Himmelsspektakel Deutscher Amateurfunker fotografiert Sonnenfinsternis - vom Mond aus

Die Sonnenfinsternis Anfang Juli war in Deutschland nicht zu sehen. Einem Funker aus Schleswig-Holstein gelang trotzdem eine spektakuläre Aufnahme - mit Hilfe eines chinesischen Satelliten.
Reinhard Kühn lud die Aufnahme von einem chinesischen Satelliten runter

Reinhard Kühn lud die Aufnahme von einem chinesischen Satelliten runter

Foto: Harbin Institute of Techology/ CAMRAS/ DK5LA/ DPA

Reinhard Kühn lebt im schleswig-holsteinischen Sörup, er ist 70 Jahre alt, arbeitete als Banker, und in seinem Garten steht eine riesige Antenne - mehr als 13 Meter hoch, zehn Meter breit, selbst gebaut. Wozu er die braucht? Kühn ist leidenschaftlicher Amateurfunker.

Mit seiner Anlage ist ihm ein besonderer Clou geglückt: Er hat die Sonnenfinsternis Anfang Juli vom Mond aus fotografiert, wie die "Bild"- Zeitung berichtet. Das Foto zeigt im Vordergrund die von Kratern zerklüftete Rückseite des Mondes und im Hintergrund die Erde mit einem schwarzen Fleck links oben - die Sonnenfinsternis über dem Pazifik bei Chile.

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Sonnenfinsternis: Zwei Minuten Dunkelheit mitten am Tag

Foto: Cristobal Escobar/Agencia Uno/dpa

Wie Kühn die spektakuläre Aufnahme gelungen ist? Er ist technisch so gut ausgestattet, dass er offiziell mit China bei Raumfahrtprogrammen zusammenarbeitet. "Die haben festgestellt, dass sie jemanden brauchen, wenn in China der Mond nicht mehr sichtbar ist", sagt Kühn.

Das Problem: Weil sich die Erde dreht, verliert China immer wieder zeitweise den Funkkontakt zu Satelliten. Funkstationen in anderen Teilen der Erde wie die von Kühn übernehmen dann kurzzeitig die Steuerung. Kühn hatte in dieser Funktion auch bei der Landung der chinesischen Sonde "Chang'e 4" auf der Rückseite des Mondes geholfen.

Kühn bekam aus China regelmäßig digitale Datenbanken mit Befehlen, über die er den chinesischen Satelliten "Longjiang 2" steuern konnte. Der Satellit hatte die Sonnenfinsternis am 2. Juli aufgenommen, den Befehl zum Download des Bildes hatte Amateurfunker Kühn den Kommandos der Chinesen beigefügt.

Satellit inzwischen zerschellt

Das Foto wurde dann über das Dwingeloo-Radioteleskop in den Niederlanden und von chinesischen Stationen empfangen. Tammo Jan Dijkema von der Camras-Stiftung, die das Dwingeloo-Radioteleskop betreibt, bestätigte den Download. Er habe das Teleskop bedient, als das Foto vom Satelliten heruntergeladen wurde. Die Rechte an dem Bild hat sich Kühn verdient - mit seinem Rufzeichen DK5LA steht er darunter.

Inzwischen macht der Satellit "Longjiang 2" keine Bilder mehr. Er ist geplant auf der Oberfläche des Mondes zerschellt, um Weltraumschrott zu vermeiden.

koe/dpa