlauf, wird ein Sprecher des Flugleitzentrums (FLZ) in Koroljow bei Moskau zitiert. Für die Besatzung habe keine Lebensgefahr bestanden. Die Ursache für die Havarie sei noch nicht bekannt.

Den Agenturen zufolge ist das Raumschiff mit Hilfe einer "Reservevariante" zur Erde zurückgekommen. Nach Öffnung des Fallschirms sei das plötzliche Kommando erfolgt, die Kapsel auf eine ballistische Abstiegsbahn zu bringen. Schuld war offenbar ein Computerfehler, wie ein Sprecher des Kontrollzentrums sagte. Dadurch sei die Flugbahn der Kapsel steiler als geplant verlaufen.

Kosmonauten kräftig durchgeschüttelt

"Das ist ein seltener Fall", kommentierte ein FLZ-Experte das Geschehen. Das habe es nur einmal im Jahr 2003 bei der Landung von "Sojus TMA-1" gegeben. Damals sei das Ziel um 460 Kilometer verfehlt worden. "Sojus TMA-10" sei von den Bergungsmannschaften, die eilig an den neuen Landeort beordert worden seien, auf der Seite liegend vorgefunden worden.

Das ist allerdings bei den Russen keine Seltenheit. Wird der Landefallschirm beim Auftreffen der Kapsel nicht rechtzeitig ausgeklinkt, kann sie bei starkem Wind durch die Steppe geschleift werden und auf die Seite kippen. Dabei werden die Besatzungsmitglieder kräftig durchgeschüttelt und müssen nicht selten von den Bergungsmannschaften in ihren Sicherheitsgurten hängend befreit werden.

Bei einer ballistischen, das heißt ungesteuerten Landung, sind die Kosmonauten kurzzeitig der acht- bis neunfachen Erdbeschleunigung ausgesetzt. Bei einer gesteuerten Landung werden die Raumfahrer dagegen nur mit dem Drei- bis Vierfachen ihres eigenen Gewichts in Sitze und Gurte gepresst. Darauf werden alle Raumfahrer im Training vorbereitet. Allerdings dürfte für Jurtschichin und Kotow, die seit April rund 200 Tage in der ISS arbeiteten, die Überbelastung am Ende ihrer langen Dienstreise eine besondere körperliche Herausforderung gewesen sein.

Shukor, der am 10. Oktober mit der neuen Stammbesatzung Juri Malentschenko (Russland) und Peggy Whitson (USA) zur Station gestartet war und dort eine Woche lang geforscht hatte, dürfte die Überbelastung dagegen leichter weggesteckt haben.

Unmittelbar nach der Bergung sprach der Chef der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos, Anatoli Perminow, per Handy mit den Männern. Er beglückwünschte die Besatzung zur "erfolgreichen Landung" und dankte ihnen für die "ausgezeichnete Arbeit".

Gerhard Kowalski, ddp

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