Space-Shuttle-Start "Atlantis" fliegt mit drei Monaten Verspätung ins All

Tankprobleme, Hagelschäden und jede Menge schlechte Schlagzeilen - mit dem Start der "Atlantis" hofft die Nasa, nun endlich wieder auf Weltraum-Arbeit nach Plan. Der Start verlief fast reibungslos. Dennoch gehört der erste Tag im All der Suche nach möglichen Schäden.


Cape Canaveral - Rückkehr zur Normalität, diese Parole hat die Nasa bei ihrem gebeutelten Shuttle-Programm schon häufiger beschworen. Nun geht es darum, den eigenen Zeitplan wieder einzuholen. Am Freitagabend (Ortszeit) hob vom Raumfahrtzentrum Cape Canaveral in Florida das Space Shuttle "Atlantis" ab. Sieben Astronauten sind nun auf der Mission STS-117 unterwegs zur Internationalen Raumstation ISS.

Im Samstagnachmittag mitteleuropäischer Zeit sollen sie ihr Raumschiff mit einer Kamera an der Spitze des Shuttle-eigenen Roboterarms auf mögliche Schäden untersuchen. Vorab zeigte die US-Weltraumbehörde Nasa sich zufrieden mit dem Start. Abgefallene Teile der Schaumstoffisolierung des Außentanks hätten die "Atlantis" wahrscheinlich nicht getroffen, sagte Programmmananger Wayne Hale. Gute zwei Minuten nach Abheben waren Trümmerteile bemerkt worden. Erste Checks hätte aber keinen Hinweis aus Schäden gegeben.

Seit dem Absturz des Schwesterschiffs "Columbia" im Jahr 2003 – dem Shuttle waren ebenfalls Schäden durch herabfallende Schaumstoffteile zum Verhängnis geworden – legt die Nasa großen Wert auf Inspektionen nach dem Start.

Geht bei diesem Flug alles gut, und hält der Zeitplan, so kann bei der nächsten Mission des Shuttles "Endeavour" (STS-118) auch endlich Barbara Morgan ins Weltall fliegen. Das Besatzungsmitglied in Wartestellung ist persönlich mit der tragischen Geschichte der Shuttles verbunden: Zunächst trainierte sie mit der Crew, die 1986 an Bord der "Challenger" verunglückte. Danach lag das Shuttle-Programm auf Eis. Als sie sich viele Jahre später erneut auf einen Ausflug ins All vorbereitete, verunglückte die "Columbia" – wieder sagte die Nasa alle geplanten Flüge ab.

Zurück zum Zeitplan - vor der Außerdienststellung

Noch gut ein Dutzend Flüge sollen die betagten Raumgleiter zur ISS leisten, dann werden sie eingemottet – voraussichtlich im Jahr 2010, obwohl ein Nachfolgefahrzeug erst 2015 zur Verfügung stehen dürfte.

Mit der aktuellen, voraussichtlich elftägigen "Atlantis"-Mission hofft die Nasa, sich wieder dem Plan zu nähern: Der gestrige Start war der erste dieses Jahres, er fand aber wegen Hagelschäden am Außentank der Fähre mit dreimonatiger Verzögerung statt. Ohnehin schien die US-Raumfahrtbehörde im ersten Halbjahr 2007 wie vom Pech verfolgt zu sein:

Jetzt will die Nasa endlich wieder durch Raumfahrt auf sich aufmerksam machen. Sie hat einiges aufzuholen. Auch im ganz gegenständlichen Sinne: Mit jeder Erdumrundung (die rund 90 Minuten dauert) nähert sich die "Atlantis" der ISS um rund 1500 Kilometer. Am Sonntagnachmittag (Ostküstenzeit) soll die Raumfähre dann andocken.

Drei Weltraumspaziergänge sind geplant. An die ISS soll ein besserer Meteoritenschutz montiert werden, ein weiteres Segment sowie weitere Sonnensegel angebaut werden. Der US-Astronaut Clayton Anderson löst Sunita Williams auf der ISS ab.

stx/AP

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