Sowjet-Raumfähre in Speyer "Burans" letzte Reise

Sie sollte der Stolz der Sowjetunion sein, der Gegenpol zum US-Spaceshuttle: die Raumfähre "Buran". Nun ist das vergessene Meisterstück sowjetischer Ingenieurskunst am Ziel seiner letzten Reise angekommen: im Technik-Museum Speyer.

Speyer - Der "Schneesturm" hat Speyer erreicht: Die sowjetische Raumfähre "Buran" - russisch für Schneesturm - ist nach langer Reise und spektakulärem Schiffstransport über den Rhein in der rheinland-pfälzischen Kleinstadt angekommen. Dort, im Technikmuseum , wird sie ihren Lebensabend verbringen.

"Buran" hat eine weite, äußerst irdische Reise hinter sich: Auf einem Pontonschiff war die Raumfähre von Rotterdam aus über den Rhein geschippert - unter den Augen Tausender Zuschauer, die das Spektakel vom Ufer aus verfolgt hatten. Vorangegangen war eine mehr als vierwöchige Schiffsfahrt vom Golf von Bahrain durch den Suezkanal über das Mittelmeer, durch die Straße von Gibraltar, über den Atlantik und durch den Ärmelkanal.

Völlig vergessen hatte die Raumfähre viele Jahre lang in der Wüste von Bahrain gestanden. Bis sie im Jahr 2004 von einem Düsseldorfer Fernsehteam bei Dreharbeiten zufällig entdeckt worden war.

Insgesamt wurden zwei voll funktionstüchtige "Buran"-Raumfähren gebaut, sowie sechs Prototypen. Nur einem "Buran" war einmal ein Flug ins All vergönnt: Am 15. November 1988, nach mehr als zehn Jahren Entwicklungszeit, hob eine "Buran"-Raumfähre zu ihrem ersten und zugleich letzten Orbitalflug ab - allerdings unbemannt. Nach nur zwei Erdumrundungen war auch schon Schluss und die Fähre landete wieder sicher im kasachischen Weltraumbahnhof Baikonur. Nur ein Jahr später wurde das "Buran"-Programm ein Opfer von Glasnost und Perestroika: Der Eiserne Vorhang fiel und damit wurden die Geldmittel für die sowjetische Raumfahrt knapp.

Mit dem Shuttle-Projekt hatten die Sowjets mit den Amerikanern im bemannten Weltraumflug gleichziehen wollen. Doch das Vorhaben stand unter keinem guten Stern: Schon in den späten siebziger Jahren war klar, dass die Sowjetunion eigentlich keine Verwendung für eine wiederverwendbare Raumfähre hatte. "Buran" war ein reines Prestigeobjekt - und ein äußerst teures dazu. Im Jahr 2000 verkaufte Russland die Fähre als Ausstellungsobjekt an Australien. 2002 dann sollte sie in Bahrain ausgestellt werden - und geriet schließlich in Vergessenheit. Die Raumfähre, die nun nach Speyer ins Museum kommt, ist der Prototyp "Buran 002". Diese Fähre war nie im All und absolvierte nur rund 25 Testflüge in der Atmosphäre.

Nun ist "Buran" wieder ein Prestigeobjekt - für das Technikmuseum in Speyer. Museumschef Hermann Layher freut sich über seinen Coup - und auf steigende Besucherzahlen und Einnahmen: "Alle, die am Ufer gestanden haben, kommen auch ins Museum nach Speyer, das weiß ich."

Steigende Einnahmen wird er nötig haben, denn das "Projekt Buran" verursacht auch lange nach seinen aktiven Zeiten noch immense Kosten: Zehn Millionen Euro haben der Kauf und der Transport der Raumfähre sowie der Bau einer eigens für die Raumfähre angefertigten Ausstellungshalle gekostet.

lub/dpa

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