Augenschutz Sonnenfinsternis-Brillen sind alle. Und nun?

Ein paar Quadratzentimeter Spezialfolie, ein bisschen Pappe - eigentlich sind Spezialbrillen für die Sonnenfinsternis ein eher simples Produkt. Doch deutschlandweit sind sie beinahe ausverkauft. Hier ist die Alternative.
Augenschutz: Sonnenfinsternis-Brillen sind alle. Und nun?

Augenschutz: Sonnenfinsternis-Brillen sind alle. Und nun?

Foto: Ian Hitchcock/ Getty Images

Alle haben gepennt, wirklich alle. Dass am Freitagvormittag eine partielle Sonnenfinsternis am Himmel über Deutschland zu bewundern ist, kann niemanden überraschen. (Alles, was Sie zum Thema wissen müssen, finden Sie hier.) Das Himmelsphänomen lässt sich für Hunderte von Jahren im Voraus berechnen. Und doch stellen die allermeisten Deutschen wenige Stunden vor dem Ereignis fest: Huch, ich habe ja gar keine Brille.

Dabei ist die extrem wichtig, um keine Augenschäden zu riskieren. Ansonsten drohten "irreparable Netzhautschäden, im schlimmsten Fall sogar Erblindung", warnt Christian Ohrloff von der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft. Die Netzhaut könne "regelrecht verbrennen".

Im Klartext: Wer längere Zeit ohne Brille auf die Sonnensichel schaut, riskiert lebenslange Sehprobleme. Auch McGyver-mäßige Lösungen wie rußgeschwärzte Glasscheiben oder CDs vor den Augen können das nicht verhindern. Richtig dramatisch wird es, wenn man mit ungeschützten Augen durch ein Fernglas oder Teleskop schaut. Hier ist unbedingt ein Filter nötig, gewissermaßen eine große Version der Schutzbrille.

Dumm nur, dass es im ganzen Land kaum noch Filterfolie oder Brillen gibt. Weil, wie gesagt, alle gepennt haben. Viele Anbieter haben die Nachfrage unterschätzt. Große Optikerketten, wie Fielmann oder Apollo Optik, haben von vornherein gleich gar keine Brillen bestellt. Aus Sicherheitsgründen, wie sie sagen. Fielmann-Sprecher Matthias Branahl: "Die von uns getesteten Sonnenfinsternisbrillen entsprechen nicht unserem Anspruch."

So wird das Wetter: SoFi-Beobachtungswahrscheinlichkeit in Prozent

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Foto: SPIEGEL ONLINE

Also stehen die Menschen jetzt ganz ohne Brillen da - oder decken sich zu horrenden Preisen bei Online-Auktionshäusern ein. Da verhökern gerade all die Leute ihre Ausrüstung, die bei der Sonnenfinsternis 1999 ein bisschen aufgepasst haben. Der Autor dieses Textes gehört übrigens nicht dazu. Er hat seine Brille irgendwann vertrödelt - wie Sie womöglich auch.

Besonders groß scheint die Panik angesichts fehlender Schutzbrillen an den Schulen zu sein. Vielerorts werden Schüler ohne Brille keine Chance haben, die Finsternis im Freien zu verfolgen. Im Netz kursieren Briefe wie der einer Münsteraner Schule. Darin wird den Eltern versichert, dass die Kinder auf keinen Fall auf den Hof dürften. Man werde "die Fenster mit Gardinen verschließen" - damit "kein Kind von diesen Lichtstrahlen bestrahlt werden kann". Auch vor dem Hintergrund naturwissenschaftlicher Bildung sind solche Sätze in vielfacher Hinsicht traurig.

Alternativen zur Schutzbrille

Was also tun? "Man bekommt nur noch vereinzelt Brillen in den Geschäften", sagte Hans Hopf vom Innungsverband der bayerischen Optiker schon am Mittwoch. Inzwischen dürfte sich die Lage nicht gebessert haben. Ein Weg ist, die Sonnenfinsternis über das Display des Handys zu verfolgen - mit dem Rücken zur Sonnensichel, die Frontkamera des Mobiltelefon über die Schulter gehalten. Das ist zumindest ungefährlich für die Augen.

Allzu befriedigend ist aber auch diese Lösung nicht - weil die Sonne nur recht klein zu sehen ist. "Wir bekommen ständig Anfragen nach Alternativen", sagt Kai Noeske vom Haus der Astronomie in Heidelberg. Und er hat auch eine Idee: "Man kann in zwei Minuten eine Lochkamera aus einem Karton und einem Stück Butterbrotpapier basteln", sagt Noeske. Mit der lasse sich dann bequem und gefahrlos die Sonne beobachten.

Hier also die Bauanleitung  für die Lochkamera vom Haus der Astronomie:

Loch-Kamera im Praxiseinsatz: Eigenwilliges Aussehen, gefahrloser Blick

Loch-Kamera im Praxiseinsatz: Eigenwilliges Aussehen, gefahrloser Blick

Foto: Olaf Fischer

  • Man braucht: einen langen Karton, am besten einen Meter oder mehr. Auf einer Seite schneidet man die Wand heraus und klebt an ihre Stelle mattes, halbtransparentes Material: Butterbrotpapier, oder Durchpauspapier zum Beispiel. Oder matte Plastikfolie, aus der Dokumentenhüllen oft gemacht sind.

  • Auf der anderen Seite piekst man ein kleines Loch rein, am besten einen Millimeter oder weniger, auf jeden Fall weniger als zwei. Fertig ist die Kamera, Bauzeit etwa zwei Minuten.

  • Diesen Kasten hält man dann mit dem kleinen Loch Richtung Sonne, auf dem matten Schirm sieht man deren Abbild. Am besten hängt man ein dunkles Tuch über Kamera und Beobachter, das schützt auch vor dem versehentlichen Blick in die Sonne.

  • Es gilt die Faustregel: Je kleiner das Loch, desto schärfer das Bild. Je länger der Karton, desto größer das Bild: ein ein Meter langer Karton gibt etwa ein Sonnenbild von ein Zentimeter Durchmesser, ein anderthalb Meter langer ein anderthalb Zentimeter großes Bild - und so weiter.

  • Man kann auch eine lange Papp- oder Plastikröhre nehmen. Dazu klebt man das matte Material auf eine Öffnung, die andere wird mit einem lichtdichten Deckel verschlossen. In den sticht man dann das kleine Eintrittsloch.

Für größere Menschengruppen bietet sich übrigens eine Spiegelprojektion an, wie sie zum Beispiel die Westfälische Volkssternwarte und das Planetarium Recklinghausen hier  beschreiben. Fazit: SoFi-Brillen sind tatsächlich alle. Aber vielleicht ist das doch nicht so schlimm.

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Mit Material von dpa