Sowjet-Raumfähre "Buran" Rollt ein Raumschiff durch Speyer
Wie eine riesige Amphibie liegt sie im Naturhafen der idyllischen Kleinstadt Speyer - 36 Meter lang, 24 Meter breit. Sie lässt ihren weißen Rumpf mit der schwarzen Zeichnung im gleißenden Sonnenlicht aufblitzen. Auch der Name passt: "Buran". So könnte in der Tat ein Tier heißen. "Buran" aber ist eine Raumfähre - ein Relikt des Kalten Krieges, aus den glorreichen Zeiten des sowjetischen Raumfahrtprogramms. Als Symbol der All-Macht des kommunistischen Imperiums sollte es den amerikanischen Space-Shuttle die Stirn bieten.
Willkommen in Speyer: Im Schritttempo rollte "Buran" durch die Stadt.
Foto: APDer "Schneesturm" - so lautet der Name der Raumfähre aus dem Russischen übersetzt - kommt in der rheinland-pfälzischen Domstadt nun endlich zur Ruhe. Im Technik-Museum, in einer eigens für sie gebauten Halle, soll sie zu letzten Ehren kommen.
Hannelore Rössler hat Erfahrung im Transport sperriger Güter. "Wir haben schon die Concorde und den Jumbo ins Museum chauffiert, aber nichts war so besonders wie die Buran", sagt die Mitarbeiterin einer Schwäbisch-Haller Schwerlastspedition. Monatelang hat sich das Transportunternehmen darauf vorbereitet, die rund 70 Tonnen schwere Raumfähre das letzte Stück vom Speyerer Naturhafen ins nahe gelegene Technik-Museum zu verfrachten. Es ist kein leichtes Unterfangen: Der Weg über Land ist zwar nur drei Kilometer lang. "Aber die Buran ist neun Meter hoch", sagt Rössler.
Sie ist nicht nur hoch, sondern auch kopflastig und schwer. Schon am frühen Samstagmorgen können Hunderte Schaulustige nicht genug von dem Anblick bekommen. Von jenseits des Ural hat die Raumfähre den Weg nach Speyer gefunden, ist eine Besucherin aus einer fernen Welt und für viele eine Rückkehrerin aus dem All - obwohl der vom Museum erworbene Prototyp den Weltraum nie durchflogen hat. Bei ihren 25 Testflügen ist sie über eine Höhe von 6000 Metern nie hinausgekommen. Insgesamt wurden zwei voll funktionstüchtige "Buran"-Raumfähren und sechs Prototypen gebaut. Nur einer "Buran"-Raumfähre war einmal ein Flug ins All vergönnt.
Aber er hat eine lange Reise auf der Erde hinter sich. Vor acht Jahren verkaufte Russland die "Buran" nach Australien, als Ausstellungsstück für die Olympischen Spiele 2000 in Sydney. 2003 trieben die Speyerer Museumsleute den weltraumtauglichen Flieger im Golfstaat Bahrein auf. Sie hatten ihn seit Jahren im Visier und bezahlten nun eine wahrscheinlich sechsstellige Summe für ihn. Ein Rechtsstreit verzögerte die Überführung, sodass die Raumfähre erst am 6. März dieses Jahres an Bord eines Schiffes Kurs auf Europa nehmen konnte.
In Rotterdam bekam "Buran" seine Flügel wieder
Im Seehafen Rotterdam hievte dann Anfang April ein Kran die "Buran" auf einen sechzehnachsigen Anhänger, der zuvor auf einem Pontonschiff positioniert worden war - eine aufsehenerregende Schwimmkonstruktion, die auf eine einwöchige Reise durch die Niederlande und Deutschland ging. Die ursprünglich abgenommenen Flügel waren dem Raumgleiter in Rotterdam wieder zurückmontiert worden, weil er sich auf seiner letzten Etappe von seiner würdevollsten Seite zeigen sollte.
In Speyer angekommen, wurden die Tragflächen am Samstag wieder demontiert. Dann wurden für das "Roll-off" schwere Rampen vor das Schiff gehängt. Der seichte Speyerer Naturhafen ist kein ideales Terrain für die Schwerlaster, die auf eigens verlegten Aluminiumstraßen vor dem Bug ihres Transportguts rangieren. Doch an keiner anderen Hafenanlage hätte die "Buran" von Bord rollen können.
Im Technik-Museum Speyer wartet auf den Raumgleiter eine neu erbaute Halle, in der noch vor Herbstanfang der Ausstellungsbereich "Apollo and Beyond" eröffnet werden soll, deren Star die "Buran" sein wird.
Es ist ein sonniger Samstagmittag am Rhein, als die bis dahin bewegungslose Raumfähre fast unmerklich mit dem Kopf nickt. Die Zugmaschine hat sie an den Haken genommen und zieht sie von Bord. Hannelore Rössler trinkt mit Speditionsfahrer Michael Weber erst mal einen Kaffee. Zwei Flügel, Leitwerk und der Rumpf werden gleich auf vier Lkw im Schritttempo zum Museum rollen. Nie schneller? "Nie", sagt Weber, "schon allein der Zuschauer wegen."
Stefan Höhle, ddp