Space Shuttle Fünf rätselhafte Objekte begleiten "Atlantis"

Erst eins, dann zwei, jetzt fünf. Je genauer die Astronauten hinschauen, desto mehr unbekannte Objekte finden sie in der Nähe des Shuttles. Schäden am Schutzschild konnten sie bei zwei Extra-Inspektionen nicht entdecken: "Atlantis" kann landen - der Rückweg zur ISS ist ohnehin versperrt.


Houston/Cape Canaveral - Die rätselhaften Begleiter seien ringförmig, eines sehe aus wie ein Stück Folie, so präzise und prosaisch zugleich beschrieb der Kommandant der "Atlantis", US-Astronaut Brent Jett, die Objekte, die in der Nähe der Raumfähre schweben. Die Besatzung hatte sie während einer Zusatzinspektion entdeckt, die eigentlich wegen eines anderen unbekannten Wegbegleiters anberaumt worden war. Derzeit fliegen demnach fünf Teile mit dem Space Shuttle um die Erde.

Fundstück Nummer zwei: Nasa tippt auf Plastiktüte. SPIEGEL-ONLINE-Leser tippen auf Werkzeug, Müll oder Weltraumqualle
DDP / NASA

Fundstück Nummer zwei: Nasa tippt auf Plastiktüte. SPIEGEL-ONLINE-Leser tippen auf Werkzeug, Müll oder Weltraumqualle

Das zuerst entdeckte, ein rund fünf mal 13 Zentimeter großes Stück, hatte am Dienstag die Landung der "Atlantis" um einen Tag verzögert. Auf den Bildern einer Überwachungskamera erschien es schwarz. Entweder handele es sich dabei um ein Stück Eis oder um ein sogenanntes Abstandsstück, das vor dem Start versehentlich nicht von den Hitzekacheln entfernt wurde, sagte Shuttle-Programmdirektor Wayne Hale.

Einen zweiten verdächtigen Gegenstand, den Astronaut Daniel Burbank am heutigen Mittwochmorgen fotografiert hatte, hält die US-Weltraumbehörde Nasa inzwischen für eine Plastiktüte. Es handelt sich dabei nicht um dasselbe Stück, das am Vortag durchs Bild gerauscht war. Mehr steht noch nicht fest. "Bisher wissen wir nichts über die beiden Dinge", sagte Nasa-Sprecher Hans Schlegel.

Eine erste viereinhalbstündige Inspektion mit Hilfe von Kameras führte nach Nasa-Angaben zu keinem Befund: Weder sei der Hitzeschild beschädigt, noch fehle etwas. Die einzige Entdeckung, welche die Besatzung während der Prozedur machte, waren die drei neuen, bis auf weiteres ebenfalls unbekannten Objekte. Mutmaßlich eben zwei Ringe und ein Stück Folie, wie der Kommandant per Funk nach Houston durchgab.

Rückkehr zur ISS nicht geplant

Nach einer zweiten, penibleren Überprüfung der Shuttle-Unterseite, gibt es aber nun grünes Licht von der Bodenkontrolle. "Das Raumschiff ist in guter Verfassung und morgen werden wird die Umlaufbahn verlassen", sagte ein Nasa-Verantwortlicher der Shuttle-Besatzung am späten Nachmittag mitteleuropäischer Sommerzeit. Morgen soll der Shuttle gegen 10.20 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit in Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida landen.

Die Vorsicht der Nasa-Verantwortlichen rührt wenigstens teilweise von der Erfahrung mit der "Columbia"-Katastrophe her: Beim Absturz der Raumfähre im Februar 2003 hatten sich Teile der Isolierung des Außentanks gelöst und Hitzeschutzkacheln beschädigt. Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglühte die Raumfähre mit sieben Astronauten an Bord.

An einer sicheren Rückkehr der "Atlantis" scheint man in Houston indessen nicht zu zweifeln. Die Versorgung an Bord der Raumfähre reiche bis Samstag, sagte ein Nasa-Sprecher. Nicht geplant sei, Astronauten ins freie All zu schicken, um eine mögliche Beschädigung von außen zu untersuchen.

Auch eine Rückkehr der Raumfähre und ihrer sechs Besatzungsmitglieder zur ISS sei nicht vorgesehen, hieß es entgegen ersten Spekulationen. Dort ist noch das russische Sojus-Raumschiff angedockt, das die US-Weltraumtouristin Anosheh Ansari befördert hatte. Ebenfalls schloss die Nasa aus, dass eine zweite Raumfähre in den Erdorbit geschickt werden könnte.

stx/AFP/AP/dpa/rtr



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.