US-Raumfähre Space Shuttle "Endeavour" wird Ersatzteilspender

Die Nasa schraubt Tanks aus alten Raumfähren, um sie noch einmal ins All zu schicken. Klingt nach akutem Geldmangel? Nein, sagt die US-Raumfahrtbehörde, die Sache habe ganz andere Hintergründe.

"Endeavour" auf ihrem Überführungsflug ins Museum (im September 2012): Tanks werden ausgebaut
REUTERS

"Endeavour" auf ihrem Überführungsflug ins Museum (im September 2012): Tanks werden ausgebaut


25 Mal war die US-Raumfähre "Endeavour" im All, zusammengerechnet 296 Tage, 3 Stunden und 34 Minuten. Bei ihrem letzten Raumflug im Mai 2011 brachte sie das tonnenschwere Alpha-Magnet-Spektrometer (AMS) zur Internationalen Raumstation (ISS). Der Teilchendetektor kommt dort bei der Suche nach Antimaterie zum Einsatz. Nun sollen - obwohl die "Endeavour" längst im Museum steht - Teile von ihr wieder ins All fliegen.

Doch diesmal geht es um einen deutlich profaneren Job auf der Raumstation: Nach Angaben des California Science Center in Los Angeles sind Techniker gerade dabei, Tanks aus dem Inneren des Shuttles auszubauen. Die Raumfähre wird also zum Ersatzteilspender. Die vier Behältnisse, sie fassen zusammengenommen 300 Liter, sollen zur Aufbewahrung von Wasservorräten auf der ISS dienen.

An der "Discovery" wird nicht herumgeschraubt

Aus dem Shuttle "Atlantis", das am Kennedy Space Center in Florida gezeigt wird, sind die Tanks nach Nasa-Angaben bereits im Mai entfernt worden. Nur die "Discovery" im National Air and Space Museum im US-Bundesstaat Virginia bleibt als Referenzmodell des Shuttles auch in Zukunft komplett.

Nun könnte man sich Sorgen um die Zukunft der US-Raumfahrtbehörde machen, wenn sie es nötig hat, Altmetall aus in Rente geschickten Raumfähren auszubauen. Auf eine Art übrigens, so verspricht man es im Museum, dass die Besucher das gar nicht merken. Doch bei der Nasa hat man eine gut klingende Begründung - die den Eindruck zerstreuen soll, es gehe nur um das Einsparen von einer Hand voll Dollar.

Die Tanks würden dabei helfen, dass die Besatzungsmitglieder auf der ISS zeitlich entlastet würden - indem sie weniger Zeit für das Umpumpen der Wasservorräte auf der Station verwenden müssen. Bis jetzt hat die Nasa aber noch nicht mitgeteilt, wann und wie die Tanks zur ISS gebracht werden sollen.

Im California Science Center war man angesichts des Vorstoßes zunächst etwas überrascht. Das Ganze sei nicht Teil des ursprünglichen Deals mit der Nasa gewesen, erklärte Museumschef Jeff Rudolph. Aber man helfe natürlich gern, wo man könne.

Die Hauptantriebe der Raumfähre waren schon vor dem Weg ins Museum entfernt worden. Sie sollen für die Schwerlastraketen des "Space Launch System" verwendet werden, an denen die Nasa derzeit arbeitet.

chs



insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
RobMcKenna 20.08.2015
1.
Tut mir leid, ich versteh's auch mit der "Begründung" aus dem Artikel nicht. Wenn die Tanks so super-toll sind und angeblich Wasserumpumpen überflüssig machen (warum eigentlich genau?) - warum baut man sie dann nicht einfach nach? Die Baupläne werden ja wohl hoffentlich noch irgendwo im Archiv liegen...
Wolffpack 20.08.2015
2.
Zitat von RobMcKennaTut mir leid, ich versteh's auch mit der "Begründung" aus dem Artikel nicht. Wenn die Tanks so super-toll sind und angeblich Wasserumpumpen überflüssig machen (warum eigentlich genau?) - warum baut man sie dann nicht einfach nach? Die Baupläne werden ja wohl hoffentlich noch irgendwo im Archiv liegen...
Dauert vermutlich zu lange. Aber ich stimme zu, die Begründung ist so auch irgendwie dürftig.
Teile1977 20.08.2015
3. Tüv?
Hmm, vermutlich benötigen derartige Bauteile eine äußerst aufwändige Prüfung um eine Zulassung für die Raumfähren zu erhalten. Und wenn man irgendwo passende Bauteile mit eben dieser Zulassung herumliegen hat und diese gerade gebrauchen kann, warum dann ewig lang durch zig Prüfinstitute schicken?
bissig 20.08.2015
4. Soso
die Hauptantriebe sollen wiederverwendet werden. Waren nicht gerade die Überholungskosten der Antriebe einer der Gründe, warum sich die erhofften Einsparungen bei der Umstellung auf wiederverwendbare Transporter in Luft aufgelöst haben? Wenn es darum geht, schwere Lasten zu transportieren würde es m.E. eher Sinn machen, auf die Triebwerke der Saturn V zurückzugreifen - meines Wissens werden die eh schon analysiert. Der wahre Grund für die Wiederverwendung der Tanks dürfte auch sein, dass kostentreibende Neuqualifizierungen entfallen könnten, wenn die Tanks kompatibel mit dem System auf der ISS sind. Space-qualified sind die Dinger ja schon, und flight-proven auch.
skygirl 20.08.2015
5. Zeitgewinn...
Die Verwendung der Tanks vergrößern die Speicherkapazität der Wasserversorgung und somit müssen die Astronauten sich nicht um den zeitintensiven Prozess das Wasser in andere Behälter umzufüllen kümmern. Natürlich spart das der NASA auch Geld (was sie ja auch nicht abstreitet) aber vor allem wird dadurch Zeit gespart. Zeit die anderenfalls für die Genehmigung neuer Ausgaben, Ausschreibung, Auswahl des Herstellers, Produktion, Zertifizierung und Tests notwendig wäre. In Atlantis und Endeavour sind bereits zertifizierte und funktionierende Tanks vorhanden, die auch noch kompatibel sind, warum also nicht diese benutzen?
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