Seltenes Himmelsphänomen Astronomen erwarten Sonnenfinsternis in Südamerika

Nur 68 totale Sonnenfinsternisse wird es im 21. Jahrhundert geben. Am Dienstag ist in Südamerika eine davon für wenige Stunden zu sehen. Von Europa aus lässt sich das Spektakel online beobachten.

Totale Sonnenfinsternis vom 20. März 2015 fotografiert von einem Satelliten
ESA/ ROB/ esa/ DPA

Totale Sonnenfinsternis vom 20. März 2015 fotografiert von einem Satelliten


Hunderttausende Menschen in Südamerika fiebern einem Spektakel am Himmel entgegen: Eine totale Sonnenfinsternis wird am Dienstag in Teilen von Chile und Argentinien zu sehen sein.

Dabei schiebt sich der Mond zwischen Erde und Sonne und verdunkelt damit die Sonne. Der Schatten des Mondes trifft am Nachmittag (Ortszeit) zunächst nahe der Stadt La Serena auf die chilenische Pazifikküste, zieht dann in südöstlicher Richtung weiter über die argentinischen Provinzen San Juan, La Rioja, San Luis, Córdoba und Santa Fe und verschwindet schließlich südlich der Hauptstadt Buenos Aires im Atlantik.

Entlang der Route werden etliche Tausend Schaulustige erwartet. Allein in der argentinischen Provinz San Juan rechnet das Tourismusministerium mit 30.000 Besuchern, darunter 9000 Touristen. "Wir haben schon seit zwei Jahren Hotelreservierungen von Hobby-Astronomen aus den Niederlanden, den USA und Japan", sagte Tourismusminister Roberto Juárez der Zeitung "Clarín".

La-Silla-Observatorium der Europäische Südsternwarte: Perfekter Blick auf den Himmel
Martin BERNETTI/ AFP

La-Silla-Observatorium der Europäische Südsternwarte: Perfekter Blick auf den Himmel

"Das Wichtigste ist das Wetter"

Auch viele Wissenschaftler kommen nach Argentinien, um die Sonnenfinsternis zu beobachten. "Das Wichtigste ist das Wetter. Wenn es bewölkt ist, können wir nichts sehen, aber in San Juan ist der Himmel fast immer klar", sagte der südkoreanische Astronom Su-Chan Bong der Zeitung "Diario de Zonda". In der Atacama-Wüste in Chile rechnen die Behörden mit 50.000 Besuchern. Einige werden die Sonnenfinsternis vom La-Silla-Observatorium der Europäische Südsternwarte beobachten.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern will kein Risiko eingehen und wird auf Einladung der National-Geographic-Gesellschaft die Sonnenfinsternis aus der Luft - vom Flugzeug aus - beobachten. "So sind wir sicher, dass nichts den Blick versperrt und wir die Sonnenfinsternis sehen können", sagte die chilenische Astronomin María Teresa Ruiz. Das Flugzeug soll rund 11.000 Meter aufsteigen, um den Wissenschaftlern einen perfekten Blick auf das Himmelsspektakel zu ermöglichen.

Von Europa aus lässt sich die Sonnenfinsternis online verfolgen. Die amerikanische Weltraumbehörde Nasa plant einen Livestream, der am Dienstagabend um 22.00 Uhr unserer Zeit beginnt.

Obwohl die Sonne während der Finsternis vom Mond verdeckt wird, kann ein direkter Blick in den Himmel den Augen schaden. Die Organisation Astronomen ohne Grenzen (AWB) hat nach der letzten Sonnenfinsternis 2017 in den USA rund fünf Millionen Schutzbrillen eingesammelt und will nun einen Teil davon in Chile und Argentinien verteilen.

Auch im Großraum Buenos Aires werden bei gutem Wetter Millionen Menschen die Sonnenfinsternis sehen können - allerdings nur ganz kurz. Wenn der Mondschatten am frühen Abend den Ballungsraum am Río de la Plata erreicht, wird die Sonnenfinsternis nur noch für eine knappe Minute zu sehen sein. Kurz danach geht die Sonne unter.

jme/dpa



insgesamt 3 Beiträge
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swandue 01.07.2019
1.
Da denke ich mir gerade: Kommt das auch (sehr selten) mal vor, dass eine Sonnenfinsternis nur aus der Luft zu beobachten ist? Der Kernschatten des Mondes verfehlt die Erde knapp, aber wenn min 10.000 Meter hoch fliegt, dann steht der Mond voll vor der Sonne?
schwerpunkt 02.07.2019
2.
Zitat von swandueDa denke ich mir gerade: Kommt das auch (sehr selten) mal vor, dass eine Sonnenfinsternis nur aus der Luft zu beobachten ist? Der Kernschatten des Mondes verfehlt die Erde knapp, aber wenn min 10.000 Meter hoch fliegt, dann steht der Mond voll vor der Sonne?
Das ist theoretisch denkbar, kommt aber praktisch nicht vor, da der Mond selbst auch keine exakte Kugel ist. Die Vergrößerung des scheinbaren Monddurchmessers in 10km Höhe ist derart gering, dass es im Endeffekt auf Grund der unregelmäßigen Form des Mondes (Berge am Terminator) nicht von "ringförmig" zu "total" gehen kann, da ansonsten immer noch zumindest die sogenannte "Perlenschnur" zu sehen wäre. Das ist ein Effekt der exakt im Moment erreicht wird, wenn die Sofi einsetzt, bzw. beendet wird, wenn die Sonne noch durch die Täler scheint. Und in diesem Fall hätte die beinahe-Totalität nur die Dauer von Sekunden.
barklug 02.07.2019
3. Live is live!
Wer schon mal eine live gesehen hat, wird sich das wohl kaum im Netz angucken. Ich erinnere mich noch an die letzte totale Sonnenfinsternis in D. Der Himmel war leicht bewölkt, ein wundervolles Schauspiel des Lichtes. Wir waren total bekifft und haben archaische Tänze und Geräusche gemacht, war bestimmt auch sehenswert. Nun ist das alles vorbei, kein Geld für Südamerika, kein Kiff weil Führerschein Weg - früher war alles besser :-D
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