Space Shuttle "Discovery" zum letzten Flug gestartet

40.000 Menschen schauten vor Ort zu, 1100 Journalisten waren versammelt: In Cape Canaveral hob die Raumfähre "Discovery" am späten Donnerstagabend zu ihrem letzten Flug ins All ab. Sie bringt sechs Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS.


Der Start verlief problemlos - und die "Discovery" ist zum letzten Mal auf dem Weg ins All. Der Space Shuttle hob am Donnerstag um 22.53 Uhr MEZ und damit einige Minuten später als geplant vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida ab.

Der Abschiedsflug der "Discovery" soll elf Tage dauern. Sechs Astronauten fliegen mit der Raumfähre zur Internationalen Raumstation ISS. Neben Nachschub bringen sie den ersten humanoiden Roboter zur ISS.

Die "Discovery" ist mit 230 Millionen Kilometern die meistgereiste Raumfähre der NASA-Shuttleflotte. Ihre Mission ist die drittletzte der US-Raumfähren. Geht alles nach Plan, werden die andere beiden verbliebenen Raumfähren, die "Endeavour" und die "Atlantis", im April und Juni zu ihren Abschiedstouren aufbrechen.

Fotostrecke

13  Bilder
Space Shuttle: Der letzte Flug der "Discovery"
Das Interesse am letzten Flug der "Discovery" ist enorm. Mehr als 1100 Journalisten - viel mehr als bei früheren Missionen - wollten beim Start dabei sein. Die Nasa rechnete mit rund 40.000 Gästen auf dem Startgelände am Banana River. Selbst Ticketpreise von bis zu 59 Dollar konnten die Menschen nicht abhalten. Die Hotels entlang der Space Coast, wie sich die Region selbst nennt, sind seit Tagen ausgebucht, die Parkplätze der Mietwagenfirmen am Flughafen von Orlando leergefegt.

"Discovery" flog die Nasa aus der Krise

Es ist eine bittersüße Abschiedsvorstellung. Bereits im April, drei Wochen nach der geplanten Landung der "Discovery", steht am Kap die nächste Runde der Entlassungen an. Dabei war es die "Discovery", die der Region und dem gesamten Shuttleprogramm immer wieder neues Leben eingehaucht hat: Als die Raumfähre "Challenger" 1986 kurz nach dem Start explodierte, flogen zwei Jahre lang keine Shuttles - bis die "Discovery" startete. Ebenso hob sie als erstes Shuttle 2005 ab, 30 Monate nach dem Absturz der "Columbia".

"Die 'Discovery' ist eine phantastische Maschine, sie hat uns nie im Stich gelassen", sagt Nasa-Manager Mike Leinbach. "Sie fliegt enorm gut, mit äußerst wenigen Problemen im Orbit." Allerdings traten auch immer wieder Probleme auf - diesmal am Haupttank. Ursprünglich hätte die "Discovery" bereits Anfang November starten sollen, dann trat Wasserstoff aus dem Tank aus, schließlich entdeckten Techniker an seiner Außenhaut einen kleinen Riss.

Beim genaueren Nachschauen tauchten immer mehr Risse auf. Der komplette Shuttle musste zurück in den Hangar gefahren werden. Erst kurz nach Weihnachten konnten die Ingenieure den Auslöser des Schadens ermitteln. Offensichtlich hatte es Schwierigkeiten bei der Produktion und Verarbeitung einer Aluminiumlegierung gegeben, die in der Außenhülle des Tanks eingesetzt wird.

Aluminiumlegierung machte Ärger

Die neuerlichen Probleme zeigen aber auch, dass es gut ist, das Shuttle-Programm nach 30 Jahren endlich zu beenden: Die gleiche Aluminiumlegierung war bereits in den Außentanks früherer Flüge verbaut worden. "Wir können nicht ausschließen, dass es schon damals zu Schäden gekommen ist, nur hat sie niemand bemerkt", sagt Bill Ondocsin, Tank-Ingenieur am Marshall Space Flight Center der Nasa in Huntsville (US-Bundesstaat Alabama).

