Sonnensystem Astronomen finden neuen Mars-Trojaner

Treuer Begleiter: In der Mars-Umlaufbahn haben Forscher einen Asteroiden entdeckt. Der Felsbrocken folgt dem Planeten vermutlich schon seit mehr als vier Milliarden Jahren auf seiner Bahn um die Sonne.


London - Trojaner gibt es nicht nur auf PCs, sondern auch im Sonnensystem. In der Umlaufbahn des Roten Planeten haben Astronomen nun bereits den vierten Trojaner entdeckt - kleine Felsbrocken, die sich gemeinsam mit dem Mars in dessen Umlaufbahn um die Sonne bewegen. Der Planet habe die Asteroiden wohl bereits vor 4,5 Milliarden Jahren eingefangen, sagte Alessandro Morbidelli vom Observatorium der Côte d'Azur in Nizza dem Onlinedienst der populärwissenschaftlichen Zeitschrift "New Scientist".

Roter Planet: Der Mars ist nicht allein. Derzeit sind vier Begleiter an seinen Lagrange-Punkten bekannt
NASA / ESA

Roter Planet: Der Mars ist nicht allein. Derzeit sind vier Begleiter an seinen Lagrange-Punkten bekannt

Entdeckt wurde der auf den Namen 2007 NS2 getaufte Asteroid vom Observatorium im spanischen La Sagra aus. Der Himmelskörper hat einen Durchmesser von etwa einem Kilometer und folgt dem Mars in dessen Bahn in einem Winkel von 60 Grad. Er befindet sich gemeinsam mit zwei anderen Trojanern am sogenannten Lagrange-Punkt fünf (L5). An diesen Punkten verschwinden die effektiven Gravitationskräfte von Sonne und Mars: Unter Berücksichtigung der Zentrifugalkraft heben sie sich gegenseitig auf.

Am Lagrange-Punkt L4 eilt dem Mars ein weiterer, bereits bekannter Trojaner in einem Winkel von 60 Grad voraus. Die Lagrange-Punkte L4 und L5 sind stabil, weshalb die Felsbrocken ihren Mutterplaneten mehrere Milliarden Jahre lang als zuverlässige Begleiter erhalten bleiben. Wie sie dahin kamen, erklären Forscher sich so: Vor etwa 4,5 Milliarden Jahren taumelte der Rote Planet durchs noch junge Sonnensystem, fand gerade zu einer stabilen Umlaufbahn und nahm die Himmelskörper mit, die sich an seinen Lagrangepunkten befanden.

Stabil oder nicht?

Trojaner sind im Sonnensystem bislang nur von Neptun und Jupiter bekannt, der sogar von mindestens 2200 kleinen Asteroiden begleitet wird. Die Erde hat nach heutigem Wissensstand keinen solchen stabilen Begleiter. Allerdings gibt es sogenannte koorbitale Asteroiden, die der Erde auf einem Schlingerkurs bei ihrer Bewegung um die Sonne folgen. Diese Konstellationen sind jedoch instabil und deshalb nicht von längerer Dauer.

Astronomen wollen an den Lagrangepunkten L1 und L2 der Erde, die sich im Unterschied zu L4 und L5 vergleichsweise nahe an unserem Planeten liegen, sogar Satelliten platzieren. Das "James Webb Space Telescope", dessen Start 2013 vorgesehen ist, soll am Punkt L2 positioniert werden. L2 liegt von der Sonne aus gesehen genau hinter der Erde.

An L1, gelegen zwischen Erde und Sonne, planen Forscher der University of Arizona ein besonders großes Gebilde. Rund 16 Billionen transparente Kunststoffscheiben von 60 Zentimetern Durchmesser und nur einem Gramm Gewicht sollen im Schwarm zwischen der Erde und der Sonne fliegen. Sie könnten 1,8 Prozent des Sonnenlichts ablenken, das andernfalls auf die Erde treffen würde, und so den Klimawandel stoppen oder zumindest abmildern, glauben die Wissenschaftler. Der Sonnenschirm aus kosmischem Konfetti soll 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt schweben, wo er relativ zu Sonne und Erde an einer fixen Position verharren würde. Ewig wird dieser Schirm allerdings nicht halten, denn L1 ist wie L2 nicht stabil - im Unterschied zu L4 und L5.

hda/ddp



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