Space-Shuttle-Missionen Bitte ein (Giga-)Bit!

Die US-Weltraumbehörde Nasa fürchtet den Zusammenbruch ihrer Webserver, wenn Millionen Raumfahrtfans das in Kürze geplante Abheben der Space-Shuttles "Discovery" und "Atlantis" live im Web ansehen wollen. Nun sucht sie einen Sponsor, der eine dickere Internetleitung bezahlt.

Die Zukunft der bemannten US-Raumfahrt entscheidet sich am Startplatz 39-B  des Kennedy Space Centers in Cape Canaveral. Von dort soll irgendwann zwischen dem 22. Mai und dem 3. Juni die Raumfähre "Discovery" zum Flug STS 114  zur Internationalen Raumstation starten. Einige Wochen später, zwischen dem 12. und dem 31. Juli, soll sich dann auch das Schwesterschiff "Atlantis" (Flug STS 121) auf dem Weg dorthin machen.

Nur wenn diese beiden Missionen - von der Nasa fast trotzig mit dem Slogan "Return to Flight" überschrieben - fehlerfrei laufen, hat die bemannte Weltraumfahrt kurz- und mittelfristig überhaupt eine Chance. Abgesehen vom PR-Super-GAU, den eine weitere Shuttletragödie nach sich ziehen würde, sind die Raumfähren unerlässlich für den Unterhalt der Internationalen Raumstation ISS.

So ist es nur allzu verständlich, wenn sich gerade diesmal besonders viele Raumfahrtfans und Journalisten für den Shuttle-Start interessieren. Doch bei der Nasa sieht man das besonders große Interesse mit gemischten Gefühlen. "Bei den Mars-Rover-Missionen und zuletzt bei 'Cassinis" Eintritt ins Saturn-Orbit haben wir bemerkt, dass in Spitzenzeiten die Zugriffe auf die Webseite nasa.gov  unsere Bandbreite überschritten haben", sagt Nasa-Pressesprecher Bob Jacobs.

Normalerweise ist die Nasa-Webseite über Leitungen mit einer Kapazität von 300 Megabit pro Sekunde ans Internet angebunden. In Spitzenzeiten kann das problemlos verfünffacht werden. Das ist nicht wenig: Eine DSL-Leitung kommt beim Download standardmäßig auf gerade einmal 768 Kilobit pro Sekunde - ungefähr ein Zweitausendstel der Maximallast also.

Doch beim Start von "Discovery" und "Atlantis" drohen die Nasa-Server in die Knie zu gehen. Die Nasa rechnet mit jeweils 20 bis 30 Millionen Besuchern auf ihren Webseiten. Zwischen einer Viertel- und einer halben Million davon dürften sich für die Live-Bilder des hauseigenen Fernsehsenders Nasa TV im Web interessieren. Für so viele Interessenten an Live-Streams sind die existierenden Leitungen bei weitem nicht dick genug. Ein Problem, dass viele Streaming-Anbieter im Web gut kennen.

Für die Zeit der Flüge rechnet die Nasa damit, dass sie eine 40-mal breitere Web-Anbindung benötigt. Und genau hier sollen nun private Sponsoren einspringen, sagt Sprecher Jacobs: "Wir wollen unsere Ressourcen so gut wie möglich nutzen. Wir haben eine Verantwortung dem amerikanischen Steuerzahler gegenüber, unser Budget so effizient wie möglich auszugeben."

Auf eine erste Anfrage der Nasa - eine sogenannte Presolicitation Notice  - haben sich bis vergangene Woche mehr als 30 Firmen gemeldet. Unter ihnen will sich die Weltraumbehörde nun ihren Partner aussuchen.

Wer das ist, steht bis jetzt noch nicht fest. "Wir können nicht darüber reden, welche Firmen sich beworben haben", sagt Bob Jacobs. Klar ist nur so viel: Der Sponsor darf dafür, dass er die Leitungskapazität bereitstellt, sein Logo auf den Webseiten der Shuttlemission unterbringen - ein höchst attraktives Werbeumfeld.

Mit dem Sponsorenaufruf sucht die Nasa zum ersten Mal im großen Stil nach Partnern für ihren Internetauftritt. In anderen Bereichen sei man schon länger aktiv, sagt Bob Jacobs. So habe man zu Beispiel mit den Machern von Spielfilmen wie "Armageddon", "Apollo 13" oder "Space Cowboys" zusammengearbeitet. Außerdem hatte sich die Nasa vor rund zwei Jahren mit dem Spielzeugbauer Lego zusammen getan, um Namen für die Mars-Rover zu finden. In einem weltweiten Wettbewerb hatte ein neunjähriges Mädchen aus den USA die Nase vorn. Ihre Vorschläge "Spirit" und "Opportunity" wurden tatsächlich umgesetzt.

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