Es ist ein allzu vertrautes Szenario. Sowohl die "Challenger" als auch die "Columbia" sind abgestürzt, weil die Nasa-Manager seit langem bestehende Probleme nicht erkannt oder als nicht schwerwiegend eingeschätzt hatten. Immerhin: Dieses Mal hat man das Problem bemerkt und entsprechend gehandelt.

cai/Reuters/dapd



insgesamt 24 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
SternFuchs 24.02.2011
1. Wo bleibt der Nachfolger?
Zitat von sysop40.000 Menschen schauten vor Ort zu, 1100 Journalisten waren versammelt: In Cape Canaveral hob die Raumfähre "Discovery" am späten Donnerstagabend zu ihrem letzten Flug ins All ab. Sie bringt sechs Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,747514,00.html
Das wäre längst nicht so traurig und tragisch wenn man frühzeitig und ernsthaft ein Nachfolgeprogramm angegangen wäre. Das Shuttle hat sich zwar in wesentlichen Punkten als Fehlkonstruktion herausgestellt, aber aus diesen Fehlern sollte man lernen. Es wäre jedenfalls ein gewaltiger Rückschritt für die Menschheit längerfristig ganz auf bemannte Raumfahrt zu verzichten.
nr6527 24.02.2011
2. Verschwendung von Resourcen
Zitat von SternFuchsDas wäre längst nicht so traurig und tragisch wenn man frühzeitig und ernsthaft ein Nachfolgeprogramm angegangen wäre. Das Shuttle hat sich zwar in wesentlichen Punkten als Fehlkonstruktion herausgestellt, aber aus diesen Fehlern sollte man lernen. Es wäre jedenfalls ein gewaltiger Rückschritt für die Menschheit längerfristig ganz auf bemannte Raumfahrt zu verzichten.
Worin besteht denn der gewaltige Rückschritt? Was erwarten Sie von der bemannten Raumfahrt? Raumfahrt ist sinnloses Verballern von Resourcen, ohne positiven Nutzeffekt für die Menschheit, eine ABM-Maßnahme für Wissenschaftler, aber irgendjemand wird schon daran verdienen.
rotakiwi, 24.02.2011
3. -
Die Nachfolger wurden Aufgrund der Engstirnigkeit der Entscheidenden bei 70% Fortschritt gestoppt - was im normalen Leben niemand machen würde. Dass wir allerdings auf die USAner verzichten müssen, hat wohl seine ganz irdischen Gründe - in den USA gibt es Leute, die sich keine Krankenversicherung leisten können!
vhe 24.02.2011
4. ...
Zitat von SternFuchsDas wäre längst nicht so traurig und tragisch wenn man frühzeitig und ernsthaft ein Nachfolgeprogramm angegangen wäre. Das Shuttle hat sich zwar in wesentlichen Punkten als Fehlkonstruktion herausgestellt, aber aus diesen Fehlern sollte man lernen. Es wäre jedenfalls ein gewaltiger Rückschritt für die Menschheit längerfristig ganz auf bemannte Raumfahrt zu verzichten.
Wer redet denn von ganz verzichten? Erstens gibt's schon ewig und nach wie vor die Sojus-Kapseln. Billiger und zuverlaessiger als das Shuttle sind die allemal. Und da sie nur einmal verwendet werden, kann da auch nix dran altern. IMHO das bessere Konzept. Zweitens können's demnächst auch die Chinesen. Also keine Sorge, es wird weiter bemannte Raumfahrt geben. Nur halt ohne uns und die Amis.
gambrosch 24.02.2011
5. @SternFuchs
Genau das ist mir vorhin auch durch den Kopf gegangen. Es ist wahrlich depremierend zu sehen, dass in der ganzen Zeit kein Alternative, also eine Weiterentwicklung des Shuttle auf den Weg gebracht wurde. Aus allen Fehlern und Problemen hätte (und hat) man schon längst lernen können und die NASA hätte längst (vor Jahren schon) eine verbesserte Version des Shuttle entwicklen können. Nun sollen es private Unternehmen reissen. Damit kommen wir zwar nicht mehr zum Mars, aber immerhin können wir alle dann demnächst im Orbit Urlaub machen. Auch nicht schlecht ;-)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.