Space Shuttle Nasa bringt "Atlantis" in Sicherheit

Endgültig hat die Nasa entschieden: "Atlantis" muss in den Hangar, weil Tropensturm "Ernesto" naht. Damit ist die letzte Hoffnung auf einen Start in dieser Woche zunichte. Nun gerät der All-Kalender durcheinander - auf dem Weg zur ISS droht ein Stau.


Schon der Dienstag war ein Ersatztermin für den Shuttle-Start, und er stand unter einem schlechten Stern. Damit die Raumfähre "Atlantis" abheben könnte, müsste der tropische Wirbelsturm "Ernesto" seine Richtung vollkommen ändern, hatte der Nasa-Manager LeRoy Cain am Sonntag in Florida betont. Darin schwang ein wenig Beschwörung mit und viel Pessimismus. Nun steht fest: Die US-Raumfahrtbehörde Nasa beginnt mit den Vorbereitungen, um ihr Shuttle in die Sicherheit der Montagehalle zu rollen - ein Start in dieser Woche wäre damit unmöglich.

Nun fällt auch das letzte Hintertürchen zu: Solange der Rücktransport der "Atlantis" nur vorbereitet würde, so die Interpretation der Nasa-Sprachregelung vom frühen Nachmittag, stehe der Shuttle ja noch auf der Startrampe. Bei einer eventuellen Wetteränderung könnte dann theoretisch doch der Countdown noch fortgesetzt werden, hatte ein Insider gegenüber SPIEGEL ONLINE spekuliert. Da die Raumfähre nun endgültig in die schützende Halle rollt, existiert auch diese vage Option nicht mehr.

Von bislang 115 Shuttle-Starts seien bislang vier wegen drohender Gefahren durch Wirbelstürme abgebrochen worden, teilte die Nasa mit. Die Route, die Tropensturm "Ernesto" weiter nehmen wird, kann sich zwar jederzeit wieder ändern. Doch die Regeln der Nasa schreiben vor, dass die Raumfähre zwei Tage vor dem jeweils erwarteten Eintreffen des Tropensturms an der Abschussrampe bei Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida im Hangar verstaut wird.

"Ernesto" ist inzwischen von Haiti kommend auf Kuba zu. Nach neuesten Daten wird der Sturm über dem Meer wieder Hurrikan-Stärke erreichen und näher an Cape Canaveral vorbei ziehen, als bislang prognostiziert.

Stau auf dem Weg zur ISS

Das schlechte Wetter der aktuellen Hurrikan-Saison bringt die Nasa terminlich in eine prekäre Lage: Auf der Internationalen Raumstation (ISS) droht es eng zu werden. Wenige Startfenster und enge Pläne könnten die nächste Shuttle-Mission im schlechtesten Fall bis ins Jahr 2007 verzögern.

Geplant war der Start bis spätestens zum 7. September. Sollte es bis zum Dienstagmittag notwendig werden, die Raumfähre in Sicherheit zu bringen, erscheine dieser Plan aber eher unwahrscheinlich, hatte Nasa-Startdirektor Mike Leinbach gesagt. Wenigstens neun oder zehn Tage würden verstreichen, um die "Atlantis" von der Startrampe in die Montagehalle zu schleppen und sie dann inklusive aller vorgeschriebenen Sicherheitsprozeduren wieder zurückzubringen. Der bisherige Rekord der Nasa für ein solches Manöver aus dem Jahr 1999 beträgt elf Tage. Das jetzige Startfenster ist noch bis zum 13. September offen.

Verstreicht aber der 7. September ohne Shuttle-Start, ist die Nasa auf die Kompromissbereitschaft der russischen Weltraumbehörde angewiesen. Diese hat für den 14. September den Start einer "Sojus"-Kapsel vorgesehen, mit der die neue Langzeitbesatzung zur ISS gelangen soll. Auch ein Weltraumtourist soll mit an Bord sein. Mit den Neuankömmlingen und der derzeitigen ISS-Besatzung wäre es in der Station schon eng - die sechs weiteren Astronauten der "Atlantis" würden das Habitat im Orbit überfüllen. Die Russen haben Vorbehalte gegenüber einer "Sojus"-Verschiebung.

Wenn aber die "Atlantis"-Mission wegen "Sojus" zurückstecken muss, werden die verbleibenden Startfenster eng: Zwei Tage im Oktober und einige wenige im Dezember weist die Nasa-Planung noch aus. Und wenn auch diese verpasst würden, müsste die Nasa gar bis 2007 warten. Da die US-Fähren die einzigen Raumfahrzeuge sind, die schwere Bauteile zur ISS bringen können und die Nasa 16 Frachtflüge bis zum Jahr 2010 geplant hat, ist der Zeitplan eng.

Die ursprüngliche Planung sah vor, dass die "Atlantis" am Sonntag vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral abheben sollte. Wegen Blitzeinschlags und schlechten Wetters wurde der Start zunächst auf Montag, dann erneut um mindestens 24 Stunden auf Dienstag verschoben.

stx/AFP/AP/dpa



